ROWLING, JOANNE K. (Kurz-Bio)

Ein schwieriges Leben in Zitaten



In 14 Jahren vom Sozialfall zur reichsten Frau Englands - und seit 2008 angeblich zur zweitreichsten Medienfrau der Welt

 
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[2008-09-19 / ur -2004-04-18]


(Zusammenstellung: Jürgen vom Scheidt)


Eine Kurz-Biographie der Hauptfigur und meine Prognose für den Inhalt des abschließenden Bandes und den Ausgang des ganzen Abenteuers finden Sie, als BrainSpot hier: POTTER, HARRY (Kurz-Bio)






2008-09-19
Der abschließende Band der Septalogie Harry Potter and the Deathly Hallows ist inzwischen erschienen. Bereits die englischsprachige Ausgabe erklomm sogar in Deutschland viele Wochen Platz 1 der Bestseller-Listen und wurde mehr als 100.000 mal verkauft. Die deutsche Übersetzung brach, wie erwartet, erneut alle Rekorde.
Inzwischen gilt Joanne K. Rowling sogar als Milliardärin. Am 16. Sep 2008 stellte sie das ZDF in einer Sendung von ZDF History in einer Reihe mit solchen Industrie- und Medien-Tycoons wie Donald Trump, Silvio Berlusconi, Aristoteles Onassis, Beatle Paul McCartney, Tak-Masterin Oprah Gail Winfrey und dem SAP-Gründer Dietmar Hopp.vor
Die Autorin von Harry Potter ist allerdings die erste Frau und überhaupt der erste superreiche Mensch, der es in die Milliardärs-Liste des Magazins Forbes in so kurzer Zeit und nur mit ihrer Phantasie und ihrem Fleiß als Autorin geschafft hat. Und ganz sicher hat sie dabei die saubersten Methoden eingesetzt.

2007-01-24
Als zweitreichste Medienfrau der Welt hat das Wirtschafts-Magazin Forbes soeben J.K. Rowling bezeichnet (Südd. Zeitung von 2007-01-20). Mit 771 Millionen €uro Vermögen komme sie gleich nach der US-Moderatorin Oprah Winfrey (1,2 Milliarden €uro).
Allerdings sollte man berücksichtigen, daß die 40-jährige Rowling das in etwas mehr als zehn Jahren geschafft hat - während die (52-jährige) Winfrey gut doppelt so lange im Geschäft ist.

2006-12-04
Irgendwann im Sommer 2007 erscheint der abschließende siebente Band der HP-Reihe. Inzwischen steht gerade mal der Titel fest: Harry Potter and the Deathly Hallows (HP und die tödlichen Heiligen). Aber schon Ende 2006 stand die englische Fassung des Romans in den deutschen Bestseller-Listen ganz oben - so viele Vorbestellungen liegen bereits vor. (Beispiel: Platz 5 in "TV-Spielfilm", Ausgabe vom 6. Nov 2006.)

Das nenne ich einen wirklich gigantischen Erfolg!




1. Zeittafel
2. Eine hochbegabte Schriftstellerin
3. Lebenslauf anhand der Stationen der Heldenreise
4. Ein schwieriges Leben - montiert aus Zitaten
5. Harry Potter und seine Schöpferin im Lichte anderer Autoren
- Bibliographie



