ZWEI-SPALTEN-METHODE (ZWEISPALTER)

Bewährte Methode zum Anfangen eines Textes ...



.. und zum Auflösen von Schreib-Blockaden!

Wir haben in unseren Schreib-Seminaren eine Methode entwickelt und für das Kreative Schreiben nutzbar gemacht, die einer Anregung Sigmund Freuds zur Deutung von Träumen folgt.

Aus diesem ZweiSpalter wurde später der VierSpalter (s.u.)

 
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[2007-06-25]


(Autor: Jürgen vom Scheidt)


Wir haben in unseren Schreib-Seminaren eine Methode für das Kreative Schreiben entwickelt, die bereits Freud zur Traumbearbeitung einsetzte (einer seiner genialsten Einfälle!).

Freud notierte zunächst seinen Traum (von "Irmas Injektion", den er in der Nacht vom 23. auf den 24. Juli 1895 hatte). Daneben schrieb er seine Freien Assoziationen (wie er es nannte) zu den einzelnen Details des Traums.

Wir haben dies als Vorgang zunächst in zwei verschiedenen Spalten konzipiert (ähnlich wie bei einem Vokabelheft). Diese nennen wir Logbuch und Schreib-Projekt oder (eigentlicher) Text (der aber erst ein Roh-Text ist).

(Auf die Idee mit den "Zwei Spalten" brachte mich ein Hinweis des Berliner Psychotherapeuten Harald Schultz-Henke in seinem Werk "Der gehemmte Mensch". Darin schlug er vor, Freuds Anregung folgend, der besseren Übersicht halber den Traumtext und die Einfälle ähnlich wie in einem Vokabelheft in zwei parallelen Spalten anzuordnen. Ich las das während des Psychologiestudiums in einem der Bücher auf der Liste der Pflichtlektüre für die Prüfung - auch das kann also etwas "für´s Leben" bringen.)



Vom Zwei-Spalter zum Vier-Spalter


Aus den zwei Spalten wurden später vier, und zwar auf großen Blättern DIN A1. Da dieses Format vielen Seminarbesuchern zu groß und zu sperrig ist (und manche sich angewöhnt haben, in gebundene, leere Notizbücher zu schreiben), empfehlen wir in diesen Fällen weiter mit diesen zwei Spalten zu arbeiten:

° die linke Seite wird dann mit dem tagebuchähnlichen Logbuch gefüllt,

°die rechte Seite bleibt dem eigentlichen Schreib-Projekt vorbehalten.


° Korrekturen und Ergänzungen zum Schreib-Projekt (die beim VierSpalter in der Spalte3 untergebracht werden - was das Überarbeiten übrigens sehr erleichtert!), werden beim ZweiSpalter entsprechend ebenfalls in der Spalte 1 eingefügt,

° desgleichen Ideen für andere Projekte (die beim Vierspalter in die Spalte 4 verlagert werden).


Auch wer Schwierigkeiten mit dem umfangreicheren VierSpalter hat, sollte diese Methode wenigstens einige Mala ausprobieren. Nicht zuletzt, weil sie den gesamten Ablauf der Textentstehung dokumentiert, ist sie nicht nur ein effektives, sondern ein sehr interessantes Werkzeug, das zudem Aufschlüsse über den persönlichen Arbeitsstil und denKreativen Prozeß verschafft.

Es ist zudem klar, daß - wie jedes andere Werkzeug - auch dieses entsprechend geübt werden muß, bevor man wirklich gute Resultate damit erzielt.


Alle weiteren Möglichkeiten finden Sie hier auf der Website im Beitrag zur
VIER-SPALTEN-METHODE.



Ein praktisches Beispiel


Nehmen wir an, es sei in einem Schreib-Seminar diese Aufgabe gestellt worden:
Schreibe eine moderne Variante des Märchens von den Drei Wünschen

(Das Vorbild hierzu ist Johann Peter Hebels Kalendergeschichte zum selben Thema. Ich habe mich wiederum von Hebel zu einer Variation dieses Motivs anregen lassen - s. meine Story DREI WÜNSCHE AN EINE FEE)

Und nehmen wir weiter an, Ihnen will absolut nichts zu diesem Thema einfallen. Aber der folgende Satz springt ihnen quasi in den Kopf:

"Mir fällt zu diesem Thema überhaupt nichts ein - drei Wünsche - so ein Blödsinn -"


Dann schreiben Sie genau diesen Satz in die erste Spalte (Logbuch): "Mir fällt zu diesem Thema überhaupt nichts ein - drei Wünsche - so ein Blödsinn -"

Die Chance ist recht gut, daß Ihnen bald danach dennoch zum eigentlichen Text ( = zweite Spalte) etwas einfällt.

Und so kann das Ergebnisse dieser über die beiden Spalten verteilten, hin- und herspringenden Schreibablaufs in Form einer Tabelle dann aussehen:



Logbuch (= Begleitendes Tagebuch); Ergänzungen zum Text; Flohmarkt (= Einfälle zu anderen Projekten und Themen)(eigentlicher) Text
Mir fällt zu diesem Thema überhaupt nichts ein - drei Wünsche - so ein Blödsinn Drei Wünsche - modern (= Titel)
[leer] Es war einmal ein kleiner Junge, der wünschte sich sehnlich viel Geld. Denn er hörte dauernd seinen Vater jammern, daß es hinten und vorne fehle und man dieses Jahr wieder nicht nach Hawaii zum Surfen fahren könne und den neuen Computer mit Internetanschluß könne man sich auch nicht leisten.
Da lief der Junge in seiner Not (denn der Vater dauerte ihn sehr) in den nah gelegenen Wald. Er verirrte sich natürlich, denn in den Wald war er noch nie allein gegangen.
[Statt "Hutzelweibchen" eine andere Bezeichnung? Ist nicht gerade politisch korrekt]Doch zum Glück - denn es dämmerte bereits und in der Ferne schrie schon unheilverkündend ein Käuzchen - begegnete ihm ein altes Hutzelweibchen, das vom Pilzesammeln kam und das Jammern des Jungen hörte.
(In Wahrheit war sie eine mächtige Fee, sah sehr schön aus und konnte allerlei magische Künste - aber davon gleich noch mehr)....
Warum ein Märchen? Könnte sich doch als Science Fiction auch ganz gut machen:
Ein Alien landet auf der Erde und bietet dem ersten Erdenmenschen, der ihm begegnet, an, ihm drei Wünsche zu erfüllen.
Die Sache hat natürlich einen Haken, denn -
[denn was??? Dazu wird mir irgendwann schon noch etwas einfallen...]



(Die Methode eignet sich übrigens auch gut, um eine Schreib-Blockade aufzulösen!
Siehe hierzu auch die Ausführungen auf der Verzweigung WIR LÖSEN BLOCKADEN. )


Bibliographie

Freud, Sigmund: "Der Traum von Irmas Injektion". (1895) In: Gesammelte Werke Bd. II/III, Kap. 6. Frankfurt am Main 1964 (S. Fischer)
Scheidt, Jürgen vom: "Das Große Buch der Träume". München 1985 (Heyne), Kap. 10
ders.: "Die Tinte soll fließen". In: Heft I/2006 von TextArt - Magazin für kreatives Schreiben
Schultz-Henke, Harald: Der gehemmte Mensch. Stuttgart 1947 (Thieme)


© 2007 für diesen Text: Jürgen vom Scheidt/ Quelle: www.hyperwriting.de