RAUMFAHRT*

Bejubelt, kritisiert, verspottet - dringend nötig?



Der Flug ins Weltall ist ein uralter Menschheitstraum. Schon Gilgamesch träumte vor mehr als vier Jahrtausenden, dass ein Adler ihn hoch in den Himmel hinauf trüge . . .

Einige persönliche "Erinnerungen an die Zukunft".

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*in Bearbeitung

[2011-11-16 wip / ur 2007-03-15]


(Autor: Jürgen vom Scheidt)



"Die Erde ist die Wiege der Menschheit. Aber man kann nicht ewig in der Wiege bleiben."
(Konstantin Ziolkowski, russischer Raumfahrtpionier)

"Ich sehe nicht, dass Weltraumfahrt etwas zum materiellen Wohlstand der Menschen beiträgt,
ganz zu schweigen von ihrem wahren Glück, ihrer Sicherheit und Zufriedenheit.
Ich glaube nicht, dass Worte wie diese den Lauf der Dinge aufhalten werden.
Aber ich meine doch, dass sie gesprochen werden müssen, damit nicht spätere
Generationen, wenn es solche überhaupt gibt, unsere Periode für wahnsinnig halten.
(Max Born, deutscher Physiker und Nobelpreisträger)

"... mit den 20 Milliarden Dollar, die das Apollo-Programm gekostet hat, wäre
der Hunger von 31 Millionen Menschen Zeit ihres Lebens gestillt gewesen."
(Ralph Abernathy, amerikanischer Pastor)




15. Okt 2007
Vorbemerkung in Sachen "Panikmache"
Alle technischen Neuerungen wie GPS, Fernseh-Satelliten (samt besseren Wettervorhersagen) und eine unglaubliche Erweiterung unseres Wissens von der Beschaffenheit des Universums und seiner Entstehung einmal beiseite gelassen, könnte es durchaus sein, dass die Raumfahrt uns eines nicht allzu fernen Tages die Chance gibt, einen kosmischen Impakt (Komet, Asteroid) zu überstehen.

Die Weltuntergangs-Szenarien in SF-Filmen wie Armageddon und Deep Impact oder in mehr wissenschaftlich angelegten TV-Sendungen in der Art von Armageddon - Der Einschlag (Schneider 2007) kann man ja mit einem Schulterzucken abtun. Was soll´s - passiert eh sehr selten.

Nun ja, sooo selten kommt das keineswegs vor. Und wenn nicht der Planet Jupiter mit seinem gewaltigen Gravitationsfeld uns wie ein kosmischer Staubsauger viel von diesem Weltuntergangszeug vom Leib halten würde, sähe die Erde wohl ähnlich pockennarbig aus wie der Mond. Aber in unserem Sonnensystem schwirren nun einmal Milliarden von Partikeln herum und nicht wenige davon erreichen eine Größe, die den Impakt, der vor 65 Millionen Jahren die Saurier ausgelöscht haben soll, durchaus erreichen würden.

Im Auge behalten sollte jemand diesen kosmischen Schutt schon - und das ist nur mit Hilfe einer hochentwickelten (und zwar bemannten) Raumfahrt möglich. Denn es geht ja nicht nur um Beobachtung und (möglichst frühe) Warnung - es geht vor allem auch um Abwehr.

Wenn uns die drei genannten Filme etwas sehr deutlich machen, dann dies - und da sind sie sehr realistisch und keineswegs bloß Science Fiction: Einfach wird das nicht werden, so einen Boliden "mit Atombomben zu pulverisieren" und damit unschädlich zu machen. Dazu muss vielmehr eine komplex und völlig neue Technologie entwickelt werden, die wir noch lange nicht haben. Es ist erst einige Jahre her, dass ein Riesenmeteorit etwa in der Entfernung des Mondes an der Erde vorbeiflog - peanuts in kosmischen Dimensionen. Hätte er die Erde getroffen - könnten sie diese Zeilen jetzt garantiert nicht lesen.