1. Zeittafel



1966: Joanne Kathleen Rowling wird am 31. Juli in Chipping Sodbury bei Bristol, England, geboren.
1972: Nicht lange nach ihrem sechsten Geburtstag schreibt sie eine Geschichte über einen Hasen auf: "Seit der Zeit von Rabbit und Miss Bee war mir klar, daß ich schreiben wollte (Shapiro, S. 46)
1976 ca.: Eine längere Geschichte entsteht (nie veröffentlicht): "The seven Cursed Diamonds". Hierzu sagt die Autorin später: "Damals hielt ich es für einen Roman. Aber heute glaube ich, daß es nur eine sehr lange Kurzgeschichte war." (Shapiro S. 47)
(Sieben Diamanten - sieben Bände Harry Potter - man könnte fast ins Grübeln kommen -)
1983-86: Studium von Französisch und Altphilologie.
1987-1990: Assistentin bei amnesty international.
1990: Erste Entwürfe zu Harry Potter.
1992: Heirat mit dem dem portugisieschen Fernsehjournalisten Jorge Arantes.
1993: Die gemeinsame Tochter Jessica kommt am 27. Juli zur Welt. Bald danach Trennung von Arantes und Rückkehr mit der Tochter nach England.
1994 Beendigung der Lehrerausbildung in Edinburgh; gleichzeitig Arbeit am Manuskript zu Harry Potter and the Philosopher´s Stone
1995: Arbeit als Französischlehrerin. Das fertige Manuskript wird von mehreren Verlagen abgelehnt ("... mit 200 Seiten zu lang für Kinder").
1996 Bloomsbury kauft das Manuskript an.
1997: Das Buch erscheint in England (angeblich dachte man zunächst nur an eine Erstauflage von 500 Exemplaren). Aber schon vor Erscheinen spricht sich in Verlagskreisen herum, was für ein vielversprechendes Buch da "auf der Rampe ist" und bald darauf erwirbt der amerikanische Verlag Scholastic im Verlauf einer Auktion die US-Rechte für über 100.000 US-Dollar - soviel wurde zuvor noch nie für ein Kinderbuch geboten.
1998: Harry Potter and the Chamber of Secrets erscheint.
1999: Harry Potter and the Prisoner of Azkabane erscheint.
2000: Harry Potter and the Goblet of Fire erscheint. Die Universität von Edinburgh verleiht ihr den Titel eines Ehrendoktors.
2001: Heirat mit dem Arzt Neil Murray. Band Eins kommt als Film in die Kinos.
2003: Geburt von Sohn David am 24. März. Band Fünf der Reihe kommt mit dem Titel Harry Potter and the Order of the Phoenix erscheint in USA und Großbritannien in einer noch nie dagewesenen Startauflage von 13 Millionen Exemplaren. Die englische Ausgabe gibt es mit zwei verschiedenen Umschlägen für Kinder und Erwachsene. In Deutschland beträgt die Erstauflage sensationell zwei Millionen Exemplaren - aber davor hatte schon die englischsprachige Ausgabe mit mehr als 100.000 Exemplaren wochenlang die deutschen Bestseller-Listen angeführt (auch dies ein Unikum und noch nie dagewesen).
2004:
Mit einem geschätzten Vermögen von 600 Millionen €uro ist J.K.R. die reichste Frau Englands (hinter einigen noch weit reicheren Männern - nur hat sie ihr Vermögen binnen sieben Jahren und vor allem selbst verdient).
2006-11: Schon im November taucht der abschließende siebente Band der HP-Reihe in der englischen Fassung des Romans in deutschen Bestseller-Listen ganz oben auf - so viele Vorbestellungen liegen bereits vor. Dabei steht noch nicht einmal der Titel fest.
(Beispiel: Platz 5 in "TV-Spielfilm", Ausgabe vom 6. Nov 2006 / Platz 1 beim Internet-Buchhändler amazon.)
2006-12:
Inzwischen steht der Titel fest: Harry Potter and the Deathly Hallows (HP und die tödlichen Heiligen).
2007-01-24
Als "zweitreichste Medienfrau der Welt" bezeichnet das Wirtschafts-Magazin Forbes J.K. Rowling bezeichnet (Südd. Zeitung von 2007-01-20). Mit 771 Millionen €uro Vermögen komme sie gleich nach der US-Moderatorin Oprah Winfrey (1,2 Milliarden €uro).
2007-07 ?
Irgendwann im Sommer 2007 erscheint der abschließende siebente Band der HP-Reihet: Harry Potter and the Deathly Hallows.



2. Eine hochbegabte Schriftstellerin


Folgendes spricht, unabhängig von ihrem gigantischen literarischen und finanziellen Erfolg, meines Erachtens in hohem Maße für Joanne K. Rowlings Hochbegabung:

° Ihre große Sensibilität,
° die überbordende, aber stets durch hervorragende Gestaltung gebändigte Phantasie,
° starke Fähigkeit, unvergeßliche Gestalten zu schaffen, mit denen man sich als Leser identifizieren kann,
° eindrucksvolle Schauplätze,
° und insbesondere ihre intellektuelle Fähigkeit, eine unglaubliche Fülle von Informationen logisch und erzählerisch überzeugend zu verknüpfen,
° atemberaubende Spannung von der ersten bis zur letzten Seite, die sich von Band zu Band der Serie noch steigert.



