DROGEN-BLog*

Neue Informationen zum Thema "Rauschdrogen"



Dieser BLog dient der Aktualisierung des "HANDBUCH DER RAUSCHDROGEN" von Wolfgang Schmidbauer und mir .

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[2008-02-18 wip / ur 2007-10-05 wip ]


(Autor: Jürgen vom Scheidt)

Weitere Themen:
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Dieser BLog ist gewissermaßen mein Vorfluter zu neuen Informationen in Sachen Rauschdrogen. Die Form des BLog - in ihrer Kombination von Persönlichem und Sachlichem - erleichert die Verarbeitung des neuen Materials.

In der Zeittafel RAUSCHDROGEN und später in den zuständigen Kapiteln des Handbuch der Rauschdrogen werden dann nur noch die nüchternen Daten festgehalten.



Inhalt dieses Beitrags
16. Feb 2008: Zerstörung der afghanischen Mohnfelder stärkt die Taliban
12. Nov 2007: Martin Walser auf falscher "Jagd"-Fährte
21. Okt: "Heißer Schnee" - mit Helmut Fischer
15. Okt: Cannabis im Steuer - das wird teuer
6. Okt: Kiffen ist gefährlicher geworden, sagt man
5. Okt: Rauchen und Saufen auf dem Friedhof: "Schneemann" und die Anti-Helden-Liga
3. Sep : Verlogene Drogenpolitik: Freigeben (Evo Morales) - oder verbrennen (G.W. Bush)?
8. Aug: Zaubersalbei im Kommen

9. April 2006: Dieter Lattmanns eindrucksvoller "Fernwanderweg"
_Bibliographie



16. Feb 2008

Zerstörung der afghanischen Mohnfelder stärkt die Taliban


90 Prozent des Welthandels an Heroin stammen aus Afghanistan. Deshalb läßt die US-amerikanische Regierung unter George W. Bush die Felder, auf denen der Schlafmohn als Ausgangsprodukt angebaut wird, seit Jahren aus der Luft mit Gift besprühen.

Richard Holbrooke, einer der führenden Außenpolitiker der Demokratischen Partei, warnt schon lange vor den verhängnisvollen Folgen der Zerstörung der Schlafmohn-Pflanzungen. Statt die Taiban und Al Qaida zu schwächen (was ja das erklärte Ziel von George W. Bush ist), würde man die Mohn-Bauern nur eben diesem Gegner in die Arme treiben.

Es passiert also dasselbe, was schon in Südamerika bei der Bekämpfung des Koka-Anbaues zum Desaster wurde:

Nach Angaben des Büros für Drohenkontrolle der Vereinten Nationen "ist die Fläche, auf dem [in Afghanistan] Opium angebaut wird, zwischen 2006 und 2007 von 165.000 auf 193.000 Hektar gestiegen. Der Ertrag ist ebenfalls gewachsen - von 6.100 auf 8.200 Tonnen Opium. Könnte ein Programm noch weniger erfolgreich sein?"

(Holbrooke 2008)



12. Nov 2007

Martin Walser auf falscher "Jagd"-Fährte


In fast sechs Jahrzehnten Büchersammelns hat sich so manches in meinen Regalen eingefunden, das noch auf Entdeckung wartet. Immer wieder mal ziehe ich einen dieser gut 500 Titel heraus, irgendeiner Leselust folgend, und beginne darin zu schmökern. Manchmal ist das Interesse rasch erlahmt (weil ich mich langweile) - aber in der Regel halte ich bis zum bitteren Ende durch, weil ich hoffe, wenigstens auf das Stichwort Labyrinth zu stoßen - s. meinen LABYRINTH-Blog

Bei Martin Walsers "Jagd" ist mein eigenes Jagdglück enttäuscht worden. Nicht nur, weil der Autor nirgends das Wort "Labyrinth" verwendet (was wenigstens diesem Affen von mir ein wenig Zucker gegeben hätte und, dies nebenbei angemerkt, so gar nicht meinen anders gearteten Erfahrungen mit wirklich Tausenden von Büchern entspricht, wo man demLabyrinth allenthalben begegnet).

