MARKETING FÜR AUTOREN

Tips und Tricks für bessere Verkäufe



Ein Buch schreiben ist eine Sache - es gut an die Leser zu bringen, eine völlig andere - und sie können das nicht nru dem Verlag überlassen!

Der Autor muß sich gewissermaßen spalten: in einen Schreiber und einen Verkäufer.

(Bild: Ganeesha ist in Indien der Gott, der Glück bringt - und Geld.)

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[2007-10-09 wip / ur ]


(Autor: Jürgen vom Scheidt)


(Vortrag während der Buchmesse 2007 in Frankfurt am Main, am 10. Okt um 15.00 Uhr)



„Wer hat, dem wird gegeben“


Zusammenfassung


Ich richte mich mit diesem Beitrag vor allem an Autoren, die ihr(e) Werk(e) selbst als BOOK ON DEMAND veröffentlicht haben oder dies beabsichtigen und nach Möglichkeiten suchen, die Bücher besser an die potenziellen Leser zu bringen.

Vor allem geht es darum, sich selbst als Autor "besser zu verkaufen" - also gutes SelbstMarketing zu betreiben.

Als Autor trägt man ja "die eigene Haut" ohnehin zu Markte, setzt sich nicht nur Lob, sondern auch Kritik aus. Sobald man auf diesen (Buch-)Markt geht, sollte man das allerdings richtig tun.



Inhalt dieses Beitrags
Die Bestselleritis - unser schlimmster Feind
Tip 1: Lassen Sie sich niemals entmutigen durch anfängliche Mißerfolge
Tip 2: Vergessen Sie die "hilfreichen Kleinigkeiten" (Vistitenkarte) nicht
Tip 3. Lernen Sie zu sagen: „Ich Ich Ich!“
Tip 4: Veranlassen Sie andere Menschen, auf Sie, den Autor, zu schauen
Tip 5: Lassen Sie sich nicht blockieren durch Ihre scheinbar geringe Rolle. . .
Tip 6: Machen Sie sich wichtig - sorgen Sie für news - werden Sie NEWS
Tip 7: Nützen Sie die Chancen des Internets!
Tip 8: Vernetzen Sie sich mit anderen Autoren
Tip 9: Sorgen Sie für Kontinuität Ihrer Produktion als Autor
Tip 10: Investieren Sie in Ihre Autoren-Karriere
Tip 11: Spalten Sie Ihre Persönlichkeit
Tip 12: Streben Sie immer nach Höherem
Tip 13: Lernen Sie von den Erfolgreichen
Tip 14: Schreiben Sie endlich einen Bestseller!
Ein wenig Werbung im Netzwerk - für zwei Kollegen
Bestselleritis - die Zweite
_Bibliographie




Ein Buch zu schreiben, ist ein großes Abenteuer.

Dieses Buch dann auch an die Leser zu bringen, ist ein ebenso großes - und ebenso wichtiges Abenteuer!

Ein ganz gutes - nein: das beste Beispiel, auf welches Abenteuer Sie sich da einlassen und womit Sie als Autor zu kämpfen haben, ist diese Buchmesse:

° Hier läuft Ihr potenzielles Publikum herum - in Scharen - in riesigen Scharen.
° Hier sitzen Ihre potenziellen Verleger in den Ständen - ebenfalls in großen Scharen.
° Und hier begegnen Sie auch Ihrer Konkurrenz - ebenfalls in Scharen von Autorenkollegen und von Verlagen.

94.716 Titel kamen letztes Jahr auf diesen Buchmarkt über 100.000 sind es dieses Jahr. Gut ein Drittel davon sind Romane und andere belletristische Veröffentlichungen - also rund 30.000 Romane, vermute ich mal. (Focus, 1. Okt 2007)

Frage: Wie können sie sich auf diesem gigantischen Markt etablieren und behaupten?

Antwort: Sie müssen eine Art Feld schaffen, das Sie sichtbarer macht. Dazu brauchen sie vor allem ein unterstützendes Netzwerk.

Wie stellen Sie das an? Dazu sollen 14 Tips helfen, die ich im Folgenden vorstellen möchte.



Die Bestselleritis - unser schlimmster Feind


Ein Drittel der Bücher, die im vergangenen Jahr in Deutschland über den Ladentisch gingen, wurde von den Autoren der Top 100 geschrieben - fast zwei Drittel des großen Kuchens stammt von den Autoren der Top 1000. Und die noch fehlendenpaar Prozente - die stammen von den mehr als 100.000 übrigen Autoren.

Die Bestseller - und die Bevorzugung dieser Titel in den Buchhandlungen - die sind unser größter Feind, könnte man sagen. Zunächst einmal sieht es jedenfalls so aus. Alle hier auf der Messe – und die dürfte sehr repräsentativ für den Buchmarkt überhaupt sein – haben dieses gemeinsame Problem der Bestselleritis. Aber in diesem Problem liegt auch die Herausforderung und die Chance für jeden Autor - auch für Sie!

Was können Sie tun, damit Ihr ganz spezielles Werk in dieser gigantischen Flut nicht untergeht? Ich habe - mit bislang 36 eigenen Buchveröffentlichungen in 40 Jahren - ein wenig Erfahrung auf diesem Gebiet und möchte Ihnen in paar bewährte Tips und Tricks anbieten. Daß ich hier stehe und von Ihnen in diesem gigantischen Messerummel wahrgenommen werde, ist bereits einer dieser Tips: Machen Sie sich sichtbar.

Nun können Sie einwenden: Der hat gut reden, mit 36 Veröffentlichungen. Doch gemach. Schauen wir uns einmal die Realität an, bevor wir uns in Phantasien ergehen.



