HUMAN CAPITAL FUND

Eine Vision zur Förderung Latenter Talente



Ein Konzept mit ersten konkreten Schritten zu seiner Verwirklichung: Ausbildung zum "Mentor für Talente"

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[2008-07-20 wip / ur 2005-02-20]


(Autor: Jürgen vom Scheidt)


In meinem Buch "DAS DRAMA DER HOCHBEGABTEN" sprach ich im 9. Kapitel von einem Traum und einer Vision, die bei mir durch die Arbeit am Buch entstanden ist: eine Art Investment-Fonds zur Förderung Hochbegabter. Ich nannte dies den Human Capital Fund.

Obwohl einige philologische Schlaumeier und Wichtigtuer im Januar 2005 den Begriff Humankapital zum "Unwort des Jahres 2004" ernannt haben, möchte ich an dieser Formulierung festhalten. Speziell in der Wirtschaftspresse hat man die Argumentation der Sprachbewahrer als schlichten Unsinn entlarvt.

Es gibt schon des längeren den Human-Capital-Club, der auf seiner Website sehr gute Argumente für die Beibehaltung des Begriffs in einem "Offenen Brief" zusammengetragen hat. (Von der Existenz dieses Klubs erfuhr ich zufällig Mitte Februar 2005 während der Recherchen für diesen Beitrag.)


Ich möchte im Folgenden zunächst die relevanten Seiten aus dem Kapitel 9.5 meines Buches vorstellen und anschließend ergänzen.


Inhalt
1. Der Human Capital Fund - eine realisierbare Utopie
2. Ich habe einen Traum...
3. Konzept zur Realisierung meines Traums vom HCF
4. Aller Anfang ist leicht: mit Mentoring
5. Eigene Erfahrungen mit Mentoren
_Bibliographie



1. Der Human Capital Fund - eine realisierbare Utopie


Verantwortung besteht, wie ich meine, auch innerhalb der Gesamtheit der Hochbegabten mit ihren drei Untertypen. Die erfolgreichen Überflieger mit ihren enormen materiellen Möglichkeiten und weit überdurchschnittlichem Einkommen haben eine sehr wichtige Funktion als Mentoren und Starthelfer für die weniger erfolgreichen Latenten und insbesondere die blockierten Underachiever.

Vor allem letztere haben sich dieses Schicksal ja nicht freiwillig ausgesucht, sondern sind nicht selten schon als Kinder durch Verständnislosigkeit der Erwachsenen für ihre besondere Situation zum Opfer von intellektuellen und emotionalen Einschränkungen geworden. Oder sie wurden dadurch sogar in Elternhaus und Schule regelrecht traumatisiert.


Von der Verantwortung zur Förderung

Es gibt bereits imponierende Netzwerke, in denen Hochbegabte sich mit ihresgleichen zusammengeschlossen haben, um die Welt in ihrem Sinn zu verändern. Die internationale "Gemeinde der Wissenschaftler" ist so ein geistiges und soziokulturelles Gebilde. Auch die Unternehmer haben ihre Zusammenschlüsse und die Politiker ebenfalls - wenn auch nicht in diesem umfassenden Sinne wie die Gelehrten.

Aber diese Netzwerke sind nur den sehr erfolgreichen Talenten zugänglich und fördern sie immer wieder neu, in einer positiven Rückkopplung der Besten für die Besten. Was nötig ist, sind neuartige Förder-Netzwerke, die sich nicht der bereits privilegierten Talente annehmen, sondern den Latenten und Underachievern eine Chance geben, sich zu entfalten. Dies dürfen keine kurzfristigen Angebote sein, weil schlechte Kindheitserfahrungen und Traumatisierungen erfahrungsgemäß lange Zeit für Erholung und Heilung benötigen.

Ich möchte mit einer persönlichen Erfahrung zeigen, wie so etwas aussehen könnte. Ich konnte als Jugendlicher allmählich in die Science-Fiction-Szene hineinwachsen. Dort war ich nicht mehr der Außenseiter, der "solchen Schund" las (wie Eltern und Lehrer meinten), sondern war als Gleicher unter Gleichen auch von den älteren Erwachsenen akzeptiert. Dort wurden meine Kurzgeschichten gelesen und mein Schreiben gefördert. Ich lernte bereits etablierte Autoren persönlich kennen, bekam viele Anregungen und fand hilfreiche Mentoren. Besonders eindrucksvoll war für mich, daß ich später in anderen Ländern bei SF-Fans anklopfen konnte und gerne aufgenommen wurde. Nach dem Abitur 1959 war ich in England und habe genau dies erlebt, obwohl man auf der Insel, beim früheren Kriegsgegner, in jenen Jahren vielfach noch sehr reserviert, ja feindlich den Deutschen gegenüber gesinnt war.