Walser kann fraglos gut schreiben. Aber in diesem Roman verzettelt er sich. Er erzählt eigentlich drei Geschichten:
° die des Immobilienmaklers Dr. Gottlieb Zürn, dessen Beziehung zu seiner Ehefrau Anna auseinanderdriftet;
° die des sexuell frustrierten Dr. Gottlieb Zürn, der sich auf zwei erotische Abenteuer einläßt (wobei mir völlig schleierhaft ist, wie das bei so einer erotischen Null überhaupt funktionieren soll)
° die der Familie Zürn, deren Tochter Julia in die Drogenszene abdriftet und von zuhause abhaut.

Wie gesagt - diese drei Geschichten werden gut erzählt. Aber alle drei werden sie eigentlich verschenkt - vor allem die sehr berührende Problematik der kiffenden Julia und was dies in ihrer Familie auslöst. Dieser Jammerlappen von Vater ist bei einem Besuch in München mehr an einem "flotten Dreier" interessiert als am Schicksal seiner Tochter. Genau hier aber wird Walser als Autor unglaubhaft:
° Zum einen verschenkt er das wirklich interessante und von ihm gut eingeführte Drogen-Thema (und er war damit 1988, als der Roman erstmals erschien, recht früh dran)
° zum anderen ist es für mich als Leser (und als Psychologen sowieso, der sich viele Jahre mit Drogenabhängigen und dieser gesamten Thematik hautnah befaßt hat) nicht nachvollziehbar, daß der eigentlich recht glaubhaft dargestellte Familienvater Zürn in München plötzlich an zwei ausgeflippten Damen mehr interessiert sein soll als am Schicksal der eigenen Tochter.

Hier treibt Walser mit einem eminent wichtigen Thema Schindluder. Schade. Da hätte wirklich ein wichtiger Roman entstehen können - ähnlich wie Fernwanderweg von Dieter Lattmann (s. unten 9. April 2006).



21. Okt 2007

"Heißer Schnee" - mit Helmut Fischer


Morgen abend läuft der letzte bayrische Tatort-Krimi mit dem kompletten Ermittler-Trio Bastic, Leitmeyer und Menzinger. Der Menzinger, das original münchnerische G´wachs, wir die Kriminalertruppe leider verlassen. Aber Wechsel gab´s schon früher mal. Wer erinnert sich noch, daß Helmut Fischer einst in diesem Rahmen in der bayrischen Landeshauptstadt ermittelt hat? Das Bayerische Fernsehen sendet zu seinem Gedenken eine ganze Reihe seiner damaligen Krimis, darunter auch den Drogen-Reißer Heißer Schnee . Bei dem es natürlich um Kokain geht.
Ein einziger Titel nur in der inzwischen recht umfangreichen Film-Collection, die man mit dem Drogen-Thema bestücken könnte:

° angefangen mit Otto Premingers Fixer-Tragödie Der Mann mit dem goldenen Arm von 1955 (Hauptrolle: Frank Sinatra)
° und noch lange nicht zuende mit Blues-Sänger Ray Charles´ bewegender Drogenkarriere in Ray.

Wenn man die Trinkerfilme der früheren Jahre mit einbezieht, kommt allerdings leicht noch weiter zurück, zum Beispiel zur ersten Verfilmung von Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz von 1931, wo so mancher Säufer seinen Auftritt hat.



15. Okt 2007

Cannabis im Steuer - das wird teuer


Die pharmazeutische Industrie hat inzwischen Schnelltests auch für THC entwickelt. Wer also in Zukunft auf Drogen kontrolliert wird, muß nicht nur in das bekannte alkoholsensible Röhrchen blasen - sondern kann auch Probleme bekommen, weil man den THC-Gehalt in seinem / ihrem Kreislauf inzwischen recht präzise nachweisen kann. Umstritten ist lediglich noch der Grenzwert: Ab wann muß jemand, der bekifft am Steuer eines Autos erwischt wird, als fahruntüchtig eingestuft werden?

Was mich in dem Bericht in Focus (Mayer 2007) irritierte, war die Formulierung: "In Hessen registrierte die Polizei im ersten Halbjahr (2007) 702 Fahrten unter Drogeneinfluss - 1033 hatten zu viel Alkohol getrunken."

Mit "Drogeneinfluss" ist da offenbargemeint: bekifft oder mit einem Opiat etc. zugedröhnt. Liebe Focus-Redaktion: Auch Alkohol ist eine Droge - gesamtwirtschaftlich gesehen sogar die gefährlichste von allen.