Meine vierzehn Tips


Manche dieser Tips mögen Ihnen einfach und sogar trivial vorkommen. Dennoch werden sie gerne dennoch ignoriert, obwohl sie hilfreich sind - speziell die ersten beiden:



Tip 1: Lassen Sie sich niemals entmutigen durch anfängliche Mißerfolge


Als Autor brauchen Sie gleichzeitig
° eine dünne Haut (damit Sie Ihre Sensibilität richtig nützen können, die Ihnen das Schreiben erst ermöglicht)
° und paradoxerweise gleichzeitig ein dickes Fell - als Schutz vor übertriebener oder bösartiger, dummer, falscher Kritik (sachliche Kritik sollten Sie nützen, um besser zu werden) - aber auch um sich ins Getümmel des Marktes zu stürzen, in welcher form auch immer.



Tip 2: Vergessen Sie die "hilfreichen Kleinigkeiten" wie eine Visitenkarte nicht


Unter Kleinigkeiten verstehe ich so hilfreiche Assecoires wie:

° Vistenkarte (auf der sollte deutlich "Beruf: Schriftsteller" vermerkt sein - stehen Sie zu Ihren Ambitionen - auch als Anfänger)
° Flyer (sobald Sie mehr als ein Buch veröffentlicht haben)
° vielleicht sogar schon eine eigene Website (darüber mehr unter Tip 7).

Und dann empfehle ich noch, immer etwas dabei zu haben, was ich als Exposé-Karte bezeichne: eine Karteikarte, auf der Sie vermerken:
° den Titel Ihres Buches
° seine zentrale These (auch Unterzeile oder Kernsatz genannt)
° und das Thema (als kurze Inhaltsangabe)
Diese Exposé-Karte soll Sie immer daran erinnern, daß Sie dieses Buch geschrieben haben, oder daß Sie es schreiben wollen. (Dann müssen Sie nicht ständig ein Exemplar dabei haben - obwohl vielleicht auch das nicht schlecht wäre.)



Tip 3. Lernen Sie zu sagen: „Ich Ich Ich!“


Dieses Ich-Sagen, diese personenbezogene Einstellung ist nicht jedermanns Sache. Aber bedenken Sie:

Im selben Augenblick, da Sie ein Buch veröffentlichen, tun Sie genau dies ja bereits. Sie stellen sich hin und rufen „Schaut mal her Leute – ich habe euch etwas zu sagen – in meinem Buch steht es drin – kauft es!“

Das Problem ist nur:

Die meisten Autoren machen dies halbherzig - bleiben bei der Veröffentlichung als Buch stehen. Dieses Veröffentlichen ist jedoch nur der erste Schritt im Marketing-Prozeß. Sie haben damit den Buchmarkt zwar betreten – aber wie Ihnen die lebendige Erfahrung dieser Buchmesse zeigt, sind Sie damit nur ein winziges Partikelchen dieses gigantischen Basars geworden - und keineswegs dessen Mittelpunkt.

Sie müssen also noch viel öfter – und in ganz anderen Formen – rufen: „Ich ich ich - Schaut mal alle her!“

Das ist jedoch wirklich nicht jedermanns Sache. Hier begeben wir uns geradewegs in die Gefilde der Verkaufspsychologie, und zwar in ihre tiefsten Tiefen. Die Psychoanalyse hat sich, nach Sexualität und Aggression erst sehr spät mit dem Thema Narzißmus beschäftigt. Genau dies ist jetzt unser Thema: Sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen wie der sagenhafte Narziß - darum geht es beim Autor nicht zuletzt. Allerdings schauen wir uns nicht selbstverloren in den Spiegel einer Quelle – sondern wir wollen – nein: Wir müssen von anderen Menschen gesehen werden. Aber die sehen Sie, den Autor, eben nur dann, wenn Sie wirklich gesehen werden möchten.
Das zentrale tiefenpsychologische Problem vieler Menschen ist: Sie verstecken sich, sie schämen sich geradezu und wollen nicht gesehen werden. Das geht auch vielen Autoren so.

Immerhin schaffen die, deren Bücher gedruckt werden – in welcher Form auch immer – und sei es als Book on Demand im Selbstverlag, den wichtigen ersten Schritt: Sie veröffentlichen ihre Gedanken. Sie erzählen ihre Geschichte in gedruckter Form.

Und nun muß es weitergehen – wenn Sie Erfolg haben wollen mit Ihrem Werk und sogar Geld damit verdienen möchten.

Also: „Ich ich ich“ nicht nur leise flüstern (indem Sie bescheiden Ihr Buch drucken lassen) – sondern laut schreien!

Wem das zuwider ist, der kann nur eines tun und trotzdem Erfolg haben: Andere für sich schreien lassen. Damit kommen wir zu Tip 4.



Tip 4: Veranlassen Sie andere Menschen, auf Sie, den Autor, zu schauen


Bringen Sie andere dazu, auf Sie zu deuten und zu sagen bzw. zu schreiben: „Schaut mal hin: da ist Frau X, da ist Herr Y – die haben der Welt etwas zu sagen. Lesen Sie dieses Buch – kaufen Sie es.“

Selbst wenn einer der großen Verlage mit einem entsprechenden Werbeetat Ihr Buch gut platziert, so bedeutet dies noch lange nicht, daß
° es die Buchhandlungen in ihr Sortiment aufnehmen – oder gar neben die Kasse legen
° daß es die Kritiker in den Redaktionen der Massenmedien beachten oder gar positiv darüber berichten.

Am Montagabend dieser Woche war wunderbar zu studieren, wie die Medien arbeiten. Das „Buch des Jahres“ wurde im Fernsehen vorgestellt – Julia Franck gewann den ersten Preis und wurde entsprechend zum Mittelpunkt. Neben ihr standen auf der Bühne noch die Gewinner von Platz zwei bis sechs - aber von denen wurden nicht einmal die Namen erwähnt! Es zählt nur die Nummer Eins!

So geht das zu in den Medien. Eine hübsche junge Frau – mit einem Frauenthema: Mittagsfrau. (Sie wissen ja wohl, daß Romane vorwiegend von Frauen gekauft und gelesen werden, nicht wahr? Und daß Männer harte Thriller vorziehen und Science Fiction und Sachbücher.)