3. Lebenslauf anhand der Stationen der Heldenreise


Die folgende komprimierte Biographie ist angeordnet nach den einzelnen Stationen der HELDENREISE, wie sie Joseph Campbell erarbeitet hat.


Gewohnte Welt/Kindheit
Joanne wächst mit ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester in einem die Kinder fördernden, liebevollen Elternhaus auf. Beide Elternteile lieben Bücher und lesen ihren Töchtern viel aus diesen vor. Mehrmals zieht die Familie um - die Mädchen finden immer rasch Anschluss und neue Freunde. Joanne träumt schon sehr früh davon, Schriftstellerin zu werden, ohne dies jemandem zu erzählen. Sie schreibt für sich selbst und liest ihrer Schwester oder Freundinnen einige der Geschichten vor. Nach der Schule studiert sie in Exter Literatur und Französisch und verbringt während des Studiums ein Jahr in Paris. Nach dem Studium arbeitet sie an mehreren Stellen als Sekretärin, was sie furchtbar langweilt.

Ruf des Abenteuers
Schon mit sechs Jahren schreibt Joanne ihre erste Geschichte auf und möchte Schriftstellerin werden. Nach dem Abschluss der Gesamtschule möchte sie insgeheim immer noch Schriftstellerin werden, entscheidet sich dann aber doch anders. Immer wieder raten ihr Freunde, ihre Geschichten einem Verlag anzubieten. Während einer Zugfahrt entsteht in ihrem Kopf ganz plötzlich die genaue Vision von ihrer Roman-Figur Harry und dem Rahmen der Geschichte.

Weigerung
Lange Zeit hat sie nicht den Mut, das Schreiben zum Beruf zu machen, bzw. ihre Geschichten einem Verlag zur Veröffentlichung anzubieten, obwohl es ihr wichtigster Lebensinhalt ist und ihre Geschichten rundum von Freunden, Eltern und Lehrern Zuspruch finden.

Begegnung mit dem Mentor
Die Eltern fördern die ausgeprägte Phantasie der Tochter durch entsprechende Literatur, die sie ihr vorlesen.Ihre Schwester Di hält zu allen Zeiten in ihrem Glauben an Joannes Talent fest und macht ihr in entscheidenden Momenten immer wieder Mut. Der Literaturagent Christopher Little ist begeistert von Joannes Manuskript und setzt sich dafür ein, dass es von einem Verlag gekauft wird. Er bereitet Joanne auf schwierige Verhandlungssituationen vor, als es darum geht, dass ihr Buch Höchstkurse auf einer Auktion erreicht.

Überschreiten der 1. Schwelle
Nach dem Tod ihrer Mutter und dem Verlust eines weiteren Arbeitsplatzes gibt sie sich einen Ruck und arbeitet als Lehrerin in einem fremden Land, um ihrem Leben Inhalt und Erfüllung zu geben. Nach einer kurzen Phase der Trauer wegen des Todes der Mutter, nimmt Joanne das Schreiben an Harry Potter diszipliniert wieder auf.

Bewährungsproben, Verbündete, Feinde
Ihre Lehrerin aus der Gesamtschule setzt Joanne am ersten Schultag in die Idiotenreihe. Die gekränkte Joanne schafft es mit viel Fleiß und Ehrgeiz, die Lehrerin vom Gegenteil zu überzeugen und in die Reihe der Klugen gesetzt zu werden.Im Teenageralter muss sie sich mit Brille und Sommersprossen schwer gegen andere Kinder behaupten, die sie angreifen. Gleichzeitig hat sie immer ihre Schwester und Freundinnen um sich, denen sie ihre Geschichten vorlesen kann und die diese toll finden.Nach ihrer späteren Scheidung und schweren Depressionen fällt Joanne in ein innerliches und äußerliches finanzielles Loch. Sie lebt ärmlich und ist auf die Hilfe anderer angewiesen - und wird von einigen Leuten wegen ihres so betrachteten, gescheiterten Lebens verachtet. Ihre Schwester und ein paar wenige verbleibende Freunde stärken ihr auch in schlimmsten Zeiten den Rücken und ermöglichen, dass sie ein Dach über dem Kopf hat.Nach der Veröffentlichung ihrer Bücher gibt es unter den vielen Fans ihrer Geschichten auch Leute, die ihre Bücher verbieten wollen, da sie in ihnen das Böse verkörpert sehen.

