HB-BLog*

Informationen und Gedanken zum Thema "Hochbegabung"



Dieser BLog dient der Aktualisierung meines Buches "DAS DRAMA DER HOCHBEGABTEN".

Er ist eine Art erster Sammelplatz von Beobachtungen, Einfällen und Zitaten.

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*in Bearbeitung

[2009-08-05 END / ur 2007-10-11]


(Autor: Jürgen vom Scheidt)

5. Aug 2009:
Heute habe ich den ersten Eintrag in unsere neue Website vorgenommen, die nun wirklich ein echter = separater Hochbegabten-Blog wird: minotauros-projekt.de.
Zugleich werden dort alle relevanten Informationen über das langsam anlaufende MINOTAUROS-PROJEKT 2010-2012 veröffentlicht.
Die neue Website ersetzt damit endgültig den HIER geplanten HB-Blog.



8. Jan 2009:
Seit Dezember versuche ich, das HB-Thema allmählich in meinen Labyrinth-Blog im Rahmen der SciLogs von Spektrum der Wissenschaft zu integrieren: Labyrinth-Blog bei epoc.
Nicht einfach - aber es wird allmählich.



13. Jan 2008
Ich habe die Arbeit an diesem Blog jetzt erst einmal eingestellt. Der Labyrinth-Blog für die Zeitschrift epoc kostet mich eine Menge Zeit. Sie finden ihn dort, seit Dezember, über diesen Link:
Labyrinth-Blog



"Die Psychopathen sind immer da.
Aber in kühlen Zeiten begutachten wir sie,
und in den heißen - beherrschen sie uns."
(Ernst Kretschmer, deutscher Psychiater)


Das ist starker Toback, was der deutsche Psychiater Ernst Kretschmer uns da anbietet. Und das in einem Blog zum Thema "Hochbegabung"!


Eine Klarstellung vorab


S. Kasten unten Hier klicken




Es gibt in diesem BLog vor allem zwei Themenlinien


1. Allgemeinere Beiträge zur HB-Forschung oder zu ungewöhnlichen Vorfällen (s. den Eintrag vom 23. Juli 2007)

2. Spezielle biographische Notizen (ich nenne sie BRAIN SPOTS). Dabei ziehe ich Menschen vor, die für gewöhnlich nicht in diesem Kontext gesehen werden,aber m.E. unbedingt hineingehören - z.B. ARNOLD SCHWARZENEGGER und CHUCK BERRY oder Kunstfiguren wie HARRY POTTER.

Dieser BLog ist gewissermaßen mein Vorfluter zu neuen Informationen in Sachen Hochbegabung. Er führt in anderer, modernerer Form weiter, was ich 2003 als Aktualisierung "DAS DRAMA DER HOCHBEGABTEN" in verschiedenen Fomen begonnen habe. Speziell in den Ergänzungen zur Zeittafel von "DAS DRAMA..." finden Sie bereits eine Reihe aktueller Nachträge, desgleichen in den Fragen und Antworten zur HOCHBEGABUNG .

Die Form des BLog - in ihrer Kombination von Persönlichem und Sachlichem - erleichert die Verarbeitung des neuen Materials. In den verschiedenen Beiträgen zur Aktualisierung werden dann nur noch die nüchternen Daten festgehalten.



Inhalt dieses Beitrags

6. Dez 2007: Was ist "genial"?

19. Nov: Hochbegabte Studenten verstecken und unterschätzen sich
16. Nov: Auch an der Uni Freiburg gibt es Dilletanten
10. Nov: Heroen und Psycho-Freaks im TV
3. Nov: Auch Nobelpreisträger können dummes Zeug reden #2

31. Okt: Dilettantischer Umgang mit Talenten an der Uni Konstanz
29. Okt: Wie ist das mit den US-Präsidenten?
28. Okt. Warum nicht Alexander von Humboldt oder Thomas Mann als Beispiele?
27. Okt: Arnie Schwarzenegger # 2: Kampf gegen Bush
26. Okt: Arnie Schwarzenegger # 1: ein Hochbegabter?
25. Okt: Der "musikalisch hochbegabte" Otto Waalkes
24. Okt: Auch Nobelpreisträger können dummes Zeug reden #1
23. Okt: Nicht nur hb Migrantenkinder sind benachteiligt
22. Okt: "Wir können auf kein Talent verzichten" (Angela Merkel) - und nun?
20. Okt: Die schlimmste Katastrophe der Welt
19. Okt: Mohammed war Analphabet - so what?
7. Sep: Die Rechtschreib-Reform, oder: Hochbegabung schützt vor Dummheit nicht
24. Aug: Neunjähriger studiert Mathematik
23. Juli: Normales Leben mit nur 10 % des Gehirns
_Bibliographie




6. Dez 2007

Was ist "genial"?


In der FAZ lese ich in einem - sehr informativen und interessanten - Bericht zum Thema Weltbürgertum bei Imanuel Kant und Hannah Arendt in einem Vortrag von Seyla Benhabib und was sich daraus für die Gegenwart ableiten läßt, diesen Satz:

"Das Weltbürgerrecht soll auf Bedingungen der allgemeinen Hospitalität eingeschränkt sein" schrieb Kant 1795 in seinem Aufsatz "Vom ewigen Frieden". Dieses Recht auf Hospitalität sein "ein Besuchsrecht, welches allen Menschen zusteht [ . . ] Kants von außen nicht erwingbares Recht auf Hospitalität liege, so Benhabib, an den Grenzen des politischen Gemeinwesens "zwischne Menschenrechten und Bürgerrechten [. . .] Für Benhabib ist dieser Grenzgang geradezu genial, mit dem Begriff vom kosmopolitischen Recht werde [von Kant] der Schritt gemacht, "die Menschen als solche und nicht nur, insofern sie Mitgleider eines Gemeinwesens sind, als Rechtssubjekte anzuerkannen."
(Benhabib 2007)

Das Wort genial wird in unseren Tagen sehr inflationär verwendet: Sogar der Fallrückzieher eines Stürmers, der während eines Fußballspiels zum Tortreffer führt, wird als "genial" apostrophiert , ebenso wie ein besonders raffinierter politischer Schachzug eines Ministers oder Großmutters "geniale Weihnachtsgans".

Warum ist das Adjektiv im Falle der Kantschen Argumentation ausnahmsweise (wahrscheinlich) einmal zutreffend?

Weil Kant hier einem wirklich weltverändernden Gedanken Ausdruck verleiht. Und dieses Weltverändern ist ein typisches Kennzeichen von Genialität - und wirklich äußerst selten - genau genommen ein Jahrhundertphänomen. . Darauf kann ich hier nicht näher eingehen - man sollte sich das Referat des Vortrags von Frau Benhabib in der FAZ (vom 5. Dez 2007, im Feuilleton) besorgen - und natürlich auch Kants Aufsatz "Vom ewigen Frieden" und den einen oder anderen Text zum Thema Weltbürgertum.