Im Scheinwerferlicht stehen ansonsten stets dieselben bewährten Schlachtrösser, deren Meinung der Spiegel, die Süddeutsche Zeitung und die Fernsehsender zu jedem Tagesthema einholen. Das ist für diese Autoren natürlich jedesmal eine kostenlose, bombige PR-Aktion: Sich zu äußern zum Bundeswehreinsatz in Afghanistan, zur künstlichen Befruchtung und zur Klimakatastrophe.
Das sind die bereits erwähnten Top 100 mit bewährten Namen wie Günter Grass und Martin Walser, die alles dazu tun, um ja nicht übersehen oder gar vergessen zu werden. Da ist es schon ganz praktisch, daß man auch mal – natürlich ohne eigenes Zutun – Mitglied in der SS war.

Wie können Sie erreichen, daß Sie in diesem Meer von Büchern und eigentlich ohne jede Chance dennoch wahrgenommen werden?



Tip 5: Lassen Sie sich nicht blockieren durch Ihre scheinbar geringe Rolle. . .


. . . angesichts der Giganten des Buchgeschäfts im großen Meer der Bücher und Autoren. Es gibt unglaubliche, aber wahre Beispiele für Erfolge gegen all diese Medien- und Markttrends, die Ihnen als Autor am Beginn der Karriere zunächst einmal keine Chance lassen.

Ein Beispiel, das für viele andere stehen mag, ist Ingeborg Stadelmann. Von Beruf Hebamme in Ermengerst bei Kempten, schrieb diese Autorin ein Buch, in dem sie ihre beruflichen Erfahrungen allgemeinverständlich niederlegte: Die Hebammen-Sprechstunde. Kein Verlag interessierte sich für die 400 Seiten dieses Manuskripts. Frau Stadelmann war nahe daran, aus Verzweiflung ihr Manuskript in Brand zu stecken. Dann wagte sie den Schritt zum Selbst-Verlag und brachte es 1994 in eigener Regie auf den Markt - und hatte schon im September 2004 sage und schreibe 300.000 Exemplare verkauft! (Südd. Zeitung vom 11. Sep 2004)

Noch ein zweites Beispiel, nun aus dem belletristischen Bereich: Pertra Hammesfahr. 159 Absagen bekam, nach eigenen Angaben, die deutsche Krimi-Autorin; dann schaffte sie es endlich. Sie war 40, als sie mit einer Kurzgeschichte im Playboy den "Fuß in die Tür der literarischen Welt" bekam. Bald darauf gelang ihr mit dem Roman Die Sünderin bei Rowohlt der Durchbruch.

Positive Beispiele dieser Art sind enorm wichtig ,wenn Sie Absagen von Verlagen bekommen – oder die Absatzzahlen Ihres Buches bedrückend winzig sind.
Immer vorausgesetzt, daß Ihr Buch etwas taugt (wie man dessen Qualität eventuell verbessern könnte, ist hier ja nicht das Thema)
Immer vorausgesetzt also, daß Ihr Buch etwas taugt: Wie können Sie dessen Qualitäten bekannter machen?

Da gibt es die bewährten Tips wie
° Lesungen veranstalten (bei Belletristik)
° Vorträge und Seminare zum Thema halten (bei einem Sachbuch)
° Eigener Auftritt im Internet mit einer interessanten Website

Aber all dies ist erst ein Anfang:

° Eine Lesung nützt ihnen wenig bis gar nichts, wenn Sie nicht gut lesen und am besten einen event daraus machen, wie man Neudeutsch sagt - ein interessantes Ereignis, das im Gedächtnis haften bleibt - und das den Umsatz Ihrer Bücher verdoppelt und verdreifacht, weil die Leute Sie, den Autor plötzlich interessant finden!.
Und wie machen sie das? Peppen Sie diese Lesung beispielsweise auf, indem Sie einen Schauspieler oder deren zwei mit verteilten Rollen beteiligen - das macht außerdem etwas her für die Berichterstattung und unterhaltsamer für das Publikum ist es allemal (das habe ich dem bekannten britischen Science-Fiction-Autor Brian Aldiss abgeguckt).

° Eine Website nützt Ihnen noch gar nichts – wenn Sie nicht dafür ebenfalls Werbung und Public Relations machen. Und wie machen Sie das?



Tip 6: Machen Sie sich wichtig - sorgen Sie für news - werden Sie NEWS


Wie werden Sie NewS - also interessant für die Medien und die Leser?
Aus NEWS können Sie auch ein Anagramm machen:
Nachrichtenleute
erwarten
wirklich
Sensationelles

Es muß nicht unbedingt etwas super Sensationelles sein. Aber es sollte sich um ein originelles Thema handeln (was ja hoffentlich auch das Thema Ihres Buch ist), das sich in den Medien für ein größeres Publikum interessant und unterhaltsam aufbereiten läßt. Beispiel: Die Geschichte der Corinna Hofmann, die einige Jahre in Afrika bei einem Eingeborenenstamm lebte und daraus den Bestseller Die weiße Massai machte (den übrigens zunächst auch kein Verlag veröffentlichen wollte).

Natürlich sind Sie wichtig, als Mensch mit Ihrem ganz eigenen, unverwechselbaren Schicksal. Irgend etwas hat Sie dazu getrieben, aus diesem Schicksal eine bestimmte Sequenz oder ein interessantes Detail herauszugreifen und daraus ein Buch zu machen: erzählend, autobiographisch, sachlich berichtend, dokumentarisch, lyrisch . . .

Genau dieses Detail sollten Sie nun in seiner besonderen – nämlich jetzt auch noch gedruckt vorliegenden – Wichtigkeit hervorheben und bekannter machen.

Eben erwähnte ich die bewährten Tips, Lesungen und Vorträge zu halten. Aber wie bekommen Sie die Volkshochschule in Ihrem Heimat- oder Nachbarort oder eine Buchhandlung überhaupt dazu, als Autor akzeptiert zu werden?

Der Buchhändler muß ja einiges investieren – muß Werbung machen, um den Saal zu füllen. Der schmückt sich also, ebensowenig wie die Volkshochschule, mit einem Nobody, der niemanden hinter dem Ofen vorlockt!

