MIT EINEM COMIC FING ES AN

Abenteuer auf dem Papier und anderswo



Mein persönliches Schreiben begann mit dem Skript für einen eigenen Comic, führte mich dann zur Science Fiction, den Träumen und den Rauschdrogen.

Und wie geht´s weiter, nach fast 50 Jahren Schreiben und Publizieren?

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[2007-11-15 wip / ur 2001-10-27]


(Autor: Jürgen vom Scheidt)


Inhalt dieses Beitrags
In Leipzig ging es los
Skripte für "Mischa"
Helden und Schund
Atlantis - der zeitlose Mythos
Traumwelten der Science Fiction
Eingenommen von der Phantasie
Stationen auf dem Weg zum Autor
Von Anfang an bei den Computern
Roboter - Blues - Investment-Fonds
Warum dieser Umweg?
Keine Jobs für Psychologen
Vier Nobelpreisträger und ein indischer Musiker
Bunte Welt der Rauschdrogen
Neu-Ausgaben
Das Drama der Hochbegabten
Zurück in die Zukunft
_Bibliographie



In Leipzig ging es los


Geboren wurde ich am 7. Feb 1940 in Leipzig. Kein schlechter Anfang für einen Bücherwurm. Ist Leipzig doch - wieder - eine der drei Bücher-Metropolen Deutschlands.

Frankfurt ist heute, mit Herbstmesse und Buchhändler-Vereinigung, wichtiger als finanzielles Zentrum. München ist - als zweitgrößte Verlagsstadt der Welt, gleich nach New York - wichtiger als geistiger Publikationsschwerpunkt. Aber Leipzig ist gewissermaßen die Mutter aller Bücher-Schlachten.

Von Leipzig habe ich als Kleinkind scheinbar nicht viel mitbekommen (außer den frühen Prägungserlebnissen). Da waren die Jahre in Rehau (1942 - Feb 1956) naturgemäß viel eindrucksvoller. Und für den Heranwachsenden noch wichtiger war die "große Freiheit" der Millionenstadt München.

Erst nach der Wende im Okt 1989, die mir den Besuch Leipzigs im Mai 1990 ermöglichte (mit einem sehr eindrucksvollen Schreib-Seminar im Literatur-Institut - das bald danach leider "abgewickelt", das heißt aufgelöst wurde) -

- erst in dieser - nicht nur politisch - aufregenden Zeit wurde mir bewußt, daß die Groß- und Messestadt Leipzig mich wohl als Kleinkind schon irgendwie sehr geprägt haben muß. Dies hat sicher auch damit zu tun, daß mein Großonkel Erich Naumann der Pächter der renommierten Hauptbahnhofgaststätten von Leipzig war (400 Mitarbeiter normalerweise - während der Messezeit 600!)



Skripte für "Mischa"


Mein persönliches Schreiben begann mit einem Comic, den ich gemeinsam mit meinem Freund Alfred Hertrich schuf. Er zeichnete; ich dachte die Geschichte für uns aus und verfaßte die kleinen erläuternden Texte und die Sprechblasen.
Diese Urprodukte existieren nicht mehr. Aber ich habe in den 60-er Jahren an diese interessante Tätigkeit anknüpfen können, als ich für Rolf Kaukas Fix und Foxi ein paar Drehbücher verfassen konnte, und zwar für die Sub-Serie Mischas Abenteuer im Weltenraum (die zur Zeit beim Ehapa-Verlag neu veröffentlicht wird - von mir als Autor weiß man dort offenbar nichts - Schwamm drüber.)

Erst heute, mehr als vier Jahrzehnte später, ist mir klar, daß der kleine Ort http://www.Rehau.de am Rand des Fichtelgebirges mir sehr viel Anregungen als Heimat gegeben hat.

Da gab es zwar keine so hochragenden Berge wie später im Süden Münchens oder - noch später - im Oberwallis. Und es gab auch nicht das - manchmal recht gefährliche - Meer, das ich 1947 drei Monate lang (inklusive Schulbesuch unter lauter Friesenkindern) und 1954 nochmals drei Wochen lang auf Sylt ausgiebig kennenlernte.