Nur nebenbei: Sowohl Immanuel Kant wie Hannah Arendt (und wohl auch Seyla Benhabib) darf man getrost als Hochbegabte bezeichnen - und ihr umstürzlerisches Thema Weltbürgertum als ein zentrales Anliegen vieler engagierter hochbegabter Weltveränderer spätestens ab der Renaissance.



19. Nov 2007

Hochbegabte Studenten verstecken und unterschätzen sich


"Umstrittener Grips-Rabatt" überschrieb der Spiegel einen Beitrag zum speziellen Lock-Angebot für hochbegabte Studenten, denen man die Studiengebühren erlassen will (Friedmann 2007, S. 166).
Das Hamburger Magazin läßt zwei Studenten zu Wort kommen, die ein interessantes Licht auf einen Nebenschauplatz dieser Aktion werfen:

Eine Sprachstudentin "erzähle allenfalls guten Freunden, daß sie erfolgreich war"; sie versteckt sich also regelrecht mit ihrer hohen Intelligenz, schämt sich deren vielleicht sogar.

Ein Pharmaziestudent betont, er sei "kein Einser-Student, eher Mittelklasse". Weiß er nicht, daß das eine mit dem anderen nur sehr bedingt zu tun hat?

Beide Reaktionen - sowohl das "sich verstecken" wie das "sich unterschätzen" sind sehr typische Reaktionen, die vor allem eines zeigen: Es ist alles andere als "normal", hochbegabt zu sein.



16. Nov 2007

Auch an der Uni Freiburg gibt es Dilletanten - und bei der taz dito


An der Universität Freiburg wollte man ähnlich wie in Konstanz hb Studenten mit Erlaß der Studiengebühren ködern. Dazu merkt die Berliner tageszeitung an:

Die Uiversität Freiburg erläßt allen die Studiengebühren, deren IQ über 130 liegt. Wer immer sich diesen Rassismus ausgedacht hat, intelligent war er nicht. Dennoch ist der IQ-Rabatt hilfreich. Er macht kenntlich, was Schulen und Hochschulen in Deutschland belohnen - Herkunft und Geburt, aber nicht Leistung.

Hallöchen, Ihr Redakteure und Journalisten von der taz: Wer immer von euch sich diesen ätzenden Kommentar ausgedacht hat, gut informiert war er / sie nicht.
Gleich den Hammer Rassismus zu bemühen - wo ich schon Prügel von der Psychologie heute bekommen habe, weil ich es wagte, die Hochbegabten als eigene Spezies zu bezeichnen - aber ihr von der taz macht auch gleich eine ganze Rasse daraus!
(Spezies = Art = "Teil einer Gattung" ; Rasse wäre der untergeordnete Begriff = "Gruppe von Lebewesen,die sich durch ihre gemeinsamen Erbanlagen von anderen Artangehörigen unterscheiden" - Großer Brockhaus in 10 Bänden 1984)

Und dann diese kühne Behauptung, die Uni würde mit diesem IQ-Rabatt "Herkunft und Geburt" belohnen - schön wär´s ja, wenn sie wenigstens das täten. Aber weder in der Schule noch an der Uni hat jemand ein HB Chance, der nicht sehr früh schon durch ungewöhnliche (exzellente) Leistungen ausgefallen ist!Die erfolglosen Hochbegabten, von denen es in unserem Land nur so wimmelt, haben kaum eine Chance, Hartz IV zu entgehen, weil ihnen niemand zeigt, wie sie zu Erfolg kommen können - resp. wie sie erfolg überhaupt erst einmal wollen lernen könnten - denn viele wurden shcon in der Schule oder gar im elternhaus demotiviert und gemobbt, so daß siees bald aufgegeben haben, Erfolg erzielen zu wollen. Da liegt also der Hase im Pfeffer, liebe taz.

Daß dies vor allem Aufsteiger aus den unteren sozialen Schichten betrifft, macht die Angelegenheit nicht angenehmer.



10. Nov 2007

Heroen und Psycho-Freaks im TV


Das amerikanische Fernsehen hat sie längst als interessante Charaktere entdeckt: die Hoch- und Höchstbegabten. In jüngster Zeit locken sie in zwei Serien die Zuschauer vor die Bildschirme:

° In Heroes (auf RTL II in deutscher Fassung) sind es Superhelden mit Talenten, die wirklich staunen lassen: Sie können fliegen, Gedanken lesen und haben alle eines gemeinsam (allerdings auch mit allen normalen Hochbegabten wie jedem Normalbegabten vor den Bildschirmen): sie müssen erst lernen mit ihrenGaben richtig umzugehen. "Ihre außergewöhnlichen Kräfte geben der Story zusätzlichen Reiz." (TV Spielfilm).

° In Psych (auf RTL I) ist es - ähnlich wie im Vorbild Monk - ein ungewöhnlich scharfsinnigerund blitzschnell auffällige Merkmale kombinierender Detektiv. Wenn das mal kein Hochbegabter ist! Nur muß Shawn Spencer, der diese Fähigkeit besitzt und damit erfolgreich ansonsten unlösbare Fälle doch zu knacken vermag, rasch begreifen, daß niemand ihm sein Talent zutraut. Da macht er also die interessante Erfahrung, die viele andere Hochbegabte schon in Elternhaus oder spätestens in der Schule machen (und ich meine jetzt nicht nur die total erfolglosen Underachiever): Man nimmt sie, bestenfalls, nicht für voll oder bestraft sie sogar für ihre ungewöhnliche Intelligenz.

Was tut Shan Spencer? Er giibt sich als Hellseher aus - und siehe da: diesen esoterischen Quark kauft man ihm ab.

Nur nebenbei angemerkt: Würde man die Hochbegabten aus dem Angebot der TV-Sender oder überhaupt aus den Medien entfernen, blieben nicht mehr viel davon übrig. Ganz finster würde es, wenn man die Spezialisten in der Produktion (Regisseure, Kamerleute,Drehbuchautoren, Darsteller etc.) auch noch eliminierte.
Dem widerspricht m.E. nicht, daß manches - gerade im Fernsehen - recht schwachsinnig daherkommt. Manche Hochbegabte haben es schon in der Schule gelernt, ihre hohe Intelligenz hinter mittelmäßigen Noten und Herumgekaspere zu verstecken - und bleiben ihr Leben lang dabei. (S. unten 25. Okt: Otto Waalkes).