Es fehlen hilfreiche Netzwerke

Was fehlt, ist ein Netzwerk dieser Art, in das Hochbegabte schon als Kinder eintreten können - wo man sie ermutigt und fördert, wo sie allmählich auch Verantwortung für ihr Denken und Tun lernen und übernehmen können. Wo sie nach einiger Zeit, sogar schon als Jugendliche, zu Mentoren für die Jüngeren werden können. So wie die Erwachsenen ihrerseits Mentoren für die Jugendlichen sind - und lebenserprobte Senioren für die Erwachsenen mittleren Alters.

Es gibt ein ähnliches Modell in der Geschäftswelt, das sehr gut funktioniert: Die Business Angels. Das sind (sehr wohlhabende) Investoren, die nicht nur ihr Geld in Start-Up-Unternehmen von jungen Hochbegabten stecken, sondern dazu ihr Knowhow, ihre Kontakte und ihre Lebenserfahrung diesen angehenden Entrepreneurs zur Verfügung stellen. Sie tun dies fraglos im eigenen Interesse, denn sie wollen ja ihre Investitionen mit möglichst großem Gewinn irgendwann realisieren. Aber sie haben offensichtlich auch Freude daran, daß ihr Wissen und ihre Erfahrung (ihre Weisheit?) geschätzt wird und Früchte jenseits der rein materiellen Ergebnisse trägt. Für die jungen Unternehmer wiederum zählen solche Förderung und Ermutigung (vor allem bei den nicht ausbleibenden Rückschlägen) mindestens so viel wie einige Millionen €uro.

Auf nationaler Ebene gibt es die "Studienstiftung des deutschen Volkes", welche hochbegabte Studenten vorbildlich fördert. Aber das ist auch schon alles - und auch hier wird am Anfang äußerst streng gesiebt und es zählt, wie in jeder Schule, letztlich nur der sichtbare Erfolg.
(Ergänzung 2008-07-20: Inzwischen wurden die Aufnahmekriterien gelockert. Am besten liest man die aktuellen Bedingungen auf der Website der Studienstiftung nach: Studienstiftung des deutschen Volkes.)

Aber wenn die Zahlen stimmen, dann ist es ein Skandal, daß nicht mehr geschieht mit den drei Prozent Anteil der Hochbegabten an der Gesamtbevölkerung. Von denen realisiert nach meiner und anderer Schätzung (s. den Kasten auf S. 124 im Buch) gerade mal ein Drittel seine Power wirklich erfolgreich. Kaum etwas oder gar nichts wird getan für die anderen:

° Allein in Deutschland dürften 0,8 Millionen Latente und nochmals 0,8 Millionen Underachiever ihre Talente mehr oder weniger brachliegen lassen,
°und weltweit wären das (jedenfalls dann, wenn die Begabungen international gleich wie bei uns sind) zweimal 60 = 120 Millionen Hochbegabte, deren Potenzial der Menschheit verloren geht.

Man stelle sich einmal vor, wie unsere Welt anders sein könnte, wenn diese Menschen in einem guten Sinn zusammenwirken könnten!


Soft Skills entwickeln

Wo lernt man, vernetzt zu denken und vernetzend zu handeln? Wie lernt man, Verantwortung zu übernehmen? Von wem lernt man, weise zu werden?
Sicher nicht in der Schule und schon gar nicht auf einer Universität oder später im Beruf. Soft skills sind, allen Beteuerungen von schlauen Büchern und teuren Management-Seminaren zum Trotz, nicht gefragt in einer Welt, die eher von militärisch-strategischem Denken als von Menschlichkeit bestimmt wird.

Gerade deswegen sollten Hochbegabte nicht nur an ihren Erfolg in Arbeit und Beruf denken. Sobald sie einigermaßen etabliert sind, sollten sie einen Teil ihrer freien Kapazitäten auf andere Bereiche ausdehnen, in denen Persönlichkeitsentfaltung und geistiges Wachstum nötig sind

° in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen,

° bei der Erkundung ihrer eigenen Persönlichkeit,

° und bei transpersonalen Themen (womit ich alles meine, was über den eigenen Tellerrand und den des nächsten persönlichen Umfelds hinausreicht - zum Beispiel das Ganze der Menschheit).