Helden und Schund


Das erste Buch meines Lebens, das ich mir selbst ausgesucht habe, war der Zukunftsroman Auf unbekanntem Stern von Anton M. Kolnberger. Das war Weihnachten 1947 und die Freude, als das Buch eindrucksvoll und farbig (im Jahr 1947!) auf dem Gabentisch lage, war groß. Viele Jahre später, 1972, ergab sich auf Umwegen ein Kontakt mit Kolnberger, der zu einem anregenden Gespräch führte.

Die Bibliothek, welche die Amerikaner für die Kinder und Jugendlichen in einer beschlagnahmten Villa eingerichtet hatten, war von mir bald abgegrast. Ich entdeckte zum Glück im Haus schräg gegenüber eine Leihbibliothek, mit der sich in der kargen Nachkriegszeit eine Nachbarsfrau ein Zubrot verdiente. Dort entdeckte ich eine Buchreihe (ursprünglich eine Serie von 150 Heften), die mich sofort in ihren Bann schlug: Sun Koh - der Erbe von Atlantis .

(Der Held hat gewissermaßen die Bewährungsprobe des Erwachsenwerdens seines Fans bestanden.)

Ich habe auch in späteren Jahren immer wieder in diesen Geschichten geschmökert; die von den Erwachsenen damals so leichtferetig als Schundliteratur abqualifiziert wurden. Welch ein Armutszeugnis! Das Adjektiv "faszinierend" ist hier einmal mit Recht angebracht und nicht übertrieben. Einen Gutteil meiner Allgemeinbildung verdanke ich dem Autor Alfred Müller. Der verstand es großartig, in eine abenteuerliche Handlung viel Wissen über Länder, Leute und Kulturen zu verpacken, das man mühelos, ja gerne in sich aufsoge. Und er war nicht so langatmig wie Karl May!

So habe ich mir immer die Schule gewünscht (ähnlich wie die Zauberschule von Hogwarts bei Harry Potter)...

Ich war und bin übrigens nicht der einzige, der von Sun Koh begeistert war und noch immer angetan ist. Der Autor Herbert W. Franke [http://www.zi.biologie.uni-muenchen.de/~franke/ ], dem ich viele andere Impulse für mein Schreiben verdanke (s. unten), räumt dieser Serie ebenso einen Ehrenplatz in seiner literarischen Ahnengalerie ein wie die Erfinder des späteren Welterfolgs Perry Rhodan (der die 150 Hefte von Sun Koh weit übertroffen hat: man ist dort derzeit [Stand: Mai 2002] bei Nr. 2125 angelangt).

Inzwischen hat dieser Held meiner Kindheit sogar, man staune, eine eigene Website: http://www.sunkoh.de. Das selbe Lob gilt für das Sachbuch, das Heinz J. Galle über Sun Koh und seinen Autor Alfred Müller-Murnau alias Lok Myler alias Freder van Holk geschrieben hat - sehr lesenswert!

Mein Freund aus SF-Tagen Heinz J. Galle hat die Rechte an der Serie von Alfred Müllers Erben übernommen und will die Geschichten demnächst wieder publizieren. Sehr verdienstvoll !


1953 bis 1957 erschien eine Heft-Serie mit utopischen Eskapaden, die mein Bedürfnis nach techischen Wundern und Visionen mehr ansprachen: Jim Parker Abenteuer im Weltraum.

Ich wollte jetzt nicht mehr "an der Erde kleben" (wo sich Sun Koh ausschließlich tummelte, sieht man von einer kurzen Episode auf dem Mond ab), sondern weiter hinauf und hinaus: zu den Planeten und den Sternen. Die Astronomie faszinierte mich (seit mein Vater mich als Zehnjährigen in die Wunder des Sternhimmels eingeführt hatte) ebenso wie die Pläne Wernher von Brauns für eine zivile "Eroberung des Weltalls".

Raumstation - Mondflug - Reisen zum Mars und zur Venus...

Das war es, was ich jetzt anstrebte. Und ich wollte das nicht nur lesen - ich wollte selbst up up and away! Mein Berufswunsch war es, Weltraumpilot zu werden. Ich würde nach dem Abitur zur Luftwaffe gehen, dann Testpilot werden und dann -

Ja, so hatte ich es mir genau ausgemalt. Aber es stellte sich heraus, daß ich eine Brille tragen mußte. Und das war´s dann schon - Astronaut mit Brille - unmöglich!