6. Okt 2007

Kiffen ist gefährlicher geworden, sagt man


2005 wurden 269mal junge Erwachsene nach Rauchen von Marihuana und Haschisch in Berliner Krankenhäuser eingewiesen – 160 Prozent mehr als 2002. Zu dieser Meldung befragte die SZ
Robert Mosberg von der Techniker Krankenkasse in Berlin:

„In den letzten Jahrzehnten ist die Droge deutlich gefährlicher geworden. Einer der möglichen Gründe dafür könnte sein, dass das heutige Marihuana einen deutlich höheren Gehalt des Wirkstoffs THC besitzt, als dies noch vor ein paar Jahren der Fall war. Das ist ein Unterschied wie zwischen Bier und Schnaps. Zudem können vier Joints die Lunge so stark schädigen wie etwa 20 Zigaretten. Auch die psychischen Langzeitschäden werden vielfach unterschätzt. Patienten leiden unter Wahnvorstellungen oder Kreislaufproblemen.”
(Südd. Zeitung vom 5. Okt 2007)

So ist es. Aber das mit dem "deutlich höheren Gehalt des Wirkstoffs THC" ist nichts Neues. Icherinnere mich, daß 1965 mal jemand in die WG, in der ich damals wohnte, zu einer Party eine kleine Buschtrommel aus Afrika mitbrachte, die Randvoll mit Kongogras (wenn ich mich recht erinnere, war das ein Regisseur oder Kameramann, der im Kongo gedreht hatte und dies als Souvenir problemlos durch den Zoll schmuggeln konnte - damals gab es noch keine Haschhunde.)
Dieses Marihuana war so viel stärker alsdas bis dahin vertickte Gras, daß es uns allen die Stiefel auszog, die wir davon rauchten.

Das ist nun wirklich nicht mehr harmlos, dachte ich damals. Vor 42 Jahren.



5. Okt 2007

Rauchen und Saufen auf dem Friedhof: "Schneemann" und die Anti-Helden-Liga


Ach, was waren wir doch für tolle Hechte - Helden allesamt, mit Drogen bis in die tiefsten Abgründe der Hölle gefahren -

So mancher ist eben dann dort hängengeblieben, selbst nachdem er wieder clean war. Jörg Fauser zum Beispiel. Im Spiegel (das Heft fand ich erst dieser Tage in einem Stapel ungelesener Zeitschriften) feiert der Bild -Kolumnist Franz Josef Wagner den Saufkumpanen früherer Tage anläßlich eines posthum erschienenen Romans (Fauser 2007). Ich werde mir das Buch ersparen, Antihelden interessieren mich schon lange nicht mehr. Aber den Schneeman von Fauser habe ich mir gleich besorgt. War eine lohnenswerte Lektüre. Die Geschichte eines Versagers, der per Zufall an fünf Kilo Kokain gerät und sich nun als Dealer etablieren will. Wirklich gut geschrieben - lakonisch, ohne Illusionen, aber nicht zynisch. Fraglos ist dieser Blum ein Antiheld. Aber verbunden mit dem Drogenthema interessiert mich das schon noch.

Wirklich zum Kotzen ist es, wie Wagner da die alten Zeiten nachfeiert. Und der Spiegel druckt die Peinlichkeit sogar. Das waren Helden: Bei Fausers Begräbnis 1987 (er war sturzbetrunken in einen Lastwagen gelaufen) fragt dann der Held und Saufkumpan Wagner einen anderen Trauergenossen: "Darf man auf dem Friedhof rauchen?" - "Man darf auch trinken", kommt es standesgemäß zurück, und dann wird der Flachmann aufgemacht (der "silberne Flachmann", wohlgemerkt, wie der Kolumnist akribisch vermerkt; er verschweigt aber seltsamerweise, ob es Whisky war und von welcher Marke und was auch immer).

Ja, die Anti-Helden-Liga gibt es eben auch. Statt dem nachzutrauern, hätte Wagner seinem toten Freund ein besseres Gedenken vrschafft, wenn er wenigstens mit ein paar Sätzen angemerkt hätte, wie die eigentliche Heldentat Fausers gelang: vom Heroin loszukommen. War es wirklich nur das Schreiben von Romanen,das ihn befreite? Das halte ich für ein Gerücht.

Aber Wagner geht es ja gar nicht um den toten Freund. Er feiert sich selbst als tollen Hecht, der er damals war und der dann aus diesen Antihelden-Höhen aus Vernunftgründen absteigen mußter, leider: "Aber ich fuhr längst einen Porsche und verdiente mein Geld mit einfacheren Worten." Naja. Leichfledderei nenne ich so etwas.