Traumatisierungen aufarbeiten

Es wäre begrüßenswert, wenn Hochbegabte, und zwar nicht nur die traumatisierten Underachiever, einen Bruchteil ihrer Zeit und ihres Geldes in zwei Aktivitäten investieren würden, die nicht direkt der Karriere dienen (dieser aber keineswegs schaden werden):

° Die Aufarbeitung von Beeinträchtigungen und Schäden aus den frühen Lebensjahren (welcher Hochbegabte hätte sie nicht in irgendeiner Form?). Das kann durch eine Psychoanalyse geschehen oder durch Coaching.

° Eine Ausbildung in ThemenZentrierter Interaktion (um im zwischenmenschlichen Bereich das nötige Know-how und die entsprechende Fertigkeiten zu erwerben).


Zu ersterem, der Psychoanalyse, wäre anzumerken...

...daß es heute immer noch als Makel gilt, wenn jemand eine Therapie macht, gleich ob mit oder ohne "Couch". Das liegt nicht zuletzt daran, daß diese Methode vom "Arzt Freud" und seinen Schülern ursprünglich als Behandlungsmethode für Krankheiten im psychischen (und somit auch im sozialen) Bereich entwickelt wurde.

Zu diesem Mißverständnis hat die Zunft der Psychoanalytiker leider selbst viel beigetragen, indem sie an diesem Krankheitskonzept festgehalten hat. Wer zu einem "Psychologen" geht, wird heute noch als Neurotiker abgestempelt. Welch ein blühender Unsinn! Was man in Wahrheit in einer Psychotherapie macht, das ist, blockierte Kreativität auf vielen Ebenen zu aktivieren:

° auf der biologischen Ebene (Beispiel: Unfruchtbarkeit, psychosomatische Krankheiten)

° ebenso wie auf der seelischen (Beispiel: Konzentrations- und Lernstörungen)

° und der sozialen (Beispiel: Bindungsängste).

Einer schon etwas älteren Schätzung aus den 80-er Jahren zufolge haben bereits rund zehn bis 15 Millionen Menschen weltweit eine Psychoanalyse oder ein verwandtes Verfahren absolviert. Wer weiß, ob es um die Menschheit nicht noch schlimmer bestellt wäre, wenn Freud nicht ab 1895 diese Psychoanalyse entdeckt und entwickelt hätte! (Vergl. hierzu auch, was ich unter [link 370]COMING OUT MIT PSYCHOTHERAPIE[/link] zusammentrage.)



TZI als Grunderfahrung

Was die TZI betrifft, so sollte eigentlich niemand, der mit Menschen in Gruppen arbeitet, in welcher Form auch immer (und dazu gehört schon die eigene Familie), ohne Erlernen dieser oder einer verwandten Methode für seine Tätigkeit zugelassen werden.


Der Human Capital Fund (HCF) als Netzwerk für brachliegende Talente


Warum gehe ich auf diese Hintergründe der Traumatisierung und der dringend nötigen Sanierung (Therapie) so ausführlich in Zusammenhang mit dem Projekt des HCF ein, das ich hier vorstelle? Ich möchte diese Frage mit einer Art Slogan beantworten:

Ikaros stürzt ab - und will gerettet werden !


Die Underachiever befinden sich in genau derselben Situation wie ihr Schutzpatron Ikaros: Sie fallen in die Tiefe und sehen in der Ferne ihren genialen Vater davonziehen. Genau dies ist die Situation der Hochbegabten, die mit der Realisierung ihrer Talente wenig erfolgreich oder völlig erfolglos sind. Sie brauchen die Hilfe der Erfolgreichen!

Genau hier setzt meine Idee eines Netzwerks in Form eines Unternehmens ein. Dieses soll keine Almosen für die "armen Verwandten" geben, sondern eine Starthilfe, die für beide Seiten nützlich und sinnvoll ist.

Tobias Brauer [der Jungen aus dem Fall-Beispiel im Buch] war so ein abgestürzter Ikaros, der aus der Schule ausbrach und dann erst einmal eine Weile herumgammelte und immer verzweifelter wurde, weil er nicht wußte, was er mit sich und seinen ungeformten Talenten anfangen sollte. Er hatte das große Glück, bei einer kleinen Firma Unterschlupf zu finden, die nicht nach Schulnoten und einem Abgangszeugnis fragten, sondern sein Potenzial erkannte und ihn fördern wollte.