Wie können Sie sich so interessant machen – daß auch die Zeitung über Ihre Lesung vorab – und möglichst auch ein zweites Mal hinterher berichtet?

Da gibt es grundsätzlich zwei Wege, um ein wenig prominent und medieninteressant zu werden: Als Weltverbesserer (Beispiel: Mutter Theresa) oder als Weltzerstörer (Beispiel: Osama bin Laden).

Vielleicht sind Sie so etwas wie ein HufnasenFledermaus-Flüsterer – der das Dresdner Weltkulturerbe bewahren hilft, weil Sie wissen, wo man diese seltene, vom Aussterben bedrohte Tierart findet?

Vielleicht sind Sie ja auch ein schlimmer Finger, der seine Familie ausgelöscht hat, zehn Jahre im Gefängnis dafür schmorte und nun andere Menschen davor bewahren will, den selben Fehler zu machen.

Von Herostratos erfährt man vermutlich noch heute in den Schulen, daß er jener Bösewicht war, der 356 v.Chr. den Tempel der Artemis in Ephesos in Brand steckte und den man dafür durch ewiges Vergessen bestrafte – was, wie Sie sehen, ganz im Gegenteil ausgegangen ist.

Wenn Osama bin Laden mal wieder ein Video ins Internet stellt, können Sie davon in jeder Zeitung lesen - auch wenn es noch so banals und nichtssagend ist. Und sollte man irgendwann einen Hosenträger von Adolf Hitler – mit Echtheitszertifikat, versteht sich – bei Christies versteigern, dann wird die Welt auch dies geflissentlich zur Kenntnis nehmen.

Aber Gutmenschen-Taten sind schon vorzuziehen. Was haben Sie in dieser Hinsicht zu bieten? Vorschläge:

1. Widmen Sie sich einem interessanten Hobby. Apnoetauchen wäre da ein Vorschlag: Tauchen ohne Sauerstoffgerät, so tief wie nur möglich. Da gibt es Rekorde zu brechen. Da gibt es eine lebendige Szene wie beim Rennsport mit dem üblichen Rummel von Fans und Presse. Da gibt es ab und zu auch Tote.

2. Gründen Sie eine Bürger-Initiative, die beispielsweise fordert, "Frankfurt rauchfrei" zu machen. Oder "die Buchmesse nach München" zu verlegen. Schon haben Sie die Aufmerksamkeit der Medien. Allerdings nur einmal. Gründen Sie hingegen eine Partei, die “Nur zehn Prozent Steuern – für alle!“ auf ihre Fahne schreibt (und natürlich auch noch die Mehrwertsteuer für Bücher und Autoren von sieben auf null Prozent herabsetzen will), können Sie die Medien ein paar Jahre lang beschäftigen. Und wenn diese Partei Erfolg hat – wie Die Grünen und neuerdings die Linkspartei, dann wird man ganz sicher auch Ihre Bücher entsprechend würdigen – Joschka Fischer und Oskar Lafontaine haben es vorgemacht.

3. Nun ein heikles Thema: Leiden Sie vielleicht an einer seltenen Krankheit, die unter einer Million Menschen nur einmal vorkommt? Machen Sie etwas daraus!
Damit wir uns nicht mißverstehen: Eigenes Leid ist zwar ein Thema – aber mit „etwas daraus machen“ meine ich nicht: sich selbst bemitleiden oder eigenes Leid auszubeuten. Das würde ihnen nur Ablehnung einbringen. Gründen Sie stattdessen eine Selbsthilfe-Organisation, die anderen hilft und, beispielsweise, Geld für die Entwicklung eines Heilmittels sammelt.

Damit landen Sie drei Treffer:
° Sie helfen anderen
° Das verschafft Ihnen einen großen Bonus und – bei entsprechender Wichtigkeit des Themas – Aufmerksamkeit bei den Medien.
° Und Sie selbst haben natürlich auch etwas davon, wenn die Forschung dadurch gefördert wird.
(Aus dem Erfolg könnte dann sogar Ihr nächstes Buch werden . . . )

Aber es muß nicht so etwas Exotisches wie eine „seltene Krankheit“ sein. Ich sehe einige Brillenträger hier im Saal. Die Optiker sammeln alte Brillen, die sie in die Entwicklungsländer bringen und dort kostenlos abgeben. So ewas Ähnliches können Sie auch mit einer Initiative tun, die den Optikern zuarbeitet,

Was auch immer Sie für andere tun: Das ist eine Tür, welche sich Ihnen für die Medien öffnet. Und der entsprechende Bekanntheitsgrad trägt zusätzlich dazu bei, daß Ihre Bücher bekannter werden.

"Klappern gehört zum Handwerk" - heißt es zu Recht!

Wichtig ist nur, daß Sie das nicht als Ego-Trip machen (dafür wird man Sie nämlich nur hassen) - sondern daß Sie mit Elan etwas Wichtiges für andere Menschen tun - und daß Sie das mit Stil machen.



Tip 7: Nützen Sie die Chancen des Internets!


Das modernste Medium - und damit auch das modernste Mittel, Aufmerksamkeit zu erregen, ist das Internet. Nützen Sie diese Chance!
Eine eigene Website kostet nicht die Welt - mit rund tausend €uro sind Sie dabei. - für den Anfang zumindest.

Aber eine Website, und sei sie noch so gut, hängt lediglich verloren irgendwo in der Virtualität des Cyberspace, wenn Sie keine Mittel und Wege finden, daß andere darauf aufmerksam werden. Das Modernste und Beste ist es, einen BLog zu schreiben - also ein öffentliches Internet-Tagebuch.

Noch besser ist es, wenn dieser Blog nicht nur Ihre persönlichen Ansichten über Gott und die Welt bringt (wen interessiert das schon, wenn Sie nicht gerade Angela Merkel, Steffi Graf, Günter Grass oder der amerikanische Präsident sind)

- sondern wenn Sie dort ein bestimmtes Thema pflegen, von dem Sie etwas verstehen und das - oh Wunder -auch noch etwas mit Ihrem Buch zu tun hat!