Vordringen zur tiefsten Höhle/zum empfindlichsten Kern
Als Sozialhilfeempfängerin und allein erziehende Mutter steht Joanne innerlich und äußerlich am Punkt Null und muss eine Lösung für sich und ihr Kind finden.
Entscheidende Prüfungen Sie vertraut ihrer Schwester Di die Harry-Geschichten an und liest sie ihr vor. Diese ist so begeistert, dass Joanne es wagt, sich ihr Leben so zu organisieren, dass sie trotz Kind wieder arbeiten und das Buch fertig schreiben kann. Sie schickt zwei schreibmaschinengetippte Manuskripte an Agenten, die sie selbst eruiert hat. Joanne stimmt erst einem relativ bescheidenen Honorar zu und verpflichtet sich nur kurze Zeit später dem Verlag gegenüber sieben Bände zu Harry Potter zu schreiben, d.h., sie steht unter dem Druck weiter zu schreiben, egal, wie die Gegebenheiten sind.

Belohnung
Der Agent Christopher Little ist begeistert von Joannes Geschichten und ihrer starken Persönlichkeit. Joannes Bücher erzielen auf einer Auktion um die weltweiten Rechte der Geschichten Höchstpreise. Sie selbst hält rund um den Globus Lesungen und korrespondiert mit ihren Lesern via Internet und nimmt die vielen Begeisterungsbekundungen persönlich entgegen. Sie wird mit diversen Preisen ausgezeichnet. Ihre Harry Potter-Geschichten werden unter ihrem Mitspracherecht verfilmt. Joanne lebt heute in einem hübschen Häuschen und muss sich keine Gedanken mehr darum machen, woher das Essen für ihre Tochter kommt.
Rückweg Joanne hat sich von dem Rummel um ihre Bücher und ihre Person etwas zurückgezogen, um an weiteren (vertraglich festgelegten) Folgen des Buches weiterzuschreiben und sich um ihre Tochter zu kümmern. Vor Veröffentlichung des fünften Harry Potter-Bandes bringt J.K. Rowling zwei Extra-Bücher zu Gunsten der britischen Wohltätigkeitsorganisation "Comic Relief" heraus, um damit Kinder in den ärmsten Ländern der Welt zu unterstützen.

Auferstehung/Umkehr
Nachdem ihre soziale und persönliche Situation als allein erziehende Mutter nicht mehr schlechter werden kann, beschließt J.K. Rowling, Initiative zu ergreifen, das Manuskript fertig zu schreiben und es zwei Verlagsagenten zu präsentieren.

Rückkehr mit dem Elixier
Joanne hat ihre persönlichen Schwierigkeiten und Erlebnisse in Form von Geschichten des Zauberlehrlings Harry Potter zu einem positiven Elixier für sich und unzählige Leser auf der ganzen Welt umgewandelt.



4. Ein schwieriges Leben - montiert aus Zitaten


Die Zitate stammen, soweit nicht anders angegeben, alle aus der - nichtautorisierten - Biographie J. K. Rowling - die Zauberin hinter Harry Potter von Marc Shapiro (s. Bibliographie am Schluß des Beitrags).
Anschließend einige Zitate aus anderer Sekundärliteratur.