Also doch vor allem lesen. Und schreiben. Immerhin: das war schon mehr Aktivität, als nur Nachmittage und Nächte sich in Büchern zu vergraben.



Atlantis - der zeitlose Mythos


Der wahrscheinlich wichtigste Impuls, der um 1950 von Sun Koh auf mich übersprang, war der Mythos vom Goldenen Zeitalter und - infolge der Hybris seiner Herrscher - der spätere Untergang des sagenhaften Kontinents Atlantis. Da paßte es gut, daß eine Übersetzung des Sachbuchs gleichen Titels von Alexander Braghine auf deutsch erschien. Dieses Buch habe ich mir nun nicht mehr gewünscht, sondern - durch Zeitungaustragen - selbst verdient. Es war mein erstes selbst erworbenes Buch.

Der Inhalt war hoch spekulativ, deckte sich weitgehend mit den Legenden, die Alfred Müller in der Sun Koh-Reihe strickte und die kritischer Betrachtung kaum standhalten.

Aber die Faszination, die auch von diesem Werk und seiner quasi-religiösen Vernetzung aller möglichen "ungelösten Welträtsel" zu einem sinnvollen Ganzen ausging (Erich von Dänikens späterer Welterfolg mit der These von den Astronautengöttern hat hier ebenfalls ihre Wurzeln) regte mich dazu an, mich selbständig mit dem Thema ATLANTIS zu befassen.

In einer eigenen Funksendung habe ich das später alles gebündelt. Den Text finden Sie hier auf unserer Website: Einmal "mit Musik" (= den Titeln in der Funkfassung zugespielten Songs und Musikstücke) und einmal "ohne": ATLANTIS mit Musik.



Traumwelten der Science Fiction


Zwei Jahre später fuhr ich im Sommer einen Monat lang mit dem Fahrrad von meinem Heimatort REHAU nach Selb in die Oberrealschule. Eine sehr anstrengende Strecke, bei der es ein gutes Stück bergauf ging, an vielen Tagen mit kräftigem Gegenwind.

Zur körperlichen Anstrengung kam die seelische: es war bald unsäglich langweilig, so über Land zu strampeln, jeden Tag die selbe Strecke. Irgendwann entdeckte ich, daß es Spaß machte - und nun gar nicht mehr langweilig war - wenn ich mich aus der Strampelei gewissermaßen ausklinkte und mir Geschichten ausdachte.

Dies waren nicht irgendwelche Einfälle, sondern Ideen, die sich um den Helden meiner damaligen Lieblingslektüre drehten: Jim Parkers Abenteuer im Weltraum,, eine utopische Heftserie. Im Unterricht (ich saß , gut geschützt vor den Blicken der Lehrer, hinten in der letzten Bankreihe) notierte ich diese Einfälle. Zuhause tippte ich sie mit der Schreibmaschine meines Vaters ab - als Exposés für weitere Jim Parker -Abenteuer.



Fasziniert vom Reich der Phantasie


Ich war von meinen eigenen Phantasien so angetan, daß ich diese Exposés, von denen es bald an die hundert gab, an den Pabel-Verlag schickte. In der hoffnugsvollen Meinung, dafür Honorar zu bekommen. Geld gab es zwar nicht, und die Ideen wurden auch nicht aufgegriffen (jedenfalls habe ich das nicht feststellen können) - aber ein freundlicher Brief des Lektorats ermutigte mich, weiter zu machen. Und das tat ich auch, bis zum heutigen Tag.

1955 wurde es ernster: mit einer ersten Kurzgeschichte. Auch die wurde nicht gedruckt. Aber mit der zweiten klappte es im Jahr darauf: das Fan-Magazin ANDROmeda des "Science Fiction Club Deutschland", bei dem ich Mitglied war, druckte sie ab. Das habe ich WALTER ERNSTING zu verdanken - meinem MINUTEN-MENTOR.

Und für die dritte Story, wieder Science Fiction, gab es dann sogar Geld: zehn Mark. (Auch deren Abdruck habe ich Walter Ernsting alias Clark Darlton zu verdasnken: Er brachte sie im damaligen UTOPIA Magazin)

1957 habe ich mein erstes Buch geschrieben, einen SF-Roman mit dem kühnen Titel Männer gegen Raum und Zeit . Er wurde ein Jahr darauf - zu meiner eigenen Verwunderung (und natürlich auch Freude) als Leihbuch-Roman veröffentlicht. (Diese Leihbücher wurden bis weit in die 50er Jahre eigens für spezielle Leihbüchereien gedruckt, wo man sie für 30 Pfennige eine Woche lang ausleihen und lesen konnte; das Aufkommen der preiswerten Taschenbücher machte diesen eigenen Lese-Markt überflü&ssig.)