Genau dies schwebt mir bei dem vor, was ich den Human Capital fund nenne: Ein ganzes Netzwerk solcher kleiner Firmen und Projektgruppen,

° wo Hochbegabte erst einmal als Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten erkannt und respektiert werden, obwohl diese noch nicht ausgeformt und erfolgreich umgesetzt worden sind;

° wo Begabungen sich langsam (!) zeigen und entfalten können

° und verständnisvoll gefördert werden.

Ein wachsendes, irgendwann weltweites Netzwerk, in dem auf der anderen Seite bereits erfolgreiche Talente

° ihre Begabungen anders als nur für die eigene Karriere einsetzen

° und dadurch menschlich wachsen können, als Mentoren und Begleiter, als Anreger und Förderer

° und bald merken werden, das es kaum etwas Befriedigenders gibt, als ein neues Talent aufblühen und gedeihen zu sehen.

Der HCF ist darüberhinaus noch, wie jeder normale Investment-Fonds, eine vielversprechende Möglichkeit der Investition in finanzieller Hinsicht.



Nicht nur unter Kindern und Jugendlichen gibt es Spätentwickler

Viele Talente merken erst in der Lebensmitte oder noch später, daß da unverwirkliche Talente in ihnen schlummern. In unseren Schreib-Seminaren tauchen viele von ihnen auf und wundern sich, wenn da plötzlich eindrucksvolle Texte entstehen, die sie sich selbst (und schon gar nicht andere Menschen) ihnen vorher zugetraut haben.



Begabung als Selbstverständlichkeit

In diesem Netzwerk, in das Hochbegabte hineinwachsen können, wäre die Begabungshöhe eine Selbstverständlichkeit und nicht Abnormität oder Behinderung, unter der viele Hochbegabte leiden und in oft unerträgliche Isolation und Einsamkeit abrutschen. Weder Religionszugehörigkeit noch Rasse noch Geschlecht dürften diskriminierend wirken. Und - dies ist der Unterschied zur Schule und den heute vorhandenen Institutionen - zunächst einmal ist auch nicht der (finanzielle) Erfolg das oberste Leitbild.
Das Creative Writing beziehungsweise das, was wir als HYPERWRITING daraus weiterentwickelt haben, wir sollte in diesem System eine zentrale Rolle spielen. Denn es ist das Werkzeug, das geistige Freiheit und sozialen Kontakt enorm unterstützt und das zudem ein idealer Begleiter für seelisches und soziales Wachstum ist.

Wie könnte ein Netzwerk aussehen, das so etwas fördert? Ich habe im Folgenden ein paar Gedanken dazu formuliert.

I have a dream...




2. Ich habe einen Traum...


Wie könnte so eine Utopie verwirklicht werden? Von anderen Details einmal abgesehen, ist der finanzielle Aspekt einer der allerwichtigsten. Alle Projekte in der Menschheitsgeschichte, die mit einem utopischen Anspruch angetreten sind, scheiterten letztlich, weil sie diesen materiellen Gesichtspunkt vernachlässigt haben. Man kann ein solches Unternehmen nicht auf der Basis eines gemeinnützigen Vereins aufziehen und wohl auch nicht als Stiftung.

Machen wir uns nichts vor: Der wichtigste Motor für das Gelingen wäre, wie bei jeder Firma, nicht zuletzt die Lust an den finanziellen Aussichten - und die sind wohl kaum irgendwo vielversprechender als bei einer großen Gruppe Hochbegabter.

Ich habe einen Traum. Oder eine Vision. Nennen Sie es, wie Sie wollen. In diesem Traum entsteht eine Art Investment-Fonds, der nicht - wie üblich - in Aktien investiert - sondern in Menschen. In Humankapital, wie man das in der Wirtschaft treffend nennt.

Diese Menschen sind die Hochbegabten, die sich an den vom Fonds geförderten Projekten beteiligen. Er bezieht alle Varianten von Hochbegabung ein. Er

° lädt die erfolgreichen Talente ein, Geld und Knowhow als Starthilfe einzubringen

° und möchte Latenten wie entsprechend motivierten (!) Underachievern optimale Möglichkeiten bieten, ihr brachliegendes Potenzial zu entwickeln.

Das kann ein junger Maler sein, der gerade seine erste Ausstellung gemacht hat. Das kann ein Schüler sein, dessen Talent ein gutes Gespür für die Entwicklung von Aktienkursen ist. Das kann eine Frau um die 45 sein, deren erwachsene Kinder aus dem Haus gehen und die nun ihr Schreibtalent entfalten möchte.

