Franz Stark: "Sprache - ´Sanftes´ Machtinstrument in der globalen Konkurrenz"

Die deutsche Sprache hat große Qualitäten, die es neu zu entdecken gilt



Es ist geradezu ein intellektueller Sport geworden, die deutsche Muttersprache geringzuschätzen und dem Englischen jene Vorrangstellung einzuräumen, die früher dem Deutschen bzw. dem Französischen zukam. Hier wird die Problematik dieses Verhaltens mit sehr überzeugenden Argumenten dargestellt und zu dringender Abhilfe aufgefordert - ohne jede Deutschtümelei.

 
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[2007-10-01 ok / ur 2007-09-21]


(Rezensent: Jürgen vom Scheidt)



* * * * * ½
fünfeinhalb Punkte
(von sechs möglichen) auf meiner persönlichen Bewertungsskala.
(Einen halben Punkt extra hätte es gegeben, wenn ein Register und eine Zeittafel vorhanden wären, die das Arbeiten mit dem vielschichtigen Inhalt erleichtern würden.)



Fazit: Ein sehr lesenswertes Büchlein. das die Sensibilität für die Bedeutung und die Stärken der deutschen Muttersprache fördert - darüberhinaus noch wertvolle Einblicke in die Rolle von Sprache überhaupt vermittelt.



Der Kampf um die Sprache als Werkzeug


"Deutsch wird nur noch von rund 1,5 Prozent der Menschheit gesprochen", war am 20. Juni 2007 in der Südd. Zeitung zu lesen - Französisch von immerhin drei Prozent (das sind rund 181 Millionen Menschen). Des Englischen mächtig sind gut eine Milliarde.

Viele Deutschsprechende ziehen daraus den Schluß, daß unsere Muttersprache endgültig abgedankt hat und nun Englisch der Vorzug zu geben sei - und das auf allen Fronten dieses Sprachenkrieges. Mit zehn Thesen, die er ausführlich begründet, widerlegt Franz Stark, Journalist und ausgewiesener Sprachwissenschaftler (Deutsch in Europa) diesen Pessimismus.

Diese neue Studie von ihm ist nur ein schmales Büchlein. Aber diese 76 Seiten haben es in sich. These um These werden die Stärken der deutschen Sprache dargelegt und unmißverständlich die Forderung gestellt, diese Stärken auch zu nützen. Daraus wurde nicht eine der schwerblütigen Polemiken gegen DEnglish, die man allenthalben lesen kann. Hier wird statt mit dem teutonischen Säbel mit dem wissenschaftlichen Florett gefochten bzw. argumentiert.

Und worum geht es bei diesem Duell? Um nicht mehr und nicht weniger als die Ehre der deutschen Sprache als höchst leistungsfähigem Denk- und Kreativitätswerkzeug.

Der Einsatz einer Sprache ist außerdem, was sich kaum jemand klar macht, schon seit Zeiten der antiken Römer immer auch von enormer machtpolitischer Bedeutung - wie der Autor mit eindrucksvollen Beispielen aus der Umbruchphase nach dem Zerfall des Sowjetunion belegt, als sowohl die amerikanischen wie die englischen Regierungen mit Vehemenz überall Englisch als internationales Verständigungsmittel zu positionieren begannen. Der größere Skandal ist allerdings, wie Deutsch innerhalb der Europäischen Union zu Bedeutungslosigkeit schwindet - und das mit tatkräftiger Unterstützung (oder Duldung) der jeweiligen deutschen Regierungen.

Erst in jüngster Zeit scheint sich da eine andere Einstellung zu regen - etwa mit dem Projekt Theseus. Das ist der Name einer Zitat-Datenbank im Internet, die einen großen Nachteil der deutsch(sprachig)en Forschung ausgleichen soll: daß bisher Zitationen (in Form von Kurzfassungen - abstracts) nahezu auschließlich in englischsprachigen Datenbanken erfaßt werden. dies führte dazu, daß Englisch die einst führende Rolle der deutschen Sprache im internationalen Wissenschaftsbetrieb total verdrängt hat.

Starks Verdienst ist es, in diesem Zusammenhang aufzuzeigen, daß dies keineswegs an Vorteilen der englischen Sprache oder Nachteilen der deutschen "als Werkzeug" liegt - sondern an reinem Machtkalkül, mit dem Sprache eingesetzt und gefördert wird: "Die Behauptung, das Englische sei funktional grundsätzlich die überlegene Sprache, lässt sich nicht halten." (S. 25)

Dies unterstützt die britische Linguistin Elisabeth Frazer, wenn sie feststellt: "Im Englischen muß man fast ein in der Klassik bewanderter Sprachwissenschaftler sein, um völlig zu verstehen, was man in der Muttersprache sagt" , und sie ist begeistert von den "unvergleichlichen deutschen Wörtern . . . die bildhaft sind, bildhafter als ich es mir auf Englisch träumen lasse." (S. 23)

Mich persönlich hat diese Arbeit angeregt, meine (autobiographisch verwurzelte) Vorliebe für DEnglish kritisch zu hinterfragen - obgleich ich meine, dafür auch einige gute Argumente ins Feld führen zu können: DENGLISH (eine Verteidigungsrede)



Zum Autor


Dr. phil. Franz Stark (geb. 1938 in Nürnberg) hat Philosophie, Germanistik und Kommunikationswissenschaften studiert. Er war früher Chefkorrespondent Fernsehen beim Bayrischen Rundfunk. Er gestaltete und moderierte dort Beiträge für die viel beachtete ARD-Reihe Welt-Spiegel und moderierte bis zu seiner Pensionierung 2003 u.a. die Sendereihe Café Europa. Seit 1993 hat er an den Universitäten München und Passau einen Lehrauftrag für "Deutsch als Fremdsprache". Er ist Autor mehrer Bücher zum Thema "Deutsche Sprache" (s.u. Bibliographie).

Mehr zum Autor auf seiner Website franz-stark.de


Bibliographie

Stark, Franz: Faszination Deutsch. München 1993 (Herbig)
ders.: Deutsch in Europa. Paderborn 2002 (Asgard)
ders.: Sprache - "Sanftes" Machtinstrument in der globalen Konkurrenz. Paderborn Jan 2007 (Asgard). 76 Seiten - € 9,90


© 2007 für diesen Text: Jürgen vom Scheidt/ Quelle: www.hyperwriting.de