Und das Allerbeste ist es, wenn dieses Thema auch für möglichst viele andere Menschen wichtig ist. Denn dann wird Ihr Blog auch von Journalisten gelesen, die solche Blogs zunehmend als Informationsquelle nützen.

Dazu müssen Sie selbst nicht unbedingt prominent sein - Ihr Thema muß es sein! (Mit etwas Glück und Ausdauer werden Sie dadurch allmählich auch selbst bekannt - und Ihr Buch.)

Mit einer eigenen Website erreichen Sie etwas bislang Unmögliches: Sie können von Lesern gefunden werden, die etwa bei der Suchmaschine Google irgendein spezielles Thema eingeben (Beispiel: Autoverkehr+Labyrinth). Wenn Sie nun genau zu diesem Thema "Der Autoverkehr als Labyrinth" gerade ein Buch veröffentlicht haben - werden Sie wahrscheinlich rasch entdeckt! Sie werden aber u.U. auch von Lesern entdeckt, die nur zum Thema "Labyrinth" oder "Autoverkehr" recherchieren. Auf jeden Fall steigen IhreChancen enorm an, wahrgenommen zu werden von potenziellen Lesern. Und davon gibt es potenziell wahrscheinlich für jedes Thema an die tausend. Es geht immer darum, die Suchenen mit dem Gesuchten - Ihrem Buch also - zusammenzubringen.

Das Ganze stellt einen wichtigen Teil des Feldes dar, von dem ich eingangs sprach und das sie unbedingt aufbauen müssen, um als Autor wahrgenommen zu werden.

(Klammer auf: Ein persönliches Beispiel. Seit meinem elften Lebensjahr hat mich das Thema "Labyrinth" fasziniert - angeregt durch das 8. Kapitel von C.W. Cerams Götter Gräber und Gelehrte: "Der Faden der Ariadne'".
Das Labyrinth-Symbol und die Labyrinth-Sage sind mehr als 5000 Jahre alt - und dennoch dürfte es das Modernste vom Modernen sein. Sobald etwas kompliziert wird, bezeichnet man als labyrinthisch. In Harry Potter und der Feuerkelch spielt ein Irrgarten eine zentrale Rolle. Es gibt mehr als 40 Opern über die Figur der Prinzessin Ariadne - gerade wurde in Paris wieder eine neue Oper dazu uraufgeführt. Die wichtigste Rakete der Europäischen Weltraumagentur heißt Ariane - was von Ariadne abgeleitet ist.
Sie erinnern sich: Ariadne gibt dem athenischen Helden Theseus den roten Faden, mit dessen Hilfe er sich in den verwirrenden Gängen des Labyrinths auf Kreta zurechtfindet und das Ungeheuer Minotauros töten kann.
Sagt Ihnen der Name Ikaros etwas - oder der seines Vater Daidalos - der das Labyrinth schuf - und dann selbst darin gefangen wurde - bis es ihm gelang - mit Hilfe künstlicher Flügel daraus zu entkommen -
Die Flucht ausdem selbstgeschaffenen Labyrinth ist ein super modernes Thema! Und der schon erwähnte rote Faden ist ja nun wirklich ein Allerweltsbegriff, den Sie in nahezu jedem Leitartikel finden können - wo nicht selten auch noch vom Labyrinth direkt die Rede ist -
Also: in meinem LABYRINTH-Blog auf meiner Website "www.hyperwriting.de" finden Sie all dies und noch vieles mehr. Schauen Sie mal rein. Eigenwerbung Klammer wieder zu.)



Tip 8: Vernetzen Sie sich mit anderen Autoren


Wenn Sie ein produktiver Schreiber sind und gerne gelesen werden möchten, tun Sie gut daran, nicht nur große Romane oder dicke Sachbücher zu schreiben. Machen Sie bei einer oder mehreren Zeitschriften mit, denen Sie kürzere Beiträge liefern. Bei mir begann das 1956 mit 16, als ich meine erste Kurzgeschichte für das Fan-Magazin des Science Fiction Club Deutschland schrieb. Dafür gab es kein Honorar - aber die wurde abgedruckt und ich dadurch ermutigt, weiterzuschreiben. Ohne die Ermutigung für diese Geschichte würde ich die nächste Story vielleicht nicht geschrieben haben (die in einem professionellen SF-Magazin abgedruckt wurde und für die ich immerhin schon zehn Mark bekam) - und ich stünde wahrscheinlich nidcht heute an diesem Nachmittag im Jahr 2007 hier in diesem Vortragssaal der Buchmesse.

Wenn Sie keinen Zugang zu einer schon existierenden Zeitschrift finden - gründen Sie selbst eine! Genau so entstehen neue Publikationen. Wichtig ist, daß Sie sich mit Gleichgesinnten zusammentun und nicht allein für sich herumbasteln. Diese Kollegen sind ja auch so etwas wie ein erstes Publikum - und es sind die einzigen, die wirklich für Kritik Ihrer Arbeiten kompetent sind, weil sie sich in einem ähnlichen Kreativen Prozeß befinden

Das moderne Wort für dieses sich Zusammentun heißt: Vernetzung.

Vernetzen Sie sich also. Gut funktionierende Netzwerke (abfällig auch gerne als Seilschaften bezeichnet) sind das Erfolgsgeheimnis aller erfolgreichen und prominenten Autoren!

Noch besser ist es natürlich, wenn Sie dafür das "Netz aller Netze" verwenden: Das Internet. Sie finden dort jede Menge Online-Zeitschriften, Online-Anthologien, die schon erwähnten Blogs, die Chatrooms -

Da ist natürlich viel heiße Luft darunter und vor Chatrooms sollte man sich eher hüten. Wenn dort nicht ein spezielles Thema mit hohem Niveau abgehandelt wird (was Sie außerhalb der Naturwissenschaften selten finden), vergeuden Sie nur Ihre kostbare Lebenszeit.