3. Nov 2007

Auch Nobelpreisträger können dummes Zeug reden #2


James Watson (s.u. 24. Okt) sollte ab und zu mal eine Zeitung lesen oder sich im Fernsehen schlau machen. Dann würde er rasch eine Menge dunkelhäutiger bis tief schwarzer Zeitgenossen entdecken, die es dank ihrer Hochbegabung (und nur deshalb) in höchste Positionen geschafft haben:

° Da wäre, allen voran, die amtierende Außenministerin der USA, Condoleezza Rice (nebenbei noch als exzellente Pianistin gelobt);

° dazu einige enorm erfolgreiche Banker wie (bis vor kurzem jedenfalls) Stan O´Neal von Merryll Lynch und Kenneth Chenault, Chef von American Express, beide ebenfalls in den USA.

° In Indien hat dieser Tage der ebenfalls recht dunkelhäutige Ratan Tata den zweitgrößten indischen Stahl-Konzern durch geschickte Zukäufe zum fünftgrößten der Welt geschmiedet.

° Da wäre der britische Bildungsminister David Lammy (um nur einen dunkelhäutigen Minister zu nennen - in Afrika muß es davon geradezu wimmeln).

° Da wäre eine satte Mehrheit ungemein erfolgreicher Musiker (im Jazz ebenso wie im Schlagergeschäft wie im klassischen Sektor), über deren Dominanz schon so mancher weiße Musiker geklagt hat.

° Und da sind schließlich, um bei der Musik zu bleiben, in Indien eine Fülle exzellenter bis genialer Musiker wie der Sitar-Virtuose RAVI SHANKAR, deren Namen in unseren Gefilde noch kaum jemand kennt (Ravi Shankar mal ausgenommen).

Nikolaus Piper merkte bezüglich der Wirtschaft an, daß dort in zunehmendem Maße Schwarzamerikaner ihre Chancen nützen, und er untermauert dies mit Zahlen:

Im historischen Maßstab sind die Erfolge der Afroamerikaner in der Wirtschaft der Vereinigten Staaten riesig, sie bleiben jedoch immer noch hinter vielen Erwartungen und hinter den Erfolgen anderer Minderheiten zurück [ . . .]

Piper relativiert dies jedoch gleichzeitig:

[ . . . ] sind zwar 15 Prozent aller Hochschulabsolventen in den USA entweder schwarz oder haben lateinamerikanische Eltern. Aber nur acht Prozent machen einen Abschluß als MBA an einer Business School - in der Regel der Start für eine Karriere in der Wirtschaft. Nur drei Prozent schaffen es in eine Führungspositionen und ganze 1,3 Prozent der Chefs von Amerikas 1000 größten Unternehmen gehören einer der beiden Minderheiten an.

Aber
[. . .] es stieg die Zahl der Unternehmen mit schwarzem Eigentümer zwischen 1997 und 2002 um 45 Prozent auf 1,2 Millionen.

Vorausgesetzt, daß bei den Afrikanern und afrikastämmigen Amerikanern die Intelligenzhöhe einigermaßen ähnlich normalverteilt ist wie bei den Weißen, so kann es nur eine Frage der Zeit sein, bis sie Hochbegabten darunter ebensolche Erfolge aufweisen wie ihre hellhäutigen Zeitgenossen. Aber dazu müssen - in den USA wie in Südafrika - erst einmal die Traumatisierungen und psychischen wie geistigen Narben verheilt sein, die drei Jahrhunderte Entwurzelung, Sklaverei und Rassismus ihnen zugefügt haben.

Und: Intelligenzmessungen müssen endlich losgelöst werden von dem derzeit herrschenden akademisch-intellektuellen Verständnis von Hochbegabung.



31. Okt 2007

Dilettantischer Umgang mit Talenten an der Uni Konstanz


An der Universität Konstanz ventilierte man einige Wochen die tolle Idee, hochbegabte Studenten von den Semestergebühren zu befreien.
Das war gut gemeint - aber nichts weiter als ein dilettantischer Schuß in den Ofen. Hat sich denn niemand von diesen wohlmeinenden Leuten einmal bei Experten (zum Beispiel am psychologischen Institut der Uni Konstanz) danach erkundigt, wie das mit den Hochbegabten (auch unter den Studenten) so ist im wirklichen Leben?
° Daß zum Beispiel viele von ihnen keineswegs mit guten Noten brillieren -
° oder daß die mit dem tollen Abitur-Durchschnitt nicht unbedingt dieselben sind, die später mal einen Nobelpreis bekommen oder sonstwie durch Kreativität und Innovation aus der Masse der Studenten herauswachsen?
Eines der verblüffenden Ergebnisse der berühmten Hochbegabten-Langzeit-Studie von Lewis Terman war, daß diese Hochbegabten, die man da herausgefiltert und Jahrzehnte lang begleitet hat, zwar durchaus erfolgreiche Laufbahnen absolvierten, aber in vielen Fällen rechte Langweiler und gut angepaßte Männer und Frauen waren - wenn auch im oberen Segment der Gesellschaft.
Die späteren Überflieger und Nobelpreisträger Alvarez (Chemie, Sauriersterben durch Asteroidenimpakt) und Stockley zum Beispiel wurden in die Studie gar nicht erst aufgenommen, weil sie nicht den Kriterien entsprachen.
Hochbegabte Studenten müßte man ganz anders fördern.

Wie sagte Gottfried Benn einmal (wenn auch in anderem Zusammenhang): "Kunst ist das Gegenteil von gut gemeint". Das darf man auch zu dieser Idee der Uni Konstanz anmerken (die ihren Vorstoß inzwischen abgebrochen hat).



29. Okt 2007

Wie ist das mit den US-Präsidenten?


Eine spannende Frage. John F. Kennedy, Bill Clinton und die frühen Gründerväter der USA waren fraglos Hochbegabte; unzählige Details ihrer Biographien und ihre gesamte Leistung im Amt beweisen dies. Nixons Intelligenz wurde, bei allen Zweifeln an seinem Verhalten, selbst von seinen Gegnern gerühmt. Auch George Bush der Ältere war ein eindrucksvoller Präsident (das zeigt schon sein Abbrechen des ersten Golfkriegs aus Gründen der politischen Vernunft). Sein Sohn hingegen, der uns den aktuellen Afghanistan-Krieg, den (zweiten) Irak-Krieg und demnächst vielleicht sogar einen Krieg gegenden Iran beschert(e)?

Nun, das Führen von Kriegen, auch von auf Lügen basierenden Angriffskriegen, ist für sich noch kein Merkmal für mangelnde Intelligenz. Da müßte man viele Herrscher der Vergangenheit in den Orkus der Dummheit stürzen - den fraglos hochbegabten Napoleon eingeschlossen.