3. Sep 2007

Verlogene Drogenpolitik: Freigeben (Evo Morales) - oder verbrennen (G.W. Bush)?


Die Konservativen bekämpfen die Freigabe der Drogen (aller Drogen!) mit entsprechender Besteuerung - haben aber keinerlei Probleme mit Alkohol, der mengenmäßig schlimmsten Droge von allen. Nicht wenige der Linken und der Liberalen sind vehement für die Legalisierung zumindest von Haschisch/Marihuana - haben aber bisher nirgendwo ein brauchbares Rezept gefunden, wie man dann die Flut der Drogenangebote überhaupt noch in den Griff bekommen soll.

Abgesehen davon: so harmlos, wie immer wieder getan wird, ist die Cannabisdroge wirklich nicht, wie ein Vergleich mit Alkohol rasch zeigt: CANNABIS vs. ALKOHOL

Wirklich neu ist, politisch gesehen, nur der Erdrutschsieg des Cocabauernführers in Bolivien. Der steht nun an der Spitze eines nicht unbedeutenden Staates in Südamerika; ein Anführer von Indios, die nur mit Hilfe ihres Anbaus von Coca existieren können, den sie natürlich vor allem an die Händler aus dem Norden verkaufen. Als Coca-Paste gelangt das dann in die ganze Welt.

"Nicht unser Problem", sagt Morales sinngemäß, "wir stellen das Zeug nur her. Konsumiert wird es von euch in Nordamerika und Europa". Die Amerikaner schäumen natürlich, würden am liebsten alle Coca-Felder abfackeln. Geht aber jetzt nicht mehr so einfach, wenn ein Cocabauer Boss im ganzen Land ist. Da müßten sich die Amerikaner also wirklich mal was Neues einfallen lassen: wie man die USA zum Beispiel so regiert, daß die Bewohnern kein Kokain mehr brauchen. Abfackeln ist aber leichter. (Mehr zu Morales in einer Biographie, die der mit ihm befreundete Wirtschaftswissenschaftler Muruchi Poma schrieb: Evo Morales. Die Biografie)

Ähnlich in Afghanistan, mit dem Schlafmohn, aus dem man Opium und Morphium und Heroin herstellt und der auf diesen mageren Böden so gut gedeiht wie sonst nichts. Das freut nicht nur die Taliban (die sich mit diesen Drogengeldern finanzieren) - das müssen auch die Leute in der pro-westlichen Regierung dulden und damit der Westen. Weil sonst einem Gutteil der afghanischen Bevölkerung die Existenzgrundklage entzogen wird.

Und den Osama bin Laden und die Al Qaida freut´s natürlich gleichermaßen. Leicht verdientes Geld, das Drogengeld - und die Drogensucht schwächt den dekadenten Westen, recht geschieht´s ihm.

Eine verlogene Bande sind sie allesamt.



8. Aug 2007

Zaubersalbei im Kommen, oder: Eine neue Sau im Dorf


"Die Bundesregierung warnt vor Drogen aus dem Kräutergarten" beginnt die Südd. Zeitung einen kleinen Artikel auf der Titelseite vom 8. August. ("Fauer Zauber")

Mit den Meldungen über Rauschdrogen und ihre Aktualität ist das so eine Sache. Jedes Jahr wird eine "neue Sau durchs Dorf getrieben". Dieses Jahr ist es der Zaubersalbei, der angeblich bei Jugendlichen immer beliebter werden soll. Naja, da liest einer (z.B. im "HANDBUCH DER RAUSCHDROGEN") was über den Zaubersalbei, findet das Zeug im Kräutergarten seiner Oma, probiert es aus, gibt die Info an seine Freunde weiter, jemand stellt das ins Internet -

Im Jahr zuvor war es die Engelstrompete, noch früher eine Designerdroge wie Ecstasy -

Eigentlich alles nichts Neues, ebenso wenig wie die jährlich vom Bundeskriminalamt veröffentlichten Zahlen über Drogen-Beschlagnahmungen (neue Rekorde bei Kokain), Festnahmen von Dealern und Usern, Drogentote . . .