Der Roman war kein Jahrhundertwerk (als Siebzehnjähriger ist man dazu kaum in der Lage - wenn man nicht gerade Gustave Flaubert heißt) - aber er war eine wichtige Station auf dem Weg zum Schriftsteller.
Es folgten andere Romane und kürzere Erzählungen. Wichtiger sind mir heute jedoch die Sachbücher.



Stationen auf dem Weg zum Autor


Viel zu verdanken habe ich in dieser Hinsicht dem Physiker Herbert W. Franke, einem der wichtigsten deutschen SF-Autoren und Verfasser vieler interessanter Bücher über seine Spezialgebiete Technik-Trends, Kybernetik, Höhlenforschung und Computergrafik.

Als Student konnte ich HWF einige Male zuarbeiten, zum Beispiel durch Erstellen einer Bibliographie zu einem seiner Bücher, das andere Mal mit Kurz-Biographien zu einem Buch über Werbung (Der manipulierte Mensch, 1964) sowie über Wunderwaffen der Medizin (1968). Und ein drittes Mal mit der Übersetzung eines Handbuchs für einen Selbstbau-Computer -der hieß , wenn ich mich recht erinnere, Minivac, bestand aus einigen primitiven Flip-Flop-Schaltungen und war damit - 1963 ! - ein Vorläufer der Personal Computer, mit denen zwei Jahrzehnte später der Siegeszug des Computers (und damit auch des reichsten Mannes der Welt: Bill Gates) begonnen hat.

Aber am meisten hat Franke mir imponiert, weil er der erste in einer neuen Generation von Autoren nach dem Zweiten Weltkrieg war, der gute Zukunftsromane schrieb - wie man die Science fiction in den 50-er Jahren noch nannte.

Das Gedankennetz und der Orchideenkäfig, um nur zwei seiner erzählenden Titel zu nennen, waren wichtige Impulse für mein eigenes Schreiben – und spannendes Lesefutter ohnehin.

Es war eine gute Erfahrung, im November 2001 bei einem Vortrag von H.W.F. über die Entwicklung der Computer-Graphik (an der er maßgeblich von Anfang an beteiligt war) den Kontakt zu erneuern. Auf seiner Website (s. oben rechts) findet man einige schöne Beispiele und viele Informationen über seine Veröffentlichungen im Sachbuch-Bereich und in der Science fiction.



Von Anfang an bei den Computern


Heute freut es mich natürlich, daß ich bei der Computerei "von Anfang an dabei war" - sogar noch vor 1963, denn in meinem Roman Sternvogel , den ich nach dem Abitur (1959) geschrieben habe, spielt ein Computer eine zentrale Rolle als Drahtzieher im Hintergrund einer wilden Space Opera - Details BELLESTRISTIK (Bücher) JvS.

Was sollte ich nach der Reifeprüfung studieren? Ich war zunächst völlig ratlos. Wahrscheinlich, weil mich irgendein unbewußter "Teufel ritt" (wie man so treffend sagt), vor allem aber, weil mich Mathematik und Physik (die Naturwissenschaften überhaupt) immer sehr interessiert haben und ich meine vorher grauenhaft schlechten Schulnoten in Mathe durch gute Nachhilfe erstaunlich verbessern konnte, schrieb ich mich im Herbst 1959 an der Technischen Hochschule in München für das Studium der Mathematik ein (zur Physik versperrte mir der Numerus clausus den Zugang).



Langer Um-Weg zum Psychologen


Allerdings stellte ich schon nach wenigen Wochen fest, daß ich (s. oben) nicht den Kopf hatte, den man für Mathe und Physik braucht, und stieg entnervt wieder aus dem Studium aus (den passenden Kopf hat offenbar mein ältester Sohn, der Informatiker ist und sein Physik-Studium erfolgreich abgeschlossen hat.