Das können viele der Viertelmillion arbeitslos gewordenen Akademiker oder Hochbegabten in anderen Berufen sein, die eine exzellente Ausbildung haben - und trotzdem aufgrund der Entwicklung der letzten Jahre plötzlich ihren Job verloren haben (2003 waren das zum Beispiel mehr als 10.000 Journalisten und Redakteure!).

Diese Menschen können schließlich auch Senioren sein (mit einer enormen Lebenserfahrung und gut gepolsterter Altersversorgung), die merken, daß eine anspruchsvolle Aufgabe noch einmal eine schöne Herausforderung wäre - zum Beispiel als Mentor oder Mentorin für die jüngeren Talente.

Der Clou bei dem Ganzen ist jedoch, wie erwähnt, der finanzielle Aspekt. Denn der Fonds dient der Vorfinanzierung und Starthilfe und speist sich, in einem selbstverstärkenden Regelkreis, möglichst bald selbst aus den Einnahmen, welche die erfolgreichen Projekte, die er fördert, zurückfließen lassen:

in Form von Tantiemen, Prämien, Honoraren und Dividenden.




3. Konzept zur Realisierung meines Traums vom HCF


Wer eine Psychotherapie oder eine TZI-Ausbildung (oder sonst eine zusätzliche Fortbildung) machen möchte, hat nicht unbedingt gleich das nötige Geld. (Die zu erwartende Einführung von Studiengebühren und deren in vielen Fällen nötige Vorfinanzierung über Darlehen wird dies noch drastisch verstärken!) Ebenso ist es bei Schülern und Studenten oder Berufsanfängern und Arbeitslosen. Sie brauchen unter Umständen eine Art Hochbegabten-Darlehen zur Freisetzung und Entwicklung ihres Potenzials.

Jugendliche Underachiever, die nicht mehr auf die Schule gehen wollen, weil sie sich dort entsetzlich langweilen und auch keine passende Unterstützung bekommen, vielleicht zuhause ständig eskalierenden Ärger mit den Eltern haben - sie brauchen eine Art Wohn-Projekt, in dem sie zur Ruhe und zu sich selbst und der Entfaltung ihrer Talente kommen können.

Die Erfahrung zeigt, daß jeder Hochbegabte, wenn das Umfeld stimmt und die psychosozialen Störungen nicht zu massiv sind, mit unglaublichem Elan die potenziell angestammte Domän zu erobern beginnt.

Hier muß man ansetzen.

Die Produkte, Erfindungen und so weiter werden von einer dem Fond zugeordneten Agentur vermarktet, die (zehn Prozent) Provision bekommt, welche in den Fond zurückfließen.

Wo wären schließlich Hochbegabte mit pädagogischem Talent besser aufgehoben, als in der Funktion von Mentoren? Die Ausbildung und Fortbildung solcher Mentoren wäre eine ganz wesentliche Aufgaben - und auch eine wichtige weitere Einnahmequelle - des Fonds.

Sobald das Ganze einigermaßen läuft, wird es in eine echte Aktiengesellschaft umgewandelt. Es wäre gelacht, wenn so ein Unternehmen nicht das Interesse der Investoren fände!


Was wäre lohnender, als in hundert, tausend, zehntausend Talente zu investieren?


Die Erfahrungen der Business Angels und anderen Investoren in Start-Up-Unternehmen zeigen, daß von zehn Firmen zwei oder drei Flops werden, vier oder fünf ihre Investitionen wieder einspielen - und zwei oder drei gigantische Erfolge werden.

Warum sollte das bei der Investition in Hochbegabte anders sein?

Ich bin Psychologe. Aber Geld und Geldkreativität haben mich schon als Fünfjährigen interssiert und fasziniert. Dennoch weiß ich, daß es auch die anderen Faktoren gibt, die mir genauso wichtig sind neben dem und auch jenseits von materiellem Erfolg. Das sind die seelischen und sozialen Bedingungen, in denen ein Mensch und seine Talente gedeihen kann. Aber damit Talente gedeihen können, brauchen ihre Besitzer ein zuverlässiges, produktives, kontinuierliches Umfeld - und das kostet viel viel Geld, zumindest als Anschubfinanzierung.

Wenn das mit den Finanzen zusammenpaßt - Geist und Geld also - kann aber eigentlich nichts schiefgehen.

Auf jeden Fall sollte jeder, der bei dem Projekt mitmachen möchte, ein Geld-Seminar besuchen - mindestens eines.