Nichts wirklich Neues: Das gilt auch für das gesamte Gebiet der Drogen-Politik (s. oben 3. Sep 2007)

(Zum Zaubersalbei finden Sie im Handbuchder Rauschdrogen einen eigenen Artikel von mir, eingeordnet unter der südamerikanischen Bezeichnung Ska Maria Pastora - Scheidt 2004, S. 252)



9. April 2006

Dieter Lattmanns eindrucksvoller "Fernwanderweg"



Radji und Patrick, seit Schulzeiten im englischen Internat unzertrennliche Freunde, sind Baumchirurgen geworden.Wie Akrobaten turnen sie hoch oben in den Wipfeln. Aber ihr Ehrgeiz läßt sich noch andere Höhenflüge wagen - mit Drogen. nvermeidlich stürzen sie dabei ab - der eine mit Alkohol und Aufputschmitteln, der andere mit noch härteren Rauschgiften.
Wie die beiden jungen Männer den Weg zurückfinden, erzählt Dieter Lattmann in seinem Roman Fernwanderweg - einer meisterhaften Studie von Suchtwegen - und Wegen aus der Sucht.
Der Autor hat seine Milieustudien gewissenhaft betrieben, wie man am authentischen Hintergrund immer wieder merkt (noch heute arbeitet er in der Suchthilfe und war in diesem Zusammenhang auch längere Zeit in einem Krankenhaus als ehrenamtlicher Helfer tätig).
Es gibt schon unzählige Sachbücher und Ratgeber über Drogen und über die daraus resultierenden Drogenprobleme - aber erst in solchen Romanen, die das Schicksal Betroffener schonungslos - und doch mit viel Verständnis - detailliert beschreiben, wird auch dem Laien klar, wie glatt und steil diese Rutschbahn ist, auf die sich der zuerst nur Wagemutige und Neugierige bei seinen Experimenten begibt.
Mit dem Bild vom Baumchirurgen in seiner geschickten Verstiegenheit ist Lattmann eine wunderbare Metapher gelungen, diesen Sachverhalt dichterisch umzusetzen.
Der Fernwanderweg des Titels zeigt zugleich
° den Ausweg aus der Sucht, der immer möglich ist, egal wie tief der Wagemutige in seine Krankheit gestürzt ist (er / sie muß sich auf den Weg in eine neue Richtung machen);
° die Mühsal des Heilungsweges und die Länge der Distanz, die dabei - in Raum UND in Zeit - zurückzulegen ist.
Bewundernwert ist, wie Lattmann diesen Weg schildert, der zunächst durch die Mühsal des Entzugs, mehrmaligen Rückfalls und schließlich harter Auseinandersetzungen (vor allem mit sich selbst) in einer Einrichtung der Drogentherapie tief draußen in der Provinz führt (wo dennoch die Versuchungen des "erlösenden Schusses" in Form von skrupellosen Dealern stets hinter dem Zaun locken).
Der eindrucksvolle, spannend geschriebene Roman zeigt auf hohem literarischen Niveau nicht zuletzt, wie wichtig solche Hilfeangebote sind - die jedoch immer auch mit Vorurteilen der Umgebung zu kämpfen haben.



Bibliographie

Fauser, Jörg: Der Schneemann. (1981). München 2006 (SZ-Kriminalbibliothek)
ders.: Die Tournee. Berlin 2007 (Alexander Verlag).
Fromme, Claudia: "Fauer Zauber". In: Südd. Zeitung vom 8. Aug 2007, S. 1.
Hackford, Taylor (Regie): Ray. USA 2004
Holbrooke, Richard: "Unser Geld für unsere Feidne". In: Südd. Zeitung vom 16. Feb 2008
Lattmann, Dieter: . Fernwanderweg. München 2003 (Zenit)
Mayer, Kurt-Martin: "Kiffen bis zum Limit". In: Focus Nr. 40 vom 1. Okt 2007
Poma, Muruchi: Evo Morales. Die Biografie. Leipzig 2007 (Militzke Verlag)
Preminger, Otto (Regie): Der Mann mit dem goldenen Arm ( The Man With The Golden Arm). USA 1955
Scheidt, Jürgen vom: "Ska Maria Pastora". In: Schmidbauer und vom Scheidt: Handbuch der Rauschdrogen. (1971) 11. überb. Auflage München 2004 (Nymphenburger)
Wagner, Franz Josef: "Tournee in den Tod". In: Spiegel Nr. 29. vom 2. Juli 2007
Walser, Martin: Jagd. (1988). Frankfurt am Main 1990 (Suhrkamp TB)


© 2007 für diesen Text: Jürgen vom Scheidt / Quelle: www.hyperwriting.de