Umgekehrt wird schon eher ein Stiefel daraus: Präsident der größten politischen und wirtschaftlichen Macht auf diesem Planeten wird man nicht allein deshalb, weil man viel Geld für den Wahlkampf mobilisieren kann oder einen reichen Vater mit exzellenten Beziehungen hat. Sogar Bush jun. könnte durchaus ein Hochbegabter sein, obgleich er sich immer wieder sehr dumm bzw. intellektuell minderbemittelt und ungeschickt benommen hat. Man sollte jedoch nie übersehen, daß er ein nicht-therapierter Alkoholiker ist und entsprechend sehr reduziert in seinen intellektuellen Möglichkeiten (denn viel der vielleicht vorhandenen Ressourcen wird dann vom Niederhalten der Sucht aufgezehrt). Eine angebliche religiöse Bekehrung und christliche Wiedergeburt dürfte da kaum ausreichen, um eine echte Heilung zubewirken - eher im Gegenteil.

Aber Genaueres wird man wohl nie erfahren
° weder über den Einfluß des enormen Drucks von seiten des Vaters und des ganzen Bush-Clans auf seine psychische und geistige Entwicklung,
° noch über die schlimmen Auswirkungen eines ungelösten Vater-Sohn-Konflikts (Bush jun. mußte dem Senior wohl beweisen, daß er besser Krieg führen kann im Irak)
° noch über die intellektuell äußerst einengenden Auswirkungen einer fundamentalistisch-religiösen Weltsicht.



28. Okt 2007

Warum nicht Alexander von Humboldt oder Thomas Mann?


Leser meines Buches Das Drama der Hochbegabten haben mich verschiedentlich gefragt, warum ich dort als Beispiele für (realisierte) Hochbegabung nicht solche Leuchten des Geistes wie Alexander von Humboldt, Johann Wolfgang von Goethe oder Thomas Mann vorstelle.
Dies monierte beispielsweise ein früherer Deutschlehrer von mir. Meine Antwort:
Diese Menschen sind so selbstverständlich im Bewußtseins des Bildungsbürgertums und seines Wertekanons verankert, werden vor allem in Schule und Universität unaufhörlich in den Mittelpunkt gestellt, bei Jubiläen ausgiebig gefeiert, in den Feuilletons zitiert, mit TV-Sendungen gewürdigt und sind in ganzen Bibliotheken von Sekundärliteratur so präsent - daß ich mich da nicht auch noch dranhängen muß.

Wer aber ist RAVI SHANKAR, warum halte ich den Bösewicht Adolf Hitler für hochbegabt und die kretische Prinzessin Ariadne?

Das finde ich viel aufregendere Themen als einen tausendsten Beitrag zur Genialität von Albert Einstein oder Sigmund Freud. Wobei ich mit letzterem schon deshalb eine Ausnahme mache, weil vieles zu seiner Person und seinem Werk wenig bekannt ist und er noch (und wohl auch für immer) quer zur konservativen akademischen Kultur und ihrem Wertekanon steht

Ich liebe die Querdenker und Rebellen!



27. Okt 2007

Arnie Schwarzenegger 2: Kampf gegen Bush


Inzwischen sind in Kalifornien eine Million Menschen auf der Flucht vor den verheerenden Feuersbrünsten und Gouverneur Schwarzenegger hat den Notstand ausgerufen - eine Szenario wie aus einem seiner action-Filme.

Für ihn kommt das Desaster politisch wie gerufen, denn es paßt in die Warnungen der Klimaforscher vor den kommenden Ereignissen, denen dringend gegengesteuert werden muß. Schwarzenegger hat sich - wie Al Gore - mit großem Geschick politisch in dieses Thema eingeklinkt: "Der ehemalige Budybuilder und Terminator will in Kalifornien eine generelle Klimawende durchsetzen." (SZ vom 25. Okt 2007).
Sobald die akute Not mit den Feuern in Kalifornien ihm die Zeit läßt, wird er in Lissabon als eine der wichtigsten Persönlichkeiten an einer Klimakonferenz teilnehmen "und mit der EU über gemeinsame Standards für den künftigen Handel mit Emissionsrechten beraten".

Nicht nur damit setzt Schwarzeneggerr sich geschickt von seinem Präsidenten George W. Bush ab, sondern er greift ihn sogar frontal an: mit der Klage gegen Washingtons oberste Umweltbehörde EPA, welche strengere Auflagen für Autos blockiert (ohne Frage im Sinne, wenn nicht im Auftrag des industriefreundlichen Bush).

Ich schon gespannt, was Arnie noch alles aus sich herausholen wird. In einem der umfangreichen Fernseh-Berichte anläßlich seines 60. Geburtstags über ihn und seine Lebensgeschichte, sagte jemand aus dem Kennedy-Clan etwas sehr Aufschlußreiches: Schwarzenegger könne gut zuhören und "sauge Informationen wie ein Schwamm auf".

Das ist ein sehr starker Hinweis auf Hochbegabung: Die intensive Aufnahme (und entsprechend auch Speicherung im Gedächtnis) von Informationen.



26. Okt 2007

Arnie Schwarzenegger ein Hochbegabter?


"Das ist eine tragische Zeit für Kalifornien", sagt der Bodybuilder Arnold Schwarzenegger. Es steht auf der Titelseite der Süddeutschen Zeitung unter einem Foto mit der wütenden Feuersbrunst, die die dicht besiedelte Küste des US-Staats bedroht. Und ein paar Seiten weiter wird er gleich noch einmal zitiert: "Was wir jetzt dringend brauchen, ist ein Wetterwechsel." Nicht gerade eine tief gründelnde Erkenntnis - aber ein klarer politischer Hinweis - denn das Thema Umwelt, Klimaschutz und eben auch das damit veränderte Wetter ist ganz eindeutig ein Element des Gouverneurs von Kalifornien, mit dem er sich seit einiger Zeit unübersehbar als politisches Schwergewicht in Stellung bringt - auch und speziell gegen seinen eigenen Präsdidenten und Parteikollegen bei den Republikanern.

Deutsche Politiker reißen sich geradezu um Foto- und Gesprächstermine mit dem bekannten Schauspieler: Außenminister Steinmeier ebenso wie Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (als er noch im Amt war). Für Tony Blair ist der Bodybuilder und siebenmalige (und zudem noch allerjüngste) "Mr. Universum" der letzte Gesprächspartner, bevor der britische Premier im Sommer 2007 aus dem Amt scheidet.

Sein Engagement für den Kilimaschutz hat ihn unter den bekannten Amerikanern gleichauf mit dem frischgebackenen Nobelpreisträger und ehemaligen Vize-Präsidenten Al Gore gerückt -

Pardon, es ist hier natürlich nicht vom österreichischstämmigen Bodybuilder die Rede, sondern vom Darsteller des Terminator und einem der bestbezahlten Filmschauspieler der Welt -

Oder sollte ich besser sagen: Es ist der erfolgreiche Unternehmer für Kamineinbauten und den Vertrieb von Bodybuilder-Utensilien, mit Universitätsabschluß in Betriebswirtschaft, den ich meine?