Alles nur Panikmache, um der NASA dicke neue Zuschüsse zu verschaffen? Das glaube ich inzwischen nicht mehr.




Es geht nicht nur um (gewaltige Summen von) Geld


Die eingangs zitierten Aussagen zweier bedeutender Forscher und eines Pastors umreißen recht gut die Spannbreite der Meinungen zum Thema RAUMFAHRT. Daran hat sich in 50 Jahren Geschichte dieses gewaltigen Unternehmens nichts geändert.

250 Mrd Dollar gaben die Amerikaner schon bis 1994 für die Raumfahrt aus - davon ein Drittel für das Apollo-Projekt mit sechs Mondlandungen. Der Bau der Internationalen Raumstation ISS wird auf mehr als 300 Milliarden Dollar veranschlagt, das kommende Mars-Projekt auf rund 400 Mrd Dollar.

Seit das Wettrennen ins All - welches ja nicht zuletzt ein Wettrüsten war! - von den Amerikanern 1969 durch die Mondlandung zunächst einmal gewonnen wurde, hat sich die Situation interessanterweise gewaltig verändert. Schon der Bau der Raumstation ist nur durch die Zusammenarbeit der Russen und Amerikaner und vieler anderer Nationen möglich geworden - und beim geplanten Flug zum Mars wird es wohl nicht anders sein. "Kooperation statt Konfrontation" lautet inzwischen die Devise.

Bekommt also Eugen Sänger mit seiner programmatischen Schrift von der Weltraumfahrt als Überwindung des Krieges doch noch recht?

Zumindest hat der Flug zum Mond die Amerikaner weniger gekostet "als ein Jahr Dschungelkrieg in Vietnam" (Schlindwein 2007, S. 194). Und für die bald eine Billion Dollar betragenden Kosten des Irakkriegs hätte man schon mehr als zweimal zum Mars fliegen können - was ganz sicher weit sinnvoller gewesen wäre! (Aber G.W. Bush in seinem Größenwahn will ja beides: den unsäglichen Krieg gewinnen und zum Mars fliegen.)




Nur ein Himmelfahrtskommando?


Im Oktober 2007 jährte es sich zum 50. Mal, dass die Sowjetunion erfolgreich den ersten Satelliten in eine Umlaufbahn um die Erde brachte. Dieses als Sputnik-Schock charakterisierte Ereignis war gewissermaßen der Startschuss zum Weltlauf ins Weltall - damals zwischen Russen und Amerikanern (den Letztere bekanntlich 1969 durch die erste Mondlandung vorerst gewonnen haben).

Eine aktuelle Titelgeschichte des Spiegel nennt sich: "Das Himmelfahrtkommando" (Schlindwein und Stampf 2007). Da steckt der - immer mitlaufende - militärische Aspekt des Themas gut erkennbar drin - aber auch die tödliche Gefahr, die jeder Schritt bei diesem "Wettlauf im Weltraum" (so der Untertitel) eben auch mit sich bringt.

Mein Vater hatte es Anfang der 1950-er Jahre ganz richtig begriffen, als er meine Weltraum- und Mondflugbegeisterung zu bremsen suchte mit der Bemerkung: "Dort oben gibt es doch gar keine Luft -"

Was er wohl nicht wusste war, dassß man diese Luft ja mitnehmen konnte, wie ein Taucher. Aber die grundsätzliche Gefahr hat er schon ganz richtig erkannt.

Inzwischen beteiligen sich die Chinesen und die Japaner ebenso wie die Inder an diesem Welttlauf - der inzwischen vor allem durch den Bau der Internationalen Raumstation und das Mars-Projekt gekennzeichnet ist.

Warum schreibe ich auf meiner Website über dieses Thema?