4. Aller Anfang ist leicht: mit Mentoring


Noch wichtiger als Geldmittel (ohne die natürlich gar nichts geht) erscheint mir die schon erwähnte Begleitung all dieser Unternehmungen durch erfahrene Mentoren. Die Rolle eines MENTOR besteht zu allererst darin, die Erfahrungen dieser Persönlichkeitsentwicklung und die damit verbundene HELDENREISE (ja - genau dies ist es) selbst bereits einmal gemacht zu haben.

Wenn beispielsweise ein für das Schreiben begabter Mensch sein Talent als Autor entwickeln möchte, so kann er eine Menge von einem älteren erfahrenen Schriftsteller profitieren.

(In dem nicht nur diesbezüglich sehr gelungenen Film Forrester gefunden übernimmt Sean Connery auf hinreißende Weise diese Rolle gegenüber einem 16-jährigen schwarzen Jungen, der gerade seine ersten Schritte als sehr talentierter Nachwuchs macht).


Wer erfolgreich an der Börse spekulieren will, wäre gut beraten, jemanden wie George Soros als Mentor zu haben. Bodo Schäfer macht in seinem erfolgreichen Geld-Ratgeber Der Weg zur finanziellen Freiheit gute Vorschläge, wie man eine verfahrene monetäre Situation zu den eigenen Gunsten verändert. Das läßt sich zwar nicht so leicht realisieren läßt, wie Schäfer vorgibt - aber vieles, was er vorschlägt, ist äußerst hilfreich. In zwei Unterkapiteln weist er schon in der Überschrift auf die Bedeutung eines erfahrenen Helfers hin:

"Mein Coach, der Milliardär" (S. 273) und "Wie sie einen Mentor finden und mit ihm umgehen" (S. 275)

Aber um Mentor zu sein, bedarf es noch ein wenig mehr als nur der eigenen beruflichen (Vor-)Erfahrung. Man solle auch

° einiges von Menschenführung und der damit zusammenhängenden Psychologie verstehen

° wenn es speziell um die Förderung von Begabungen geht, ist Wissen um den kreativitätspsychologischen und tiefenpsychologischen Hintergrund unerläßlich

° im Falle von Blockaden sind psychotherapeutische Kenntnisse und Selbsterfahrung sicher kein Schaden

° und wenn man mit Gruppen arbeitet, kommt man um entsprechende Erfahrungen in ThemenZentrierte Interaktion (TZI) nicht herum


Aus diesem Grund bereiten wir derzeit eine Ausbildung / Fortbildung in MENTORING vor: das "MINOTAUROS-PROJEKT" für LATENTE TALENTE.

Ziel ist die Ausbildung von Mentoren für Talent. Den Anfang macht man am besten mit dem Kennenlernen dessen, was wir den Inneren Mentor nennen.

Ein spezieller Workshop geht Ende August 2005 schon zum zweiten Mal über die eindrucksvolle Bühne des Südschweizer Hochgebirges: LATENTE TALENTE: MENTORING IN DEN WALLISER BERGEN




5. Eigene Erfahrungen mit Mentoren


Es gab in meinem eigenen Leben immer wieder VORBILDER UND EINFLÜSSE, denen ich viel für meine eigene berufliche (und private) Entwicklung verdanke. Zu ihnen gehört mein Doktorvater Hanns Schiefele ebenso wie Ruth C. Cohn und viele andere Graduierte bei WILL-International (jetzt TZI-Forum, wo ich lernte, mit Gruppen zu arbeiten. Dann natürlich meine beiden Psychoanalytiker, Ullrich Otto und Bernd Horn.

Beim Schreiben waren es eine Reihe von Autoren, von Brian W. Aldiss über Herbert W. Franke und Wolfgang Jeschke bis hin zu Andreas Eschbach.

Aber wahrscheinlich am meisten geholfen hat mir bei meinen ersten Schritten als Autor Walter Ernsting alias Clark Darlton. Ich nenne ihn- MEIN MINUTEN-MENTOR.

Wichtig war bei all diesen Mentoren stets der persönliche Kontakt - und sei er noch so kurz, manchmal wirklich nur wenige Minuten oder Stunden.



Bibliographie

Sant, Gus van (Regie): Forrester gefunden (Finding Forrester). USA 2000 (Columbia)
Scheidt, Jürgen vom: Das Drama der Hochbegabten. (2004) München 2005 (Piper Taschenbuch)



© 2008 / 2005 für diesen Text: Jürgen vom Scheidt / Quelle: www.hyperwriting.de