Wer immer dies liest und die Ereignisse auf der Welt verfolgt, weiß natürlich längst, daß all dies Schwarzenegger kaum zu solcher Medienpräsenz verholfen hätte, daß man von ihm Statements zu Buschfeuern rund um Malibu auf der Titelseite angesehener Tageszeitungen abdrucken würde. Es ist vielmehr sein Amt als Gouverneur des sechswichtigsten Wirtschaftsraums der Erde, das ihn so zitabel macht.

Hätte ich vor, sagen wir mal, zwanzig Jahren behauptet, Arnold Schwarzenegger sei ein Hochbegabter, hätte man nur vielsagend gegrinst und mich für etwas unterbelichtet gehalten. Nach seinen gigantischen Filmerfolgen und seiner Heirat mit der Nichte von John F. Kennedy (was seinem Aufstieg in den Hochadel der USA gleichkam), wäre das Grinsen vielleicht etwas weniger ausgeprägt gewesen. Und heute - nach der Wiederwahl zum Gouverneur und nicht nur innerhalb der USA ein zunehmendes politisches Schwergewicht geworden?

Ich denke, so eine Karriere, beginnend als Sohn eines Dorfpolizisten in der österreichischen Provinz und hochkletternd in eines der höchsten politischen Ämter der Erde, das schafft man nicht, wenn man keine besonderen Gaben und insbesondere einen exzellenten Verstand hat - eben den eines Hochbegabten.
Mehr zu Schwarzenegger in meiner Kurzbiographie hier auf der WebsiteARNOLD SCHWARZENEGGER



25. Okt 2007

Der "musikalisch hochbegabte" Otto Waalkes


Zur Abwechslung mal was aus der Welt der leichten Muse: In der Besprechung der neuen Tour von Otto Waalkes in der SZ nennt ihn Titus Arnu einen "musikalisch hochbegabten Scherzbold". Auf jeden Fall ist der friesische Entertainer ein Multitalent, nicht zuletzt mit seinen Sprachspielereien. Sie bewegen sich zwar nicht selten an der Grenze zum Debilen - aber eben ganz bewußt. Auch das muß man können. Ganz köstlich ist jedenfalls für meine Witzantennen die Bezeichnung Evergrins für seine Darbietungen früherer Gags (eigentlich Evergreens - nein, das muß ich nun wirklich nicht erklären . . . )



24. Okt 2007

Auch Nobelpreisträger können dummes Zeug reden


James Watson, der Entdecker der Doppelhelix-Struktur des Erbguts und dafür 1962 zusammen mit seinem Kollegen Crick mit dem Nobelpresi geehrt, gibt nicht zum ersten Mal dummes und beleidigendes Zeug von sich. So hat er bei früherer Gelegenheit gefordert,
° "häßliche Frauen" mittels genetischer Selektion zu "eliminieren"
° und Abtreibung zu erlauben, falls erwartbar sei, daß das Ungeborene schwul werden könnte (als ob man das überhaupt diagnostizieren könnte).

Nun hat Watson, inzwischen 79-jährig und offenbar zu seiner naturwissenschaftlichen Hochbegabung nicht unbedingt auch noch mit etwas Altersweisheit gesegnet, den dritten Heuler losgelassen:
"Menschen mit dunkler Hautfarbe sind weniger intelligent als Weiße",verkündete er dieser Tage in der Londoner Sunday Times.
Der britische Bildungsminister David Lammy, Vorgesetzter Watsons als Kanzler einer renommierten Forschungseinrichtung, ist selbst von dunkler Hautfarbe und reagierte entsprechend heftig. Watson mußte sofort gehen und verschaffte sich so einen äußerst unrühmlichen Abgang aus seiner naturwissenschaftlich sonst recht beachtlichen Karriere.

Hochbegabung kann sich als intellektuelle Hochbegabung äußern und beispielsweise in einer akademischen Laufbahn realisiert werden. Wenn jemand wie der Nobelpreisträger James Watson Schwarzamerikaner oder -afrikaner für grundsätzlich dümmer als Weiße hält - dann ist er blind für Hochbegabung, die sich nicht-akademisch verwirklicht. Dies kann sich ja zum Beispiel als Musiker-Karriere äußern. Wobei der konservative Bildungsbürger wohl eher noch eine schwarze Opernsängerin wahrnehmen wird - aber kaum einen Jazz-Saxophonisten wie John Coltrane oder einen Rock´n´Roller wie CHUCK BERRY).

Und hat der Nobelpreisträger schon mal was davon gehört, wie 300 Jahre Sklaverei, Apartheid und Rassendiskrimninierung das größte geistige Potenzial zerstören können? Nicht nur in Südafrika, sondern auch in den USA waren die Farbigen für die herrschende weiße Herrenrasse minderwertig und konnten gar keine Talente realisieren, weil man sie ihnen nicht nur absprach, sondern sie auch von entsprechenden Fördermaßnahmen abschnitt. Was die angebliche intellektuelle Unterlegenheit dann, in einem sich selbst verstärkenden oder unterhaltenden Teufelskreis zur "sich selbsterfüllenden Prophezeiung" macht.

Es gibt inzwischen in den USA genügend erfolgreiche Schwarze in der dritten und höheren Generation nach der Sklaverei, die das Vorurteil von Leuten wie Watson widerlegen. Unzählige höchst erfolgreiche Dunkelhäutige in Indien verweisen den Nobelpreisträger mit seinem rassistischen Dünkel zudem ins Land der intellektuell Blinden.

Das Ganze ist übrigens nicht nur ein Skandal - sondern zugleich ein wunderbares resp. schauderhaftes Beispiel dafür, daß eigene Hochbegabung (und Watson gehört fraglos in diese Kategorie) einen nicht vor den üblichen allgemeinmenschlichen Blindheiten und Schwächen schützt, die Hochbegabte und Normalbegabte nun einmal teilen. Ganz im Gegenteil: Erfolgreiche Hochbegabte sind aufgrund ihrer Prominenz gefährdet durch Überheblichkeit, Arroganz und Selbstüberschätzung. Was offenbar wieder einmal zu beweisen war.

Fazit: Nicht nur Alter schützt vor (neurotischer?) Dummheit nicht - Hochbegabung ebensowenig.



23. Okt 2007

Nicht nur hb Migrantenkinder sind benachteiligt


Gerade kam die neue Ausgabe der Zweimonats-Schrift Labyrinth der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind. Sie ist sehr professionell gemacht und informiert ausgezeichnet, differenziert und aktuell:
° nicht nur über die Aktivitäten der rund 6000 Vereinsmitglieder (Kinder, Jugendliche, Eltern, Berater)
°sondern auch über die n euesten Entwicklungen in der HB-Forschung
° und nicht zuletzt über die Auswirkungen der Existenz von rund drei Prozent HB in der Gesamtbevölkerung.