Weit interessanter sind Zusammenschlüsse von bereits etablierten Autoren, die jedoch in manchen Fällen auch schon mal jemanden in ihren erlauchten Kreis aufnehmen, dessen erstes Buch als BoD im Selbstverlag erschienen ist - wenn nur die Qualität stimmt. Ein Beispiel ist der AuthorRing, den 1996 die amerikanische Autorin Rebecca Sinclair gegründet hat. Und wenn Sie in keinen dieser "Ringe" reinkommen - gründen Sie doch selbst einen!

Was hat man davon? Man wird zumindest ein wenig bekannter, und das schadet der PR für das eigene Buch nie.

In die gleiche Kategorie gehört übrigens auch, daß sich Autoren gegenseitig Rezensionen bei amazon und ähnlichen Websites schreiben. Die Regel dabei ist: Positive Kritiken, wenn man das Buch mag - über Bücher, die man nicht gut oder richtig mißlungen findet, diskret schweigen - keine Verisse!

Warum meinen Sie, werden Günter Grass oder Hans Magnus Enzensberger auch nach sechs Jahrzehnten Autorentätigkeit noch immer im Spiegel und in der FAZ zitiert und für jeden Hustenanfall gewürdigt? Weil es diese Autoren verstanden haben, sich zusammenzuschließen (z.B. 1947 in der bekannten Gruppe 47 - Details bei Richter 1986) und ständig Kontakte zu anderen bekannten Kollegen sowie zu wichtigen Journalisten und Redakteuren in den Feuilletons halten.,Das funktioniert dann so:

° Der Promi-Autor liefert den Journalisten interessante News -
° er bekommt dafür entsprechen Platz in den Medien -
° was seinen Status als "bekannter Autor" hebt -
° was den Absatz seiner Bücher fördert -
° was ihn wieder auf die Bestseller-Listen hievt und damit noch prominenter macht -
° was ihn erneut interessant macht für die Medien usw.

Man nennt dies in der Kybernetik einen sich selbst verstärkenden Regelkreis.

Das Problem dabei ist dabei nur: Wie kommt man in diesen Inneren Zirkel der Macht hinein - als absoluter Anfänger und Nobody?

Sie wissen ja: "Wer hat, dem wird gegeben." Oder etwas drastischer:



"Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen."



Aber wie wird man - pardon - ein "größter Haufen"?

Da gibt es ein Rezept, das recht gut funktioniert - allerdings in der Regel viel Zeit verlangt:

1. Fallen Sie durch gute Qualität oder ein originelles Thema auf.
2. Scheuen Sie nicht den Kontakt zu den Medien (Vorsicht: Da gibt es eine Falle: Der Verstand will das zwar - aber da ist vielleicht ein anderer Anteil Ihrer Persönlichkeit, der davor Angst hat und solche Bestrebungen wunderbar sabotiert).

Drittens ist da ist noch etwas enorm Wichtiges - s. den nächstem Tip.



Tip 9: Sorgen Sie für Kontinuität Ihrer Produktion als Autor


Legen Sie immer wieder nach. Nur wenn Sie immer wieder ein Buch schreiben (mit guter Qualität, mit Originalität), lohnt es sich überhaupt für die Journalisten und Redakteure (und übrigens auch für den Buchhandel und Ihre Fans), in Ihre Person und Ihre Produktion Zeit und Aufmerksamkeit und damit immer wieder auch auch Geld zu investieren.

Zur interessanten Person - und sei es nur in Ihrer Heimatgemeinde als Lokalmatador - werden Sie nur, wenn Sie präsent bleiben - wenn Sie ein interessanter Lebenslauf werden, der - zusammen mit seinen Büchern, versteht sich - im Who is who und im Munzinger Archiv landet.

Dafür sind Sie eine "zu lleine Nummer", wenden Sie ein? Na, dann gründen Sie doch Ihr eigenes Who is who in der Zweiten Liga - Ihr Archiv der Unter ferner liefen. Was vielleicht erst nur eine Parodie ist, kann ja ein echter Internet-Hit wie Youtobewerden!

So etwas macht Sie jedenfalls interessant - und hilft beim Aufstieg in die nächst höhere Autorenliga. Und dort wollen wir Autoren doch alle hin! (Was uns im Tip 12-14 nochmals beschäftigen wird).



Tip 10: Investieren Sie in Ihre Autoren-Karriere


Nicht nur Ihr Verleger sollte etwas in Ihr Werk investieren - durch Druck, Werbung, Lieferung, Vertreterbesuche, Bestandshaltung in einer Backlist.
Investieren Sie selbst immer wieder in Ihre Autoren-Karriere - und seien Sie nicht kleinlich dabei. Wieviel Geld geben Sie für eine Urlaubsreise aus - und fragen nicht nach dem Return on Investment! So einen Return haben Sie natürlich auf jeden Fall: Erholung, Horizonterweiterung, mehr Lebensfreude und so weiter. In jedes Hobby wie eine Briefmarkensammlung oder Schifahren investieren Sie Hunderte, wenn nicht Tausende von €uro - und hinterfragen nicht den Sinn.
Bei einer Investition in die Förderung des Verkaufs Ihrer Bücher aber zögern viele Autoren. Sobald es geschrieben und gar noch gedruckt ist, wird das doch zum Selbstläufer -
So denken viele. Und so denken viele absolut falsch.
Werfen Sie mal einen Blick in die Website von Andreas Eschbach - einem wirklich erfolgreicher Autor. Was der an Lesereisen unternimmt!



Tip 11: Spalten Sie Ihre Persönlichkeit


Jetzt wird es sehr psychologisch: Sie müssen als Autor lernen, so etwas wie eine Gespaltene Persönlichkeit zu sein:
° Persönlichkeit A ist der Autor oder die Autorin, der zuhause in der stillen Klause das Werk schreibt.
° Persönlichkeit V ist der Verkäufer, der hinaus auf den Buchmarkt geht und Werbung für sich und sein Werk macht - ein richtiger Marktschreier.