Schon als Kind faszinierte mich der Flug in den Weltraum


Der Grund für mein Interesse am Flug ins All ist ein ganz einfacher: Als Kind schon faszinierten mich erste Bücher über Raumfahrt, speziell als Science Fiction. Anton M. Kolnbergers Auf unbekanntem Stern entdeckte ich Ende 1948 in meiner Buchhandlung Kolb in Rehau. Ich wünschte es mir zu Weihnachten, bekam es auch -und war hooked, wie die Amerikaner so treffend sagten: Ich hing am Haken. Dieser Haken war die technische Phantasie und Utopie, von der die Raumfahrt nur ein Aspekt war - wenngleich der für mich damals wichtigste.

Irgendwann, als in der Pubertät Berufswünsche wichtig wurden, war klar: Astronaut wollte ich werden (oder Weltraumpilot, wie das damals hieß.) Den Wunsch beerdigte ich allerdings rasch, als ich mit 16 eine Brille verschrieben bekam. Raumfahrer mit Brille - unmöglich; man hätte mich nicht einmal als Piloten bei der 1956 gerade im Aufbau befindlichen deutschen Luftwaffe genommen (und dass ich keine Chance bei den Amis gehabt hätte - als Deutscher, nach dem entsetzlichen, von Deutschland ausgehenden Zweiten Weltkrieg - war ebenfalls bald klar).

Als Vierzehnjährigen führte mich meine Begeisterung sogar dazu, Mitglied bei der Deutschen Gesellschaft für Raumfahrt und Raketentechnik zu werden. Allerdings trat ich schon nach einem Jahr wieder aus: in der Clubzeitschrift wimmelte es mir zu sehr von Formeln und technischen Ausdrücken und Abhandlungen, bei denen ich meistens (Weltraum-)Bahnhof verstand. Stattdessen wurde ich für einige Jahre - sehr aktives - Mitglied im Science Fiction Club Deutschland (SFCD). Dessen Publikationen gefielen mir schon besser, einfach deshalb, weil ich sie nicht nur verstand, sondern auch dazu angeregt wurde, selbst zu schreiben.

Im SFCD lernte ich JESCO VON PUTTKAMER kennen, der schaffte, was mir verwehrt blieb: Er wurde zwar nicht Astronaut, aber immerhin Raketeningenieur. Im Rahmen dieser Tätigkeit half er tatkräftig, unter der Ägide seines Mentors Wernher von Braun, die amerikanischen Astronauten ins All und sogar auf den Mond zu befördern. Wir sind noch immer in Kontakt. So ist es mir gelungen, ihn mehrmals für den Bayrischen Rundfunk zu interviewen und zwei seiner aufschlussreichen Studien zur Raumfahrt für diese Website zu bekommen:

Jesco von Puttkamer: "MENSCHEN IM ALL"

Jesco von Puttkamer: "BRUNNENKRESSE UND RAKETEN", Teil



Abb.: Jesco von Puttkamer (re) 1969 zu Besuch in München
- mit Abstecher auf´s Oktoberfest (li: Waldemar Kumming)

Nachtrag 16. Nov 2011:
Inzwischen wurde Jesco von Puttkamer auf ganz spezielle Weise geehrt: Man benannte ein himmlisches Objekt nach ihm, einen kleinen Asteroiden, der ab nun die Bezeichnung trägt. Er schrieb mir dazu eine Email:

"Die für Astronomie und insbesondere Small Bodies (Asteroiden) zuständigen Stellen von ESA und NASA/JPL (Jet Propulsion Laboratory) haben mir zu meinem kürzlichen Geburtstag ein phantastisches Geschenk gemacht, indem sie einen relativ neuentdeckten Kleinplaneten nach mir benannt haben. Das war eine sehr schöne Überraschung für einen, der sein Leben lang den Blick nach oben gerichtet gehalten hat. Mein „Namensträger“ wird noch um die Sonne kreisen, wenn ich längst zu Staub zerfallen bin. So ist auch dieses Science-fiction-Szenario für den alten Kraahk wahr geworden.
Du kannst den kleinen Himmelskörper im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter finden, rund 3,17 Grad zur Ekliptik geneigt und gegenwärtig 523 Millionen km von uns entfernt. Gehe einfach zur offiziellen NASA-Website:

