BLITZ UND KUGELBLITZ

Energie pur - ängstigend und stimulierend zugleich



Die Nähe der Götter zeigt sich da - hätte man früher wohl geglaubt .

 
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[2011-05-08 wip / ur 2007-09-23]


(Autor: Jürgen vom Scheidt)


Bei Gewitter verkroch sich meine Mutter im Bett und zog das Plumeau über den Kopf - erzählte mir ihre Schwester, meine Tante Lis. Ich habe mich als Kind ebenfalls vor Gewittern gefürchtet. Später kippte das um und heute fasziniert mich das Naturschauspiel, ohne jede Angst (wenn es nicht ZU nah kommt).

Im August 2007 geriet ich beim Wandern dreimal in ein Gewitter. Jedes Mal fühlte ich mich ziemlich ausgesetzt - und genoss das Spektakel dennoch.

Die ersten beiden Male überraschte mich das (Un-)Wetter im Höllental bei Garmisch, auf dem Wegstück zwischen Höllentalangerhütte und Knappenhäusern, wo man ziemlich ausgesetzt ist. Ein sehr unangenehmes Gefühl.
Das dritte Mal war im Wallis, auf dem Weg von Bürchen-Zenhäusern nach Zeneggen.

Was soll´s - alle drei Mal ging es gut aus. Sonst könnte ich dies hier wohl kaum schreiben.

Ein paar Tage später gab es ein wahnsinniges Gewitter in München - direkt über dem Haus, in dem wir wohnen. So hörte es sich jedenfalls an. Anderntags erfuhren wir, daß einer der Blitze in unser Haus eingeschlagen hat und eine Sicherung sowie das Faxgerät einer Nachbarin demolierte. Ich war froh, dass ich meinen PC und den Fernseher vorsichtshalber vom Netz abgekoppelt hatte. Unserem Telefon ist auch nichts passiert. Bei der Nachbarin löschte der Blitz die gesamte Programmierung der Telefonanlage; sie wohnt direkt unter dem Dach.

So kann´s gehen: Man wähnt sich in der Stadt sicher. Und dann trifft es einen doch, wenn auch in diesen Fällen in vergleichsweise harmloser Form.



Der Junge, der vom Blitz gestreift wurde (ein Erinnerungsprojekt)


Ich war etwa zwölf, als ein Klassenkamerad in der Selber Oberrealschule im Freien vom Blitz getroffen wurde. Er hatte sich unter einen Baum gestellt, um Schutz zu suchen. Er fehlte einige Wochen im Unterricht, überlebte aber ohne größere Blessuren. Für mich stellte er ab da etwas Besonderes dar. Ich suchte seine Nähe. Wir machten zusammen Ausflüge in der Nähe von Rehau; er hatte dort eine Tante, bei der er in den Ferien wohnte, über dem Gasthof "Zum Sammet".

Warum fällt mir sein Name nicht mehr ein? Seit Jahren denke ich immer wieder an ihn und an diesen Blitz-Unfall.

Ich habe die Suche nach seinem Namen zu einem Erinnerungs-Projekt gemacht. Irgendwann wird mir sein Name wieder einfallen. Kürzlich lag er mir fast schon "auf der Zunge", wie man so treffend sagt; aber er blieb hinten "am Halszäpfchen" stecken und kam partout nicht zum Vorschein.

Neulich war ich im Gespräch mit einem Freund aus frühesten Schultagen (mit Dietmar saß ich schon in der ersten Klasse Volksschule in der selben Bank) - als plötzlich ein Name auftauchte. Ich recherchierte über einen anderen Klassenkameraden aus der Münchner Zeit an der Gisela - dessen Frau zufällig (!) zwei Jahre nach mir in die Selber Oberrealschule (so hieß das heutige Gymnasium damals) ging. Ich stieß auf einem Namen, fand über das Internet auch seine Adresse - aber er war es nach seiner auskunft definitiv nicht - dieser geheimnisvolle "Junge, der vom Blitz getroffen wurde".

Sollte ich mir das alles nur eingebildet haben?

Kommt ja gelegentlich vor, so eine Erinnerungstäuschung.




Sonderfall Kugelblitz


1953 sah ich auf Sylt einen Kugelblitz über die Heide rollen: eine etwas fußballgroße Kugel, blau leuchtend - geheimnisvoll und unheimlich zugleich.
Obwohl die Heide zundertrocken war (August!) und von jedem Glutstäubchen der damals noch existierenden Inselbahn entflammt wurde - brannte sie nach der Berührung mit dem Kugelblitz nicht, der sich rasch in Nichts auflöste.

Später wurde mir erzählt, das sei wohl nur eine Phantasie gewesen - es gäbe doch gar keine Kugelblitze. Nun, meine Schwester hat mir die Erinnerung als korrekt bestätigt. Und im PM-Magazin (s. 2007) fand ich einen aufschlussreichen Bericht über das Phänomen, der meine Beobachtungen damals und meine Erinnerung heute bestätigt. Allerdings halte ich die darin geäußerte These, es könne sich bei Kugelblitzen um Schwarze Löcher handeln, schlicht und ergreifend für hirnrissig: in diesem Fall würden sie ja alles um sich herum verschlingen. Der Kugelblitz, den ich auf Sylt gesehen habe, war ein recht harmloses Phänomen - eher so etwas wie ein gigantisches Glühwürmchen.

Meine Schwester hat mir das Erlebnis und die Erinnerung daran jedenfalls im März 1995 bei einem Gespräch bestätigt: "Den Kugelblitz [1953 auf Sylt] haben wir alle gesehen."


Literatur

Schirawski, Nicolai: "Spiel nicht mit den Kugelblitz: Er könnte ein Schwarzes Loch ein". PM-Magazin Nr. 9 vom Sep 2007, S. 76-81
1980-08-13/WeltWoche: "Spuk oder Wirklichkeit?"
1991-11-22/PM-Magazin "Kugelblitze gibt es wirklich"


© 2011 / 2007 für diesen Text: Jürgen vom Scheidt / Quelle: www.hyperwriting.de