J.K.R. über H.P.
„Harry ist gescheit und ziemlich gut im Sport, und er kann eine ganze Reihe von Dingen, die andere Kinder gerne beherrschen würden,“ (Joanne Rowling in einem Interview [S.29]

Woher die Anziehungskraft für die Leser?
"Warum reagieren Menschen aller Altersklassen so begeistert auf Harry?".
„Ich glaube, zum Teil liegt es daran, dass Harry schon als Kind die Last eines Erwachsenen auf seine Schultern nehmen muss“,
Arthur Levine, der amerikanische Herausgeber der Harry-Potter-Bücher, glaubt, dass die große Anziehungskraft für die Leser darin besteht, dass man sich gerne vorstellt, wie jemand aufwächst und völlig unterschätzt wird, sich wie ein Ausgestoßener vorkommt und dann plötzlich ins helle Licht tritt und entdeckt wird. „Davon träumen alle, die gescheit, aber nicht gerade supersportlich sind...“[S. 31]

Auf einer Internet-Seite bekannte die Autorin,
dass sie eigentlich gar keine Hobbys hat, „außer mit meinen Freunden rumzuhängen und zu schreiben“. [S. 33]

Für JKR war der Riesenerfolg von Harry Potter selbst eine fantastische Geschichte.
Nach harten Jahren in langweiligen Jobs lebte sie ziemlich verarmt und versuchte, ihrer Tochter eine gute Mutter zu sein. [S. 36]

Joanne Rowlings Erfolg ist ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist.
„Die bloße Tatsache, dass ich sagen konnte, ich bin eine Schriftstellerin und habe ein Buch veröffentlicht, das war schon die Erfüllung eines Traumes, den ich bereits als ganz kleines Mädchen geträumt habe.“ [S. 37]

JKR erblickte ... am 31. Juli 1966 das Licht der Welt....
Beinahe von Geburt an spürten Peter und Ann, wie hellwach, aufmerksam und neugierig ihr kleines Mädchen Joanne war: ... [S. 41]

Erinnerung an den Vater
„Meine lebhafteste Erinnerung an die Kinderzeit ist, dass mein Vater da sitzt und mir „Der Wind in den Weiden“ vorliest“ ...

Kontakt mit Literatur von kleinauf
Was ihren Eltern damals nicht klar war: Dieser ständige Kontakt mit der Literatur – insbesondere mit Märchen und fantastischen Geschichten – machte einen ungeheuren Eindruck auf das kleine Mädchen. Sie begann sich selbst fantastische und bereits sehr gut aufgebaute Erzählungen auszudenken, in denen überlebensgroße Helden und Bösewichte vorkamen. Wenn sie spielte, dann hatten ihre Geschichten so viel Persönlichkeit und waren so sorgfältig bis ins Detail ausgearbeitet, wie man es sonst allgemein bei einem Kind ihres Alters kaum findet. [S.43]

Schreiben als Traumberuf
Obwohl sie noch viel zu jung war, um darüber nachzudenken, was sie einmal werden wollte, wenn sie erwachsen sein wird, hatte Joanne Kathleen Rowling doch schon sehr früh eine Vorstellung von sich als einer Person, die sich später einmal mit Papier und Bleistift hinsetzen und Fabelwelten erschaffen würde. „Schreiben war für mich immer eine Art herrliche Zwangshandlung“,
(1997 in einem Interview, als sie von ihren frühen schriftstellerischen Versuchen berichtet.)

Schreiben als Berufung
„Ich glaube nicht, dass man mich dazu hätte zwingen oder davon abhalten können. Es ist wirklich komisch, aber ich wollte nie etwas anderes machen als schreiben.“ [S. 44]

So fing es an
Eines Tages, nicht lange nach ihrem sechsten Geburtstag, setzte sich also Joanne mit Papier und Bleistift hin und schrieb ihre erste Geschichte auf. [S. 45]

Lebhafte Phantasie von kleinauf
Joanne wuchs zu einem gescheiten Mädchen heran, dessen lebhafte Fantasie in der Nachbarschaft oft in aller Munde war. Um ihr Talent zum Geschichtenerfinden ging es auch während ihrer ersten Schuljahre häufig, wenn Lehrerinnen und Lehrer sich darüber wunderten, wie reif und fantasievoll ihre ersten Aufsätze und Geschichten waren.
Joanne betrachtete diese ersten Komplimente als ein Zeichen dafür, dass sie etwas gefunden hatte, was sie wirklich gut konnte. [S. 47]