Asteroid 266725 Vonputtkamer

Neben allen seinen Orbitelementen kannst Du dann durch Drücken des Links „Orbit Diagram“ eine animierte Darstellung des Körpers auf seinem Orbit erstellen. Wenn das Diagramm erschienen ist (dazu braucht der PC Java), änderst Du die Intervaleinstellung von „1 Day“ auf „3 Days“ und klicken dann auf die Vorlauftaste „“.
Der hellblaue Teil des Orbits liegt oberhalb der Ekliptik, der dunklere unter ihr (Ekliptik = die Bahnebene der Erde um die Sonne). In der rechten unteren Ecke läuft dann auf der Kalenderuhr das Datum der jeweiligen Konstellation. Der JPL-Browser ermöglicht noch viele anderen interessanten Spiele mit „266725 Vonputtkamer“. Ich war von dieser Ehrerteilung enorm gerührt und finde sie, in aller Bescheidenheit, echt „cool“.



Engeres Konzept von Raumfahrt: Erdnahe Präsenz


[Work in progress] Militärische Präsenz, Rüstung, Zivile Nutzung → NASA



Weiteres Konzept von Raumfahrt: Besiedlung des Sonnensystems und darüber hinaus


[Work in pProgress] Terraforming des Mars ?


Bibliographie

Bay, Michael (Regie): Armageddon. USA 1998 (Columbia)
Braun, Wernher von: . . .
Leder, Mimi (Regie): Deep Impact. USA 1998
Kolnberger, Anton F.: Auf unbekanntem Stern. Nürnberg 1948 (Die Egge)
Puttkamer, Jesco von: "Zu jung für die Ewigkeit". (1955) Nachgedruckt in der Anthologie Landfinder 1975 (s.u.)
ders.: "Columbia, hier spricht Adler". Weinheim 1969 (Verlag Chemie).
ders.: Die Reise des Schlafenden Gottes. München 1959 (Moewig Terra Großband).
ders.: Elektronengehirne, Wurmlöcher und Weltmodelle. Rastatt 1985 (Moewig).
ders.:Rückkehr zur Zukunft. Bilanz der Raumfahrt nach Challenger. Frankfurt a.M. 1989 (Umschau)
ders.: Jahrtausendprojekt Mars. München 1996 (Langen Müller)
ders.: Email vom 10. Okt 2011 (Asteroid „266725 Vonputtkamer")
Landfinder, Thomas (Hrsg.) Welt ohne Horizont. Würzburg 1975 (Arena)
Sänger, Eugen: Raumfahrt - technische Überwindung des Krieges. Hamburg 1952 (Rowohlt)
Scheidt, Jürgen vom (Interview): "Raumfahrt als Über-Blick: Jesco von Puttkamer - Raumfahrtingenieur in Washington". in: ders. (Hrsg.): Konzepte für die Zukunft. Stuttgart München Landsberg Juni 1990 (Bonn aktuell)
Schlindwein, Simone und Olaf Stampf: "Das Himmelfahrtkommando / Die Eroberung des Himmels". In: Der Spiegel Nr. 39 vom 24. Sep 2007, S. 178-195 - mit DVD zur Geschichte der Raumfahrt: "Die Eroberung des Alls".
Schneider, Stefan (Regie): Armageddon - Der Einschlag. Deutschland 2007 (ZDF / Sendung: 25. Sep und 2. Okt).
Weyer, Johannes: Wernher von Braun. Reinbek 1999 (Rowohlt Bild Monographie)


© 2011 / 2007 für diesen Text: Jürgen vom Scheidt/ Quelle: www.hyperwriting.de