Psychologisch gesehen kann man sich keine zwei konträreren Typen vorstellen: ein sehr introvertierter Autor - und ein äußerst extrovertierter Verkäufer.
Aber irgendwie müssen Sie das in die Reihe kriegen. Falls es nicht klappt, haben Sie immer noch die Möglichkeit, sich mit jemandem zusammenzutun, der die zweite Tätigkeit für Sie übernimmt: ein Agent, oder ein tüchtiger Lebenspartner, der oder die ihnen den Rücken für ihre Schreibtätigkeit freihält.

Aber ein wenig hineinfühlen können müssen Sie sich in die andere Variante.



Tip 12: Streben Sie immer nach Höherem


Wie Sie sehen, handelt es sich bei alledem um viel Kleinkram. Verlieren Sie aber nie ein höheres Ziel aus den Augen - das höchste überhaupt. Dieses kann für einen Autor nur heißen: Ich will irgendwann einen Bestseller landen.

Sie werden das vielleicht nie schaffen. Und dreißig Romane, die sich leidlich bis gut über vier Jahrzehnte hinweg verkaufen, sind ja auch etwas!

Wenn Sie nicht das höchste Ziel anpeilen, die Hoffnung auf das Höchste pflegen - halten Sie es nie durch, die "leidlich bis gut erfolgreichen" Titel zu verfassen. Sie haben es nicht in der Hand, einen Bestseller* zu landen - das läßt sich nicht erzwingen. (jedenfalls nicht der erste Erfolgtitel). Aber Sie können durch ständige Qualitätssteigerung, durch Fleiß und Kontinuität den Weg bereiten. Und vielleicht wird ja irgendwann der geheimnisvolle Markt mit seinem rätselhaften Leserinteresse kompatibel mit dem originellen Thema, das Sie entdeckt haben, und mit Ihrer handwerklichen Qualität.

*Ein ganzes Paket von Tips, wie man Bestseller-Autor wird, habe ich in einer satirisch-parodistischen Story hier auf der Website geschnürt: WIE SCHREIBE ICH EINEN BESTSELLER?




Tip 13 Lernen Sie von den Erfolgreichen


Viele heute als erfolgreiche, als Bestseller-Autoren bekannte Leute mußten am Anfang mit großen Mißerfolgen kämpfen! Drei Beispiele zum Geduld lernen:

Sigmund Freud
Der große Arzt und Psychologe, Erfinder der Psychoanalyse und Mit-Entdecker der Lokalanästhesie (deren segensreiche Wirkung noch heute jedem Patienten eines Zahnarztes die Schmerzen nimmt) mußte zehn Jahre warten, bis die 800 Exemplare der ersten Auflage seines Buches Die Traumdeutung (1900 erstmals erschienen) verkauft waren. In dem Jahrhundert danach avancierte das Buch weltweit zu einem Bestseller mit etlichen Millionen Gesamtauflage.


James Joyce
Und auch dieser weltberühmte Autor und kühne Erneuerer der Literatur gehört in unsere Liste: James Joyce. Von den 379 im Jahr 1914 gedruckten Exemplaren seiner wunderbaren Sammung von 15 Kurzgeschichten Dubliners verkaufte Joyce - der sein Leben lang an der Grenze zur Armut lebte und arbeitete - gerade mal 150 Exemplare - und das auch noch persönlich. Aber gücklich darf sich schätzen, wer heute noch ein Exemplar dieser Erstausgabe hat - sie dürfte Zehntausende von €uro wert sein!
Auch der Erfolg seines weltberühmten, lange als "pornographisch" verfemten wichtigsten Werkes, des Romans Ulysses, ließ lange auf sich warten. In den USA war das Werk bis in die 60-er Jahre verboten. Aber heute dürften seine Nachkommen ausgesorgt haben - die Tantiemen seiner Bücher klimpern munter in die Kassen der Verlage und seiner Erben. Gerade erst (Sommer 2004) hat der Süddeutsche Verlag in seiner Bilbiothek das wunderbare Portrait des Künstlers als junger Mann in einer Auflage von sicher weit über 10.000 Exemplaren neu veröffentlicht.

Aber wirklich der Hammer ist der Erfolg der folgenden Frau, die zunächst als Autorin eine ausgesprochene Niete war und auf dem besten Weg, als alleinerziehende Mutter zum Sozialfall zuwerden – ah, ich sehe schon, daß einige ahnen, wen ich meine: Joanne K. Rowling
Harry Potter wollte zunächst niemand drucken! 200 Seiten seien viel zu umfangreich für ein Kinderbuch, teilte man der frustrierten Frau bedauernd mit. Hasenherzig legte der englische Verlag Bloomsbury schließlich eine Startauflage von ganzen 500 (!) Exemplaren auf.
Dieses Zögern und Bedauern kann man heute, kaum ein Jahrzehnt später, nicht mehr so recht nachvollziehen bei diesem Weltbestseller, der seine Verfasserin bislang eine Weltauflage von mehr als einer halben Milliarde Exemplaren verschafft und sie zur reichsten Frau Englands gemacht hat. Im April 2004 schätzte man ihr Vermögen bereits auf 600 Millionen €uro - heute, zu dieser Buchmesse im Oktober 2007, dürfte sie inzwischen der Milliarde recht nahe gekommen sein - wenn sie die nicht bereits überschritten hat.
Man stelle sich vor: Schon 2003 führte die Rowling auf der Jahres-Bestsellerliste des Spiegel diese Liste gleich zweimal an - mit der deutschen UND mit der englischen Ausgabe ihres Harry Potter und der Orden des Phönix; Band Eins, Drei und Vier ihrer Septologie um den bebrillten Zauberlehrling belegten ebenfalls führende Plätze. Sie alle wissen vermutlich, daß die Rowling das in diesem Jahr mit ihrem Abschlußband der Septalogie nochmals kräftig übertroffen hat. Fünf ihrer Bücher waren einige Wochen in den Bestsellerlisten von
Spiegel und Focus , darunter wiederum auf Platz eins, die englischsprachige Ausgabe. Ein unfaßbarer Erfolg.