Sehr spannend in der aktuellen Ausgabe: Das Referat einer Studie über hb Migrantenkinder:
"In der Begabungsforschung wird davon ausgegangen, dass unter allen Bevölkerungsgruppen mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit von 2,5 bis 5 % ´hochbegabte´ und bis zu 10 % weit ´überdurchschnittlich Begabte´ existieren. Es ist davon auszugehen, dass sich an deutschen Schulen unter den ca. 1,8 Millionen Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund 90.000 besonders Begabte bzw. 180.000 weit überdurchschnittlich Begabte befinden. . . Doch längst nicht alle werden als solche erkannt." (Tan 2005, S. 7)

Die Autorin, Liliane Dubovaja, Historikerin und Mitglied in der DGhK, hätte ruhig die traurige Wahrheit ergänzen können:
Genau dies, was sie bei den Migrantenkindern moniert, ist leider nach wie vor bei den ganz normalen deutschen hb Kindern ohne Migrationshintergrund ebenso der Fall: Sie werden oft nicht erkannt, nicht richtig gefördert und gehen nicht selten "verloren" für die Gesellschaft und, was viel schlimmer ist: Sie gehen sich dadurch selbst ein Stück weit verloren.
Was ich sehr schade finde: Eigentlich müßten die Probleme der (meist ja ebenfalls hochbegabten) Eltern dieser hb Kinder im Mittelpunkt stehen. Denn die Probleme der Kinder sind in hohem Maße ein Spiegel der Probleme ihrer Eltern - wie die Erfahrungen aus der Familienforschung und -therapie zeigen. Dies wird in der DGhK bis jetzt kaum bis gar nicht thematisiert (ich war zehn Jahre Mitglied und weiß, wovon ich rede).

Entsprechend ist diese doch recht beachtliche Anzahl von überdurchschnittlich begabten Menschen in ihren Bemühungen letztlich recht hilflos. Es gelang nicht einmal, das von einer hochmotivierten Elterngruppe mit viel Elan und unter großen (auch finanziellen) Opfern im Rheinland gegründete Internat Talenta speziell für hb Kinder zur Aufgabe der DGhK und einem Modell-Projekt zu machen.

Die Crux der DGhK ist, daß sie nur ehrenamtliche Tätigkeiten koordiniert. Das endet erfahrungsgemäß (vor allem, wenn so viel persönliche Not das Thema ist) damit, daß die überforderten und sich in Selbstausbeutung verschleißenden Mitglieder (vor allem die Frauen in den Führungs- und Beratungsfunktionen) irgendwann entnervt das Handtuch werfen - und durch neue Ehrenamtliche ersetzt werden, die dann den selben mühsamen, steinigen, dornigen Weg der Selbstausbeutung "für Gotteslohn" gehen - nicht selten bis hin zum Burnout.

Was ließe sich da auf die Beine stellen, wenn man die ganze Geschichte professionalisiert! Aber das würde erfordern, daß man die Position und Selbstdefinition des "ehrenamtlichen Dienstes an der Gesellschaft" bei der DGhK endlich aufgibt - was ich aufgrund der Struktur und des Einzugsgebiets des Vereins (besorgte Eltern mit Kindern, die oft schon völlig ins Aus einer verständnislosen Umwelt geraten sind) für geradezu unmöglich halte.

Was für eine Vergeudung von menschlichen Ressourcen!

Diese Aufgabe delegiert man stattdessen an den Staat und seine (föderalen) Kultusbehörden. Doch dort sitzen kaum Leute, die die Belange und Probleme der Hochbegabten wirklich interessieren.

Das ist jedenfalls meine Meinung aufgrund intensiver Beschäftigung mit diesem Thema.



22. Okt 2007

"Wir können auf kein Talent verzichten" (Angela Merkel) - und nun?


Unsere Bundeskanzlerin Frau Merkel verkündete soeben,daß wir "auf kein Talent verzichten" können (Südd. Zeitung vom 7. Okt 2007) .

Schön wäre es, wenn dies nicht nur ein Lippenbekenntnis bliebe und nichts weiter als eine Wiederholung dessen, was ihr Vorgänger Gerhard Schröder vor einigen Jahren genauso, fast wortwörtlich, ebenfalls in die Medien hinausposaunte.
Wenn es überhaupt eine Antwort der Schulbehörden gab, dann war es die Ganztagsschule - etwas, das hb Schüler wahrscheinlich nur entsetzlich nervt, weil die mit ihrer Freizeit Besseres anzufangen wissen, als noch länger am Tag in der Schule herumzuhocken, deren Angebote sie vielfach nur langweilen.



20. Okt 2007

Die schlimmste Katastrophe der Welt


Mimi Leder läßt in dem SF-Film Deep Impact die schlimmste Katastrophe noch einmal gnädig an der Menschheit vorbeigehen, als ein Asteroid sich unserem Planeten nähert. Aber die amerikanische Regierung bereitet sich immerhin auf den Ernstfall vor. Eine Million Menschen sollen in Höhlenbunkern gerettet werden:
° 800 000 werden vom Zufall anhand der Sozialkarten-Nummer ausgelost
° 200 000 werden schon vorab gezielt ausgewählt, unter Wissenschaftlern, Ärzten, Offizieren, Künstlern, Lehrern . . . also unter den Hochbegabten, sagen wir es rundheraus. Dem Zufall nach würden auch unter den ersterwähnten 800.000 Auserwählten nochmals einige Tausend (3 x 8.000 = 24.000, um es genau zu beziffern) Hochbegabte sein: die rund drei Prozent, die den Anteil der Hochbegabten an der Gesamtbevölkerung der USA ausmachen.

Im Beitrag über RAUMFAHRT habe ich (unter dem Datum 15. Okt 2007) diese Gedanken weiterentwickelt. Es wäre eine eigene Betrachtung wert, solche Organisationen wie die NASA und andere wissenschaftliche bzw. technische Organisationen einmal unter dem Aspekt der Hochbegabung und der Organisation von HB zu untersuchen. Beim GLETSCHERMANN Ötzi habe ich das ansatzweise schon versucht.



19. Okt 2007

Mohammed war Analphabet - so what?


Vielleicht fang ich mir jetzt ja Ärger mit fundamentalistischen Moslems ein: Ihr Prophet Mohammed war zwar ein sehr gebildeter, sicher auch hochbegabter und weit gereister Mann; doch er war - soviel die Historiker wissen - Analphabet und konnte deshalb den Koran nicht selbst aufschreiben. Er war also nicht "des Lebens und Schreibens kundig", wie ich im Buch Das Drama der Hochbegabten voreilig behauptet habe.

Aber jemand von seinem Rang hatte es gar nicht nötig, selbst zu schreiben; dafür hatte man - nicht nur damals - einen Sekretär. Das war schon im alten Ägypten so. Es gab allerdings in der Antike bereits Herrscher, die stolz darauf waren, selbst die Schriftzeichen zu beherrschen, so den assyrischen Herrscher Assurbanipal (669-630 v.dZ. - Details bei Ekschmitt 1968).

