AUTOREN-CHANCEN (AUTOREN UND GELD)*

Selbst in den USA können die meisten Schriftsteller . . .



. . . nicht von ihren Büchern leben, und es ist eine traurige Tatsache, daß "fünfundneunzig Prozent aller Schriftsteller ihr Leben lang einen Brotjob behalten müssen, um über die Runden zu kommen." (Patricia Highsmith).

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[2007-05-29 wip / ur 2004-10-23]


(Autor: Jürgen vom Scheidt)



Der Traum jedes Menschen, der gerne schreibt, dürfte sein, diesen Traum in Form eines Berufs als Schriftsteller zu erfüllen. Noch dazu, wenn man soeben in der Zeitung liest, daß der neue (abschließende) Band der Harry Potter-Serie alle Rekorde bricht und seine Autorin Joanne K. Rowling wahrscheinlich zur reichsten Frau der Welt machen wird - mit gut einer Milliarde €uro Gesamtvermögen - und das binnen eines Jahrzehnts mit eigener Hände Arbeit.

Aufwachen, Träumer!!


Die Autoren-Realität sieht ganz anders aus. Spitzwegs ironisch-biedermeierliche Idylle vom Armen Poeten ist leider ein äußerst realistisches Spiegelbild dieser Realität. Wenn man dann noch in der selben Süddeutschen Zeitung vom 23.Juli 2007 die folgende Meldung liest, nimmt einem das wahrscheinlich vollends den Schneid, sich selbst als Schriftsteller zu versuchen:

"Jane Austen hätte heute wenig Chancen, ihr Werk veröffentlicht zu sehen. Das ergab ein Test, den David Lassman, Leiter des Jane-Austen-Festivals in Bath, gemacht hat: Lassman schickte minimal abgeänderte Auszüge aus Austens Romanen an 18 führende britische Verlagshäuser. Nur einmal wurde der Text als das Werk der Schriftstellerin erkannt. Von allen anderen Verlagen erhielt Lassman Absagen, meist mit der Begründung, die eingereichten Auszüge seien nicht sehr vielversprechend."


Vielen später erfolgreichen Autoren ging es ebenso - sogar der heute so irrsinnig arrivierten Joanne K. Rowling - s. meine Sammlung diesbezüglicher Mißerfolgs-Erlebnisse unter HALLE DES SPÄTEN RUHMS

Mir sagte der Chef-Lektor des Moewig-Verlags 1960 auch, mein Roman Sternvogel wäre zu verrückt und würde die Leser überfordern- aber ich hätte ihn ja zu "meinem Vergnügen geschrieben." und damit soltle ich zufrieden sein. Nun, ich ließ mich keienswegs entmutigen und das Buch wurde soagr in drei verschiedenen Ausgaben gedruckt: als gebundenes Buch, als Heftroman-Nachdruck und später sogar als Taschenbuch bei Bastei-Lübbe.

Was ich damit sagen will:

° Man sollte in der Tat zunäcsht "zum eigenen Vergnügen" schreiben
° aber dann doch alles daran setzen, das Manuskript auch bei einbem Verlag unterzubringen (schon um auf diese Weise eine Rückmeldung zu erhalten, daß man nicht der einzige Mensch ist, dem das Manuskript zusagt).

Auf große finanzielle Erfolge sollte man allerdings nicht bauen (Rowlings Welt-Jahrhundert-Bestseller-Erfolg zum Trotz) - darauf hoffen schon.



29. Mai 2007

Anschauliche Beispiele:


° Patricia Highsmith
"Der [US-Amerikanische] Autorenverband hat festgestellt, daß in Amerika fünfundneunzig Prozent aller Schriftsteller ihr Leben lang einen Brotjob behalten müssen, um über die Runden zu kommen." (Highsmith 1980, S. 131).

° Walter Kempowski
"Wenn ich nicht 30 Jahre lang Schulmeister gewesen wäre, hätte ich keine Pension. Und jetzt lebe ich praktisch von meiner Pension. Für meine Bücher kriege ich fast nichts. Ich habe für das letzte halbe Jahr <2006> 3500 €uro vom Verlag gekriegt." (WK im Interview: 2007-05-07/Spiegel Nr. 19)

° Schneider, Robert
Der österreichische Schriftsteller Robert Schneider über Kitsch, Vampire und sein neues Buch Die Luftgängerin([nach Schlafes Bruder"):
"Schneider hat für seinen neuen Roman angeblich eine Million Mark Vorschuß gefordert." (1998-02-04/SZ)



Okt 2004

"Die Zeiten, in denen Autoren mit horrenden Vorschüssen geködert wurden [...] sind vorbei - statt bis zu 100.000 gibt es für Anfänger eher 5.000 bis 10.000 €uro Garantiehonorar."
(Der Spiegel Nr. 40 / 2004, S. 168)


Bibliographie Literatur

Highsmith, Patricia: Suspense, oder: Wie man einen Thriller schreibt. (1966) Zürich 1980 (Diogenes)


© 2007/2004 für diesen Text: Jürgen vom Scheidt/ Quelle: www.hyperwriting.de