Mit einem selbst erfundenen Software-Tool für Computerspiel-Entwickler namens AlienBrain gründete er 1995 die florierende Start-Up-Firma nxn, die inzwischen Teil der weltweit operierenden Software-riesen Avidgeworden ist.

(Die Psychologen nennen solche Weitergabe von Berufswünschen und Lebenszielen an die eigenen Kinder übrigens DELEGATION")

Eigentlich wollte ich - von Herbert W. Franke beeinflußt - Kybernetik studieren - aber dieses Fach gab es damals noch nicht. Und für Informatik (d.h. pure und schwierigste Mathematik) fühlte ich mich nun doch nicht geeignet.

Es folgte ein kurzer Abstecher ins Jura-Studium. Dann verliebte ich mich während eines Ferienjobs in eine Psychologiestudentin - und das stellte dann die Weiche für den Beruf, den ich heute noch ausübe: als Psychologe.



Roboter - Blues - Investment-Fonds


Eines der drei vorgeschriebenen psychologischen Praktika machte ich 1964 bei IBM. Ich wollte diese damals noch sehr mysteriösen Geräte aus der Nähe kennenlernen (und IBM bezahlte außerdem das Praktikum gut). Diese Nähe erlebte ich auch. Allerdings bekam ich für mein Praktikum ein sehr schlechtes Zeugnis - mit Recht, meine ich heute, weil mich die Rechenmaschinen damals mehr interessierten als die Menschen, mit denen ich im Praktikum zu tun hatte, etwa beim Durchführen von Intelligenz- und Eignungs-Tests.

Mein großes Interesse an Computern und Software hat übrigens nicht nur mein ältester Sohn übernommen, sondern - wenn auch auf ganz andere Weise - der Jüngste, Jonas.

° Gregor begann schon als Zwölfjähriger mit dem Programmieren (es gab mal einen bösen Zusammenstoß , als ich mir Sorgen um seine Schulnoten machte und ihm mitten in der Nacht genervt den Strom abstellte, wodurch das Programm, an dem er seit Stunden gebastelt hatte, abstürzte und die Arbeit vertan war - aber so lernt man eben auch was: regelmäßige Datensicherung - und ich lernte, so etwas nie wieder zu tun).

° Jonas wiederum hat seine Leidenschaft für Musik entdeckt und komponiert mit Hilfe einer speziellen Software.

Mein nächstes eigenes Thema betraf den Blues. Ich war damals (1963) leidenschaftlicher Sammler von R´n´B (Rhythm´n´Blues). Mit meinem Freund Wolfgang Baum (der später mit Max Condula eine private Schule für Grafikdesign gründete, die AKADEMIE AN DER EINSTEINSTRASSE, streifte ich nächtelang durch die Kneipen von München und Umgebung , in denen schwarze Soldaten und Musiker verkehrten und die Juke boxes entsprechend bestückt waren.

Meine Fachkenntnisse sprachen sich irgendwie herum, und so erhielt ich eines Tages von Berthold Spangenberg, dem Chef der Nymphenburger Verlaghandlung, den Auftrag, für Die Story vom Blues von Charters einen Anhang samt Diskographie zu verfassen.

(Sechs Jahre später trug dies dazu bei, daß ich einen Job als Lektor für wissenschaftliche Themen bei eben diesem Verlag bekam. Mehr hierzu weiter unten)

Im selben Jahr 1970 machte ich mich als Psychologe selbständig und eröffnete eine Praxis, zunächst (bis 1976) mit Schwerpunkt "Beratung von Drogenabhängigen". Außerdem entschloß ich mich, von nun an Bücher lieber selbst zu schreiben, als nur die Werke anderer Autoren zu lektorieren und redigieren.



Warum dieser Umweg?


1963 war ich, nach dem Vordiplom in Psychologie, in eine große seelische Krise geraten und wollte nicht mehr weiter studieren. Ich hatte, salopp gesagt, "die Schnauze voll" von der endlosen Lernerei.

13 Jahre Schule - und dann noch einmal vier Jahre Studium...

Es nahm einfach kein Ende mit der Unselbständigkeit. Ich wollte endlich richtig Geld verdienen und nicht mehr vom Elternhaus abhängig sein. Über einen amerikanischen Freund, Mal Sondock, ergab sich eine Chance.