Dennoch:
° Frühes Lesen (vor Schuleintritt) gilt als einer der sichersten Hinweise auf Hochbegabung LESEN und Hochbegabung
° und Schreiben (insbesondere aus eigenem Antrieb) ist das wertvollste Werkzeug für Hochbegabte (wobei die Beherrschung zusätzlicher mathematischer Grundkenntnisse sicher kein Schaden ist!)



7. Sep 2007

Die Rechtschreib-Reform, oder: Hochbegabung schützt vor Dummheit nicht


Was dies mit dem Thema Hochbegabung zu tun hat? Sehr viel - s.unten.
Ich kann es mir nicht verkneifen: Jetzt, wo alle eingeknickt sind und auch die letzten Bastionen des Widerstands (FAZ) gegen den Reform-Irrsinn ihren Widerstand endgültig aufgegeben haben, wird es Zeit, selbst einen Schlußstrich zu ziehen:
"Soll ich auch - oder soll ich nicht?"

Ich werde mich natürlich allmählich auch anpassen - habe schließlich keine Lust, wie weiland Asterix mit seinem gallischen Dorf den Römern trutzig Widerstand zu leisten - und dafür mega out zu sein (ist das Duden-korrekt? oder heißt das dudenkorrekt? Mal im Wahrig nachsehen!).

Die Macht des Faktischen ist eben eine. Aber ich liebe das "scharfe ß" viel zu sehr (auch wenn es erst vor nicht einmal einem Jahrhundert in die deutsche Schrift eingeführt wurde).

Dieses ß ist übrigens ein wunderbares Beispiel für die Inkonsequenz und wirkliche Dämlichkeit dieser Reform: Statt es nun einfach total abzuschaffen - was die ehrlichste Aktion gewesen wäre und endlich mal die die antiquierten Tastaturen der Schweizer richtig rehabilitiert hätte - da hat man es nur in manchen Fällen entfernt.

Das Chaos ist ohnehin vorhersehbar:
° weil die FAZ trotzig dem Duden die Gefolgschaft verweigert (dessen Redaktion man wohl nicht zu Unrecht zu den Bösewichten zählt), sondern sich nach einem Konkurrenzwerk richten wird,dem Wahrig. Und jede Zeitungsredaktion und jeder Verlag hat offenbar vor, kleine hausgemachte Varianten der Reform zu praktizieren.

Ich erinnere mich noch deutlich an meine Zeit als Lektor für die wissenschaftlichen Veröffentlichungen der Nymphenburger Verlagshandlung; das war 1969 ("als wir auf dem Mond gelandet sind -"). Berthold Spangenberg, ein sehr angesehener und erfolgreicher Verleger jener Tage, pflegte in Zweifelsfällen nicht den Duden (dessen Diktatur er sichtlich verabscheute) zu befragen oder gar zu befolgen - sondern traf eigene (und manchmal recht eigenwillige) Entscheidungen in punkto Rechtschreibung. Geschadet hat es, soweit ichdas beurteilen kann, weder ihm noch seinen Autoren noch seinen Lesern.
(Oh - mir wird gerade bewußt, daß ich wahrscheinlich damals entsprechend duden-kritisch geimpft wurde!)

Doch kommen wir endlich zur eingangs gestellten Frage: Was hat diese unsägliche Reform mit dem Thema Hochbegabung zu tun?

Nun, das ist leicht zu beantworten:

1. Die Reformer gehören ohne Frage zur intellektuellen crème de la crème unserer deutschsprachigen Kultur und Gesellschaft - allesamt honorige Professoren und Ministerialräte und Kultusminister. In diese soziokulturellen Höhen gelangt man nicht ohne entspechende intellektuelle Kapazität mit IQ von 130 aufwärts.

2. Typisch ist, wie hier die Angehörigen einer Elite-Minderheit, die ja als Reformer noch einmal eine winzige Minderheit in der Minderheit darstellen, ihre Macht mißbrauchen, um nicht nur dem deutschen Volk, sondern auch noch den Schweizern und Österreichern ihre verstiegenene Konstruktionen einer neuen deutschen Rechtschreibung aufzuzwingen. Das ist nicht nur undemokratisch und wurde an allen Betroffenen vorbei organisiert (speziell vorbei an den wichtigsten Sprachverwendern und -schöpfern: den gut 200.000 Journalisten und Schriftstellern, aber auch vorbei an allen Parlamenten und sonstigen
demokratischen Einrichtungen!) - es war und ist diktatorisch im übelsten Sinne.

3. Das Schlimmste aber finde ich, daß die anderen Hochbegabten, immerhin mehr als zwei Millionen allein in unserem Land, das ohne jeden Widerstand geschluckt, brav abgenickt und umgesetzt haben.
All die hochbegabten Verleger, Schriftsteller, Redakteuere, Journalisten, Professoren, Wissenschaftler, Politiker, Unternehmer, Lehrer (ja, auch unter denen gibt es eine Menge Hochbegabter) und vor allem Eltern - all diese Repräsentanten der geistigen Führungsschicht, die ja Sprache und vor allem Schrift tagtäglich benützen - sie haben sich das bieten lassen, haben den Schwanz eingezogen und die bittere Pille geschluckt.
Das läßt nichts Gutes erwarten. Und die kaum spürbaren Widerstände gegen eine immer totalitärer werdene Überwachung, der Abbau der bürgerlichen (unsere Demokratie garantierenden) Rechte durch Herrn Schäuble und Konsorten zeigen ja, wie es mit der Zivilcourage der Eltiten beschaffen ist. Sie tendiert gegen Null.
Wie vor einigen Jahrzehnten schon einmal. Als alle unsere Eliten total versagt haben gegenüber den totalitären Ansprüchen eine kleinen Gruppe von Soziopathen (die Bezeichnung Psychopath verwendet die Psychiatrie nicht mehr)..
Damit es nicht zu Mißverständnissen kommt: Die Rechtschreibreformer halte ich keineswegs für Soziopathen oder Psychopathen, so hoch (oder tief) möchte ich das Thema nun doch nidcht hängen. Aber mit den Soziopahten von damals um Adolf Hitler teilen sie die Verachtung der demokratischen Grundregeln. Und alle haben sich das gefallen lassen.

Ist das ein Stück Hybris der Hochbegabten? Da gehören ja immer zwei Fraktionen dazu: eine, welche die Hybris verkörpert - und die andere, die sie sich das gefallen läßt.
Ich denke, dies ist eher das Resultat einer massiven Deformation professionelle und fachneurotischer Dummheit, welche diesen Herren-Club (Frauen waren ja offenbar keine beteiligt) so agieren ließ. Und keiner hat des Kaisers neue Kleider und vor allem die darunter verborgene intellektuelle Nacktheit bemerkt -
Nein, stimmt nicht. Bemerkt haben sie viele. Aber dann sich energisch zusammengerottet und etwas dagegen getan?