Anderen Kindern vorlesen
... las sie den Kindern aus der Gegend vor....sie waren doch beeindruckt und planten schon bald eine regelmäßige Geschichtenstunde mit Joanne in ihren Tagesablauf ein. Joanne spielte auch weiter gern auf dem Spielplatz mit, aber Lesen und Schreiben, einsame Beschäftigungen, standen doch ganz oben auf der Liste ihrer Lieblingsbeschäftigungen.
Sie las inzwischen schon Bücher, die weit über ihre Altersklasse hinaus gingen. Mit neuen Jahren hatte die kleine Joanne die James-Bond-Romane von Ian Fleming entdeckt und las sie mit großem Vergnügen regelmäßig in ihrer Freizeit.
Kurz danach entdeckte sie die Romane von Jane Austen, und das veränderte sie für immer. Austen wurde mit ihrer zarten Prosa und ihren detaillierten Schilderungen von Situationen ein Vorbild für Joanne Rowling. „Jane Austen ist meine allerliebste Lieblingsautorin aller Zeiten.“ [S. 53]

Fehleinschätzung durch Lehrerin und Haß auf die Schule
Das Leben in der Stadt Tutshill hatte nur einen einzigen Nachteil. Joanne musste in die Tutshill Primary School zur Grundschule gehen. Und Joanne hasste ihre neue Schule.
„Sie war klein und eng und altmodisch ...Aber das war nicht das einzige Problem...Sie bekam es auch mit der neuen Lehrerin Mrs. Morgan zu tun... Am ersten Schultag setzte also Mrs. Morgan Joanne .... in die Idiotenreihe. [S. 55]
Insgesamt hatte sie einen schweren Anfang an der neuen Schule.
„ich war nicht so intelligent, wie ich meinte“, bekannte sie, als sie sich ... an diese Zeiten zurück erinnerte.

Fehleinschäftzung der eigenen (Hoch-)Begabung
„Ich denke nicht, dass ich eine vorwitzige Alleswisserin war. Ich hatte einen krankhaften Ehrgeiz, gute Schulnoten zu bekommen, doch das war nur die Maske vor meiner riesengroßen Unsicherheit.
Ich glaube, das gibt es ganz oft bei ziemlich unscheinbaren jungen Mädchen. Ich möchte auf keinen Fall zurück und die Kindheit noch einmal erleben. In meiner Erinnerung ist das alles andere als eine zeit ungetrübten Glücks gewesen.“[S. 55]

Denen zeig ich´s...
Joanne war wild entschlossen, ihrer Lehrerin zu beweisen, dass sie sich geirrt hatte. ... Eines Tages wurde sie für ihre Mühen belohnt: Die Lehrerin erlaubte ihr, zur linken Seite des Klassenzimmers umzuziehen ... und sie legte ihre Grundschulzeit ohne weitere Zwischenfälle zurück. Ihre Schulnoten blieben ziemlich gut. [S. 56-57]

Genug Selbstvertrauen und ein Spitzen-Abitur
Joanne schrieb immer noch und hatte endlich genug Selbstvertrauen, um wieder alles zu riskieren und ihren neuen Freundinnen ein paar von ihren Geschichten vorzulesen. Denen gefielen die Erzählungen, und so wurde daraus eine regelmäßige Lesestunde, in der Joanne ihre neuesten Werke vortrug. [S. 58-59]
Joanne schloss die Gesamtschule Wyedean mit höchsten Ehren ab. Ihre Lehrer sagten ihr nach dem Abitur eine glänzende Zukunft voraus. Die Eltern waren sehr stolz auf sie. [S.63]

Eine chaotische Person
Joanne wollte schreiben. Aber da sie, wie sie selbst zugibt, „die chaotischste Person der ganzen weiten Welt“ ist, wusste sie nicht recht, wie sie das anstellen sollte. [S. 65]

Sprachbegbaung
Joannes Jahre in Exeter waren sehr produktiv. Sie merkte bald, dass sie
mit Französisch kaum Schwierigkeiten hatte und die Sprache leicht meisterte. [S. 68]

Mangelndes Selbstbewußtsein bez. Der eigenen Manuskripte
Aber während sie in anderen Gebieten durchaus ein gesundes Selