PROMOTION und IQ

Begabungshöhe und Universitätsabschluß hängen eng zusammen



Aber sind promovierte Physiker wirklich intelligenter als promovierte Germanisten oder Psychologen?

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[2007-08-16 ok / ur 2004-11-09]


(Autor: Jürgen vom Scheidt)



Ein Leser meines Buches Das Drama der Hochbegabten stellte folgende Frage:

"[...] Bemerkenswert fand ich die unterschiedliche Behandlung von Promotionen in Naturwissenschaften und anderen Fächern für die Einschätzung des IQ, insbesondere daß eine Promotion in Physik auf einen IQ von 140+ hinweist (z.B.S.334). Da mir die hier zu Grunde liegenden Studien leider nicht bekannt sind und sie im Buch auch nicht näher benannt werden, wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir die bibliographischen Angaben derselben zukommen lassen könnten.

P.S. Aus den beiden mir bekannten, zugegebenermaßen relativ alten Untersuchungen (Harmon, L.R.(1961) The highschool background of science doctorates, Science 133, 680 ; Matarazzo, J.D.(1992) Wechsler´s measurment appraisal of adult intelligence) folgt dieser Zusammenhang noch nicht.



Zusammenhang zwischen Promotion in Physik und Höhe des Intelligenzquoitienten


Hier die Antwort auf Ihre Frage betr. "Prompotion und IQ". Ich zitiere dies zunächst nach Ellen Winners Buch Hochbegabt:

"Ein durchschnittlicher promovierter Akademiker hat einen IQ von etwa 130, nur beim Physiker liegt der Durchschnitt bei 140." (Winner, S. 31)

Winner bezieht sich dabei auf diese Quelle: D.K. Simonton: Who makes history and why (New York 1994, Guilford Press)

Meine persönliche Meinung zu diesem Thema:
Es kann m.E. gar nicht sein, daß ein promovierter Physiker wesentlich intelligenter ist als - sagen wir - ein promovierter Psychologe oder Germanist. "Äpfel und Birnen..." werden da wohl verglichen. Nur mißt der I-Test eben die den naturwissenschaftlichen Fähigkeiten zugrundeliegenden - und in einer Promotion zutagetretenden - objektivierbaren Verhältnisse besser - und bewertet sie entsprechend höher - als das,

° was ein Germanist für die Bewertung etc. von Texten braucht (Vernetzung auf der schriftlichen Sprachebene)

° oder was ein Psychologe für die praktische Arbeit mit Menschen braucht (Vernetzung der Spracheben mit der menschlichen Ebene).

Ich selbst war in der Schule in Mathe immer schlecht, obwohl sie mich - ebenso wie die Naturwissenschaften sehr interessiert haben und dies noch immer tun. Deshalb bin ich die meiste Zeit meines Lebens ein großer Fan von Science Fiction gewesen. Ich habe sogar vor der Psychologie ein Semester Mathe studiert - naja - nach sechs Wochen bin ich ausgestiegen, aber ich WOLLTE das studieren und war und bin sehr interessiert an allem was - populier formuliert, versteht sich - mit diesem Bereich zu tun hat.

Die mathematische Begabung ist in meiner Familie fraglos vorhanden:

° ein Großvater war Architekt,
° einer meiner Söhne hat das Physik-Diplom, programmiert sehr erfolgreich und leitet jetzt eine eigene Firma mit 70 Mitarbeitern, die seine Software weltweit vertreib;
° ein anderer Sohn hat im praktisch-mathematischen Teil des HAWIE einen IQ von 145
° dazu kommt noch große Schachbegabung bei einem Bruder meiens Vaters und bei meinem Vater selbst.

Aber ich bin eben Psychologe geworden und denke, daß meine Dissertation (eine empirische Arbeit über Drogenabhängigkeit) so hochwertig ist wie die eines Physikers, der irgendeine Formel erarbeitet hat.

Aber es ist auch zu vermuten, daß die Naturwissenschaften, und hier insbesondere die Physik, überdurchschnittliche viele Hoch- und Höchstbegabte anziehen (was durch eine spezielle Deformation professionelle vielleicht noch gefördert wird).


Bibliographie

Bolker, Joan: Writing your Dissertation in Fifteen Minutes a Day. New York 1998 (Henry Holt
Harmon, L.R.: "The highschool background of science doctorates". In: Science Jg. 133 .(1961)
Matarazzo, J.D: Wechsler´s measurment appraisal of adult intelligence. (1992)
Peters, Stephan (Hrsg.): Promotionsgeschichten. Waldkirch 2007 (Jörg Dendl)
Simonton, D.K.: Who makes history and why. New York 1994 (Guilford Press)
Winner, Ellen: Hochbegabung. (New York 1996). Stuttgart 1998 (Klett-Cotta)


© 2007 / 2004 für diesen Text: Jürgen vom Scheidt / Quelle: www.hyperwriting.de