Mal war ehemals Disk-Jockey beim Soldaten-Sender AFN, ließ sich nach dem Armee-Dienst in München als Musikagent, Sänger und Produzent von Platten nieder. Ein vielfach begabter Mann, der auch noch sehr gut Jazz-Saxophon spielte und mein Hobby Science fiction teilte. Und außerdem war er ein tüchtiger Geschäftsmann und vermittelte für die damals berühmte, später nur noch berüchtigte "IOS" von Bernie Cornfeld amerikanische Investment-Fonds.

Ich machte bei Mal eine Schnell-Ausbildung als Vermittler von solchen Geldanlagen und verdiente - für einen Studenten - eine Menge Kohle.

(Wer wissen will, was Mal Sondock heutzutage so treibt, kann ihn ja auf seiner sehenswerten Website besuchen: sondockmedia.de .

Parallel dazu lernte ich das Handwerk des Schreibens als Redakteur bei einer medizinischen Fachzeitschrift (Selecta ), wo ich auch ganz passabel verdiente und meinen beruflichen Horizont erweiterte. Alles - nur nicht als Psychologe arbeiten!

(Eine andere Geschichte war, daß ich eine Weile zu viel kiffte und mich immer mehr in meine eigenen Un-Tiefen zurückzog - bis ich mich mit Hilfe eines Psychoanalytikers mühsam wieder in die "Welt drauß en" zurückarbeitete - aber das ist eine andere Geschichte, die wird vielleicht ein andermal erzählt...)

Dann lernte ich meine erste Frau Elke kennen, ließ mich von den sehr vernünftigen Argumenten meines Schwiegervaters überzeugen und schloß mein Psychologiestudium ab. Doch als Psychologe zu arbeiten, konnte ich mir noch immer nicht vorstellen.



Keine Jobs für Psychologen


Da traf es sich ganz gut, daß man mir auf dem Arbeitsamt mitteilte, eine Stelle als Psychologe könne ich mir aus dem Kopf schlagen: es gäbe in München (das war 1968!) 600 arbeitslose Psychologen.

Deshalb fuhr ich sofort Antennen in jene Gegend aus, die mich ohnehin mehr interessierte: eine Redaktion oder ein Verlag, wo ich mein Interesse an Büchern und am eigenen Schreiben beruflich umsetzen konnte.



Vier Nobelpreisträger und ein indischer Musiker


Die erste Stelle fand ich bei einem Zeitschriften-Verlag: in der Redaktion des gerade frisch gegründeten Magazins Jasmin - für das Leben zu zweit .

Ein Jahr darauf wechselte ich zur Nymphenburger Verlagshandlung (die inzwischen längst zum Imperium des Verlegers Fleissner gehört).

In diesem Zusammenhang bekam ich unter anderem den interessanten Auftrag, den Briefwechsel zwischen Albert Einstein und Max Born redaktionell zu betreuen. Der Verleger war mit Recht sehr stolz auf diese Publikation, "an der vier Nobelpreisträger mitgerarbeitet haben" (der dritte war Werner Heißenberg, der das Vorwort verfaßte und der vierte Bertrand Russell, der ein Geleitwort beisteuerte).

Mir noch wichtiger war jedoch ein anderes Buch, dessen Rechte ich damals für die Nymphenburger an Land zog und dessen Übersetzung (durch meine erste Frau Elke) ich redaktionell begleitete: Die Autobiographie des weltberühmten indischen Sitar-Virtuosen Ravi Shankar. Auf diese Weise lernte ich ihn 1970 auch persönlich kennen.

Ravi Shankar beeinflußte damals Ende der 60-er Jahre sehr den Beatles-Guitarristen George Harrison (der vor wenigen Tagen, da ich dies schreibe, gestorben ist) und hat viel zum unverwechselbaren Sound der Band beigetragen - man höre sich nur einmal wieder das wunderbare Stück Norwegian Wood an!

Auch als ich schon die eigene Praxis aufbaute (das dauert ja eine Weile), blieb ich dem Verlag treu und veröffentlichte dort meine ersten Bücher.

Das allererste war eine Anthologie mit SF-Erzählungen (Das Monster im Park Details s. BELLESTRISTIK (Bücher) JvS); das zweite das Handbuch der Rauschdrogen s. SACHBÜCHER JvS).