Dennoch, ich wiederhole es: Zunächst einmal wollte niemand ihr erstes Manuskript haben. Und heute? Da langt schon die Ankündigung, daß sie solches Werk wie den Harry Potter mehr schreiben wird - um sie in die Zeitungen zu bringen!



Tip 14: Schreiben Sie endlich einen Bestseller!


Versuchen sollten Sie es jedenfalls - als höchstes Ziel. Nur wenn Sie sich ein wirklich großes Ziel stecken - eine Art Leuchtturm draußen im Büchermeer der Zukunft - Ihrer eigenen Zukunft als Autor - dann entwickeln Sie den Elan, dann schaffen Sie das bereits erwähnte Kreative Feld, aus dem Erfolg entsteht - auch Bestseller-Erfolg.

Nehmen Sie sich also jemanden zum Vorbild, der Ihnen imponiert, mit dem Sie sich identifizieren können (auch ohne den Erfolg, einfach menschlich). Joanne K .Rowling wäre da nicht schlecht mit ihrem Mega-Weltbestseller: Sie ist ja nicht nur super erfolgreich - sondern auch noch eine exzellente Erzählerin, mit herrlichen Figuren, guter Psychologie und wirklich originellen Ideen; und das alles mit einer Sprache geschrieben, vor der ich allergrößten Respekt habe. Und eine sympathische Frau ist sie außerdem, mit ihrem Engagement für Kinder, durch ihre Stiftung.

(Sie finden dieses Beispiel und viele weitere hier auf der Website unter dem Titel HALLE DES SPÄTEN RUHMS)



Ein wenig Werbung im Netzwerk - für zwei Kollegen


Nun möchte ich noch für zwei Autoren und ihre Bücher ein wenig Werbung machen, genau im oben erwähnten Sinn von Vernetzung unter Kollegen:

° Fritz Widmer ist ein Schweizer Autor und Liedermacher, der für eine sehr kleine Marktnische schreibt: In berndütscher Mundart - also einem nochmals kleineren Segment des ohnehin schon vergleichsweise kleinen Sprachraums des Schweizerdeutschen. Das Buch heißt Ds Glück isch fasch gäng gratis - "Das Glück ist beinahe gratis".

Firtz Widmer schrieb mir dazu etwas,das für Sie als Autor und Autorin ebenfalls interessant sein dürfte: "Ich habe (mein Buch) schliesslich als Book on Demand gemacht, obschon ein richtiger Schweizer Verlag es drucken wollte. Aber ich hatte das Gefühl, der Verleger begreife die Sache nicht Recht; ich hätte ihn nie als Lektor ernst nehmen können, er wollte mir Abschnitte verbieten; alles sollte dicht aneinander gerückt sein, die Namen paßten ihm nicht usw.
Nun, ich nehme nächste Woche das Hörbuch auf; dann kommt´s sogar in einen Katalog und wird noch besser bekannt.
500 Stück ohne Katalog[aufnahme) an die Buchhandlungen geliefert ist gar nicht so schlecht (in vier Wochen)."

500 Stück in gerade mal vier Wochen - das ist doch wirklich ermutigend.

Und das zweite Beispiel: Uwe Szymborski ist Steuerberater. Holla, werden Sie nun denken - was soll das denn hier in diesem Zusammenhang. Nun, der Autor, den ich in einem Seminar kennengelernt habe, hat etwas ungemein Pfiffiges gemacht: Er hat ein Buch mit Steuertips speziell für Autoren geschrieben. Das ist nicht nur sehr kompetent, sondern auch noch gut lesbar und - aufgelockert durch Zeichnungen - auch noch unterhaltsam. Der Titel: Der Schriftsteller und das Finanzamt



Bestselleritis - die Zweite


Die eingangs erwähnte und von allen gefürchtete Bestselleritis mag unser schlimmster Feind sein - sie kann aber auch Ansporn sein und bietet viele interessante Vorbilder, denen sich nacheifern läßt.

Das Allerwichtigste,was sie als Autor brauchen, dünkt mich jedoch: sich den zu bewahren. Wozu Verkaufserfolge sicher kräftig beitragen.

In diesem Sinne danke ich Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit - und wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihren eigenen Büchern und Buch-Projekten!

Mögen Sie demnächst viel Steuern zahlen müssen (natürlich nach Abzug all ihrer Kosten - s. oben Kollege Szymborski) - weil Sie so erfolgreich sind!


Bibliographie

Bartnik, Dorothea: Existenzgründung. Augsburg 1999 (Weltbild)
Ceram, C.W.: Götter Gräber und Gelehrte - Roman der Archäologie. (1949) . Hamburg 1951 (Rowohlt), Kap. 8: "Der Faden der Ariadne"
Eschbach, Andreas: http://www.andreaseschbach.de
Franck, Julia: Die Mittagsfrau. Frankfurt am Main 2007 (S. Fischer)
Gerson, Richard: Der Marketing-Plan. (1991) Wien 1995 (Überreuther)
Hortz, Frank: Guerilla PR. CH-Kilchberg 1999 (Smart Books)
Karzaunikat, Stefan und Tom Alby: Suchmaschinenoptimierung. München 2006 (Hanser)
rs: "Geheimtipps und Markennamen". In: Focus Nr. 40 vom 1. Okt 2007
Richter, Hans Werner: Im Etablissement der Schmetterlinge. (München 1986_Hanser). Berlin 2004 (Wagenbach)
Seidl, Conrad und Werner Beutelmeyer: Die Marke ICH: So entwickeln Sie Ihre persönliche Erfolgsstrategie. Wien 1999 (Ueberreuter)
Szymborski, Uwe und Hunger, Martin: Der Schriftsteller und das Finanzamt. Norderstedt 2005 (mobook)
Widmer, Fritz: Ds Glück isch fasch gäng gratis. Bern 2007 (Selbstverlag Fritz Widmer)


© 2007 für diesen Text: IAK München / Quelle: www.iak-talente.de