CANNABIS vs. ALKOHOL

Ein Vergleich, der es in sich hat (nicht nur Promille)



Die Tendenz geht unübersehbar dahin, Cannabis (Haschisch, Marihuana) zu verharmlosen und dem - ohnehin schon verheerend genug wirkenden - Alkohol als eher harmlose Droge gegenüberzustellen.

Selten schaut jemand genauer hin, was wirklich los ist.

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[2007-11-12 ok / ur 2004-04-27]


(Autoren: Jürgen vom Scheidt)


Ich beobachte die Diskussion um die Cannabis-Produkte nun schon seit 1963 (als ich selbst zum ersten mal gekifft habe), habe mit vielen Kiffern in den Jahren meiner Zeit als Drogenberater (1970 bis etwa 1975) beratend und psychotherapeutisch gearbeitet und die Diskussion sowohl in den wissenschaftlichen wie in den populären Publikationen verfolgt.

Mein Fazit nach all dieser Zeit: Es ist absolut unzulässig, Cannabis zu verharmlosen. Im "HANDBUCH DER RAUSCHDROGEN" habe ich in einer umfangreichen Tabelle (S. 91-93 in der neuesten, 11. Auflage von 2003) die beiden Drogen in ihrer biochemischen Beschaffenheit und in ihren Wirkungen ausführlich miteinander verglichen. Ich möchte das hier nicht im Detail wiederholen, das kann man dort ja nachlesen. Nur so viel:

° Alkohol ist eine körpereigene Substanz (die menschliche Leber produziert ständig kleine Mengen davon - THC ist hingegen eine körperfremde Substanz.
° Die Verweildauer im Körper (und damit die Dauer der möglichen Wirkung) ist extrem verschieden: Von Alkohol werden pro Stunde rund 0,1 Promille abgebaut, ein Rausch von 2,0 Promille also nach rund 20 Stunden - die Metaboliten (biochemische Ab- und Umbauprodukte) des THC sind noch nach einer Woche und länger im Gehirn nachweisbar; wie und ob diese Metaboliten angereichert werden und wie sich das auf den User auswirkt, das weiß niemand genau.


Deshalb handelt m.E. absolut unverantwortlich, wer - analog zum Alkohol - der Freigabe von Marihuana / Haschisch das Wort redet. Natürlich geht es im Kern immer darum wer die Droge zu sich nimmt. Aber wir wissen vom Alkohol mehr als uns lieb ist, wieviele Menschen dessen Wirkungen nicht gewachsen sind. Da langt eine private oder berufliche Krise, um aus dem moderaten Gelegenheitsgenießer einen süchtigen Trunkenbold zu machen.
Cannabis (speziell der Wirkstoff THC) ist wesentlich stärker als der stärkste Schnaps - Haschisch ist viel konzentriert als Marihuana - und die heute in den holländischen Gewächshäusenr und anderswo angebauten Sorten sind weitaus stärker in ihrer Wirkung als das Zeug,was wir 1963 geraucht haben.
Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Auf einem ganz anderen Blatt steht die strafrechtliche und drogenpolitische Behandlung der Cannabis-Drogen. Da liegt vieles im Argen, überall auf der Welt; allenfalls die Schweiz hat bisher ein einigermaßen brauchbares Konzept gefunden.


Bibliographie

Schmidbauer, Wolfgang und Jürgen vom Scheidt: Handbuch der Rauschdrogen. (1971) 11. aktualisierte und überarbeitete Ausgabe München 2003 (Nymphenburger Verlagshandlung). 750 Seiten _ 19,90 EUR D / 20,50 EUR A / 34,90 CHF / ISBN: 3-485-00972-5 _ ISBN13: 978-3-485-00972-0
dito: Taschenbuch-Ausgabe im Fischer-Verlag, Frankfurt am Main.


© 2007 / 2004 für diesen Text: Jürgen vom Scheidt / Quelle: www.hyperwriting.de