Ja, diese Rechtschreibreform hat es in sich! Wenn man genau hinschaut. So viel zum Thema Zivilcourage bei Hochbegabten.



24. Aug 2007

Neunjähriger studiert Mathematik


Das Kontrastprogramm zur Meldung vom → 23. Juli 2007:

Neunjähriger studiert ab September in Hongkong Mathematik. Nach exzellenten Prüfungsresultaten ließ ihn die Universität March Boedihardjo zum Studium zu.
(Der Bund, Bern, vom 24. Aug 2007)

Kommentar: Das ist was für die Freak Show Solche Super-Höchstbegabten (gerne als Wunderkinder apostrophiert) sind eigentlich nur in der Domain Mathematik möglich. Ein Neunjähriger könnte allenfalls noch mit enormen Spracherwerbs-Leistungen glänzen oder mit ungewöhnlich frühreifem naturwissenschaftlichem Durchblick - aber niemals könnte so jemand einen Roman schreiben. Denn der würde einiges mehr an gelebtem Leben verlangen.



23. Juli 2007

Normales Leben mit nur 10 % des Gehirns


In Südfrankreich lebt ein 44-jähriger Mann, der mit nur etwa zehn Prozent der üblichen Hirnmasse ein relativ normales Leben führt. Um einen drohenden Wasserkopf zu behandeln, legte man in seiner Kindheit eine Drainage zum Absaugen von Gehirnwasser, was offenbar zu dieser massiven Schrumpfung des Gehirns führte.

"Es ist das erste Mal, dass wir so stark erweiterte Hirnkammern und so wenig Hirnmasse sehen", sagt der behandelnde Neurologe. Erstaunlicherweise führt der Patient ein unauffälliges Leben, ist verheiratet, hat zwei Kinder und arbeitet als Beamter in der Steuerbehörde.

Sein IQ liegt bei 75, der verbale IQ sogar bei 84. Es handelt sich also um einen vergleichsweise niedrigen Wert - der jedoch eine enorme Leistung darstellt bei der so drastisch reduzierten Zahl an Nervenzellen. Florian Heinen, Experte für Gehirnentwicklung am Haunerschen Kinderspital der Universität München, meint dazu: "Das ist extrem, aber es gibt immer wieder Patienten mit erstaunlich wenig Gehirn. Die wenigen Nervenzellen leisten dann offenbar genauso viel, wie es Millionen mehr Zellen bei anderen Menschen tun." (zit. n. Südd. Zeitung vom 20. Juli 2007, S. 1)




Eine Klarstellung



Es gibt zum Thema Hochbegabung einige grundlegende Mißverständnisse:
1. HB wird oft mit dem verwechselt, was man besser als Höchstbegabung bezeichnet. Während als hochbegabt (mit einem IQ von 130 +) rund drei Prozent der Gesamtbevölkerung gelten (statistisch korrekt sogar nur 2,27 Prozent) - was ja immerhin allein in Deutschland mehr als zwei Millionen Menschen betrifft
- sind die Höchstbegabten allenfalls im Promillebereich zu finden und werden wegen ihrer extremen bis bizarren epochalen Höchstleistungen gerne auch als Wunderkinder oder gar als Genies bezeichnet.
2. Viele Menschen, die fraglos hochbegabt sind, glauben es nicht - oder weisen dies sogar geradezu empört von sich - weil kein entsprechender Lebenserfolg in finanzieller Form oder wenigstens als gesellschaftliche Anerkennung vorhanden ist. Ich nenne diese HB Latente Talente und schätze ihren Anteil auf weit über die Hälfte aller HB wenn nicht auf zwei Drittel (wobei der Frauenanteil der weitaus größere sein dürfte).
3. Dieses Nicht-Realisieren des angeborenen HB-Potenzials sollte man nicht verwechseln mit dem, was Underachiever tun: Die leben deutlich sichtbar weit unter dem ihnen möglichen Niveau, zum Beispiel als Hilfsarbeiter, obwohl sie von ihren Anlagen her mit Erfolg irgendein Universitätsfach studieren und entsprechende Karriere hätten machen können. Die oben erwähnten Latenten Talente hingegen kommen in ihrem Leben einigermaßen zurecht - nur nagt eine im Lauf des Lebens wachsene Unzufriedenheit an ihnen. Sie stellen sich immer wieder die Fragen "Sollte das wirklich alles gewesen sein?"
4. HB kann sich als intellektuelle Hochbegabung äußern und beispielsweise in einer akademischen Laufbahn realisiert werden. Wenn jemand wie der Nobelpreisträger James Watson Schwarzamerikaner oder -afrikaner für grundsätzlich dümmer als Weiße hält (s. unten 24. Okt), dann ist er blind für jede Form von Hochbegabung, die sich nicht-akademisch verwirklicht.
5. Hochbegabung verhindert keineswegs, daß jemand kriminell oder höchst unmoralisch handelt (was sich am Beispiel Hitlers aufzeigen läßt).
6. Nicht jeder Prominente in herausragender Position ist allein schon deshalb ein Hochbegabter. Aber mit Ferndiagnosen ist das so eine Sache. Beispiel: Der US-Präsident Bush (s. Eintrag vom 29. Okt 2007).


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Bibliographie

Arnu, Titus : "Hollareidi". In: Südd. Zeitung vom 25. Okt 2007
Bay, Michael (Regie): Armageddon. USA 1998 (Columbia)
Benhabib, Seyla: "Weltbürger" (zit.n. FAZ vom 5. Dez 2007)
Dubovaja, Liliane: "In Gefahr wegen des Missverständnisses: Hochbegabte Kinder mit Migrationshintergrund in der Grundschule". In: Labyrinth (Zeitschrift der DGhK) Nr. 93, Okt 2007, S. 4-7)
Ekschmitt, Werner: Das Gedächtnis der Völker: Hieroglyphen, Schriften und Schriftfunde. (1968) München 1980 (Heyne TB), S. 21: "Der königliche Schreiber"
Friedmann, Jan: "Umstrittener Grips-Rabtt". Der Spiegel Nr. 47 vom 19. Nov 2007, S. 166
Leder, Mimi (Regie): Deep Impact. USA 1998
Merkel, Angela - zit. nach Südd. Zeuitung vom 7. Okt 2007 ("Bildung ist Integration")
Piper, Nikolaus:"Der Stan-O´Neal-Faktor". In: Südd. Zeitung vom 3. Nov 2007
Tan, D.: Im Schatten des defizitären Blickes: Hochbegabte Migrantenkinder und Jugendliche". In: Zeitschrift der Ausländerbeauftragten des Landes Niedersachsen, 2005, N 3, S. 7


© 2009 / 2007 für diesen Text: Jürgen vom Scheidt / Quelle: www.hyperwriting.de