Bunte Welt der Rauschdrogen


1970/71 begründete ich mit einigen Kollegen die erste Drogenberatungsstelle in München (zugleich eine der ersten in Deutschland). Bald darauf begann ich mit der Arbeit in einer eigenen psychologischen Praxis, die sich speziell mit drogenabhängigen und drogengefährdeten Jugendlichen und jungen Erwachsenen befaßte.

Daraus entstand in den folgenden sechs Jahren die empirische Studie Der falsche Weg zum Selbst - Studien zur Drogenkarriere , mit der ich 1976 zum Dr. phil. promovierte.

Schon 1971 veröffentlichte ich zusammen mit meinem Studien- und Selecta-Kollegen Wolfgang Schmidbauer, heute Psychoanalytiker in München, das schon erwähnte "Handbuch der Rauschdrogen". Es wurde zu einem Longseller, der sich nach wie vor (inzwischen in der achten überarbeiteten Ausgabe) gut verkauft und zu einem Standardwerk geworden ist. Im Frühjahr 2003 wird die überarbeitete 9. Ausgabe erscheinen.

Das Thema Rauschdrogen ist gleichermaßen faszinierend und kontrovers. Es wird uns alle in den kommenden Jahren und Jahrzehnten mehr denn je beschäftigen.



Neu-Ausgaben


Inzwischen ist eine Neuausgabe meines Ratgebers Kreatives Schreiben als Fischer-Taschenbuch erschienen.

Es ist leider aus Umfanggründen nicht möglich, dort das verwandte und lange vergriffene Kurzgeschichten schreiben zu integrieren, wie ich es ursprünglich geplant hatte. Dieses Buch ist inzwischen separat im Juli 2002 (etwas überarbeitet) als BOOK ON DEMAND im Verlag Allitera neu heraus.

Die dort angesprochenen Themen werden zwar in meinem aktuellen Projekt (s.u.)wieder aufgenommen - dort aber auf ganz andere Art behandelt:



Das Drama der Hochbegabten


Dieses Sachbuch ist inzwischen im Februar 2004 im Kösel-Verlag erschienen: DAS DRAMA DER HOCHBEGABTEN



Zurück in die Zukunft


Doch inzwischen habe ich genug vom Sachbuch-Schreiben und will wieder zurück zu meinen Anfängen als Schriftsteller. Seit 1982 arbeite ich nebenbei an einem umfangreichen Roman, der eine Mischform von Fantasy und Science Fiction werden soll (was mich als literarische Form ungemein reizt).

Außerdem ist ein Band mit Kurzgeschichten in Arbeit, der - wenn alles klappt - im Mai 2005 erscheinen soll.


Literatur

Braghine, Alexander: Atlantis
Charters, Samuel B.: Die Story vom Blues. München 1963 (Nymphenburger)
Einstein, Albert und Max Born: Briefwechsel. München 1969 (Nymphenburger)
Franke, Herbert W.: Der manipulierte Mensch. Wiesbaden 1964 (Brockhaus)
ders.: Wunderwaffen der Medizin. Stuttgart 1968 (hobby-Verlag)
ders.: Das Gedankennetz. München 1961 (Goldmann)
ders.: Der Orchideenkäfig. München 1961 (Goldmann)
Kolnberger, Anton: Auf unbekanntem Stern. Nürnberg 1948 (Die Egge)
Müller, Alfred (alias Lok Myler alias Freder van Holk): Sun Koh - der Erbe von Atlantis. Leipzig 1933 (Bergmüller) plus spätere Ausgaben 1949 etc.
Scheidt, Jürgen vom: Männer gegen Raum und Zeit. Wuppertal 1958 (Wiesemann)
ders.: Sternvogel. Menden 1962 (Bewin)
ders. (Hrsg.): Das Monster im Park. München 1970 (Nymphenburger)
ders.: Der falsche Weg zum Selbst - Studien zur Drogenkarriere. München 1976 (Kindler)
ders.: Atlantis: Inseltraum - Trauminsel....
ders.: Das Drama der Hochbegabten (erscheint München 2004 im Kösel Verlag.)
Schmidbauer, Wolfgang und Jürgen vom Scheidt: Handbuch der Rauschdrogen München 1971 (Nymphenburger)
Shankar, Ravi: Meine Musik, mein Leben. München 1969 (Nymphenburger)



© 2007/2001 für diesen Text: Jürgen vom Scheidt/ Quelle: www.hyperwriting.de