EXOPLANETEN

Die nächste wissenschaftliche Revolution kündigt sich an



Vor einigen Jahren war das noch reine Spekulation: Planeten, die andere Sonnen als unseren eigenen Zentralstern umkreisen. 1976 existiert noch nicht einmal der Begriff "Exoplanet" im "dtv-Atlas zur Astronomie".

Inzwischen hat man schon mehr als 1200 (!) solcher Trabanten gefunden (Stichtag: 9. Mai 2011)

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[2011-05-09 wip / ur 2008-01-04]


(Autor: Jürgen vom Scheidt)


"Die rund 250 bislang bekannten Exoplaneten, die um ferne Sterne kreisen, sind alle bereits mehrere Milliarden Jahre alt . . . Fündig wurden die Astronomen [auch] bei dem 182 Lichtjahre entfernten, acht bis zehn Millionen Jahre alten Stern TW Hydrae." (Bührke 2008)

Diese Sonne wird umkreist von einem Heißen Jupiter (wie die Astronomen solche mehr als 1000 Grad heißen Planeten nennen) und ist etwa zehnmal schwerer als der solare Jupiter. Vor allem aber: er ist extrem jung (vor höchstens zehn Millionen Jahren entstanden) und umkreist das Zentralgestirn in dreieinhalb Tagen (!).
Kein anderer der bislang entdeckten Exoplaneten "ist auch nur annähernd so jung wie dieser und keiner befindet sich noch in der Staubscheibe, aus der er entstanden ist. Damit haben die Astronomen nebenbei auch bewiesen, dass diese Scheiben wirklich die Geburtsstätten von Planeten sind."



Eine wissenschaftliche Revolution bahnt sich an


1976 existiert noch nicht einmal der Begriff im "dtv-Atlas zur Astronomie" von Joachim Herrmann.

Zum Stichtag 3. Jan 2008 hatte man schon 250 solcher Trabanten gefunden.

Derzeit (Stichtag: 9. Mai 2011) zählt man bereits dank dem neuen Spezial-Teleskop Kepler 1235 "mögliche neue Planeten" (Südd. Zeitung vom 28. April 2011)

Die Kurve steigt also deutlich exponential an. Wie lange wird es dauern, bis ein Doppelgänger unserer bisher so einmaligen Erde entdeckt wird?

Inzwischen sind die Beobachtungsinstrumente (allen voran das Hubble-Teleskop im erdnahen Orbit) immer feiner geworden, und siehe da: Wie so oft schon in der Geschichte der Naturwissenschaften bringt die Verbesserung der Wahrnehmung durch neue Geräte einen gewaltigen Schub an Erkenntnissen und schließlich auch ein neues Paradigma.

Zwar hat schon Immanuel Kant die Existenz anderer bewohnter Welten für möglich gehalten - aber er konnte sich diese nur innerhalb unseres eigenen Sonnensystems vorstellen. Der neu entdeckte Exoplanet, der um TW Hydrae kreist, hat übrigens - so ganz nebenbei - auch eine Bestätigung der Theorie von Kant (und seines Zeitgenossen Laplace) gebracht: dass Planetensysteme (er dachte damals natürlich nur an unser eigenes solares) aus Scheiben kosmischen Staubs entstehen - den sog. Akkretionsscheiben. Man nennt dies die Kant-Laplacesche Theorie der Planetenentstehung.

Die Wahrscheinlichkeit, dass solche erdähnlichen Planeten auch bewohnt sind, nimmt natürlich entsprechend ebenfalls zu. Nur hat das leider einen Haken, derzeit zumindest: Aufgrund der physikalischen Gegebenheiten (Lichtgeschwindigkeit als Obergrenze) wird es wohl nie Kontakt zwischen uns und ihnen geben. Oder gibt es da doch Möglichkeiten? In einem neuen Roman-Projekt xytrblk.com befasse ich mich mit genau dieser Frage. Unter anderem.

Ein bekannter SF-Autor und Physiker, Poul Anderson, hat übrigens schon 1963 ein hervorragendes Sachbuch zu diesem Thema geschrieben. Es ist - wie jüngste Lektüre bestätigt - nach wie vor sehr relevant und lesenswert: "Gibt es Leben auf anderen Welten?"

Ein Zitat daraus (S.: 36)

" […] Unendlich ist die Weite des Raums, und unvorstellbar sind die Abgründe, die, nur von dünner interstellarer Materie erfüllt, die Sterne voneinander trennen. Und dennoch finden wir allein in unserer Galaxis wahrscheinlich nicht weniger als fünfzig Milliarden Sonnen, die von einer Schar Planeten umgeben sind, gerade so wie die unsere.
Natürlich konzentriert sich unser Interesse in erster Linie auf solche Planeten, die Leben hervorbringen können. Es ist bedrückend, sich ein Universum vorzustellen, in dem die Erde das Ergebnis eines unglaublichen Zufalls ist, der einzige Planet seiner Art. Wir spüren wie grotesk eine solche Entwicklung hätte sein müssen, und wir fühlen, wie unmöglich ein solcher Zufall ist, Aber mit Spüren und Fühlen allein ist es in einem solchen Fall nicht getan. Wir müssen logisch und sorgfältig unterscheiden, welche Möglichkeiten der Entwicklung von Leben es auf anderen Planeten geben kann. Und als Grundlage unserer Untersuchung benutzen wir selbstverständlich die einzige Art planetarischen Lebens, die wir bislang kennen: Das Leben auf dieser unserer Erde.
[...]
Noch lange nachdem der Mensch herausgefunden hatte, daß es in mehr oder weniger komplizierten Formeln faßbare Naturgesetze gab, die die Bewegung der Sterne selbst in den weitesten Tiefen des Universums bestimmte, war ihm ein gewisses Phänomen seiner Umwelt immer noch ein Rätsel. Dieses Phänomen ist das Leben. Wie sorgfältig die Chemie auch das Wesen der Pflanzen und Tiere erforschte, wie groß auch die Fortschritte waren, die sie erzielte, es gelang ihr niemals, auch nur eine einzige der unerhört komplizierten Reaktionen nachzuahmen, von denen eine Fülle jede einzelne Sekunde im Leben eines simplen Blattes oder eines primitiven Wurms erfüllt. Es ist kein Wunder, daß man lange Zeit die organische Chemie, die Chemie der »einstmals lebenerfüllten Materie«, strikt von der anorganischen trennte. Einige der fähigsten Wissenschaftler waren davon überzeugt, daß das Geheimnis des Lebens, das sich der organischen Substanz mitteilte, niemals entschleiert werde."



Bibliographie
Anderson, Poul: Gibt es Leben auf anderen Welten? (New York 1963_Crowell Collier). München 1964 (Heyne TB)
Bührke, Thomas: "Geburt in der Staubscheibe". In: Südd Zeitung vom 3, Jan 2008
dpa: "Seti im Funkloch". Zit.n. Südd. Zeitung vom 28. April 2011
Herrmann, Joachim: dtv-Atlas zur Astronomie. Mit Sternatlas. (1973). München 1976-01/3. Aufl. 46.-60. Tsd. (dtv TB)


© 2011 / 2008 für diesen Text: Jürgen vom Scheidt / Quelle: www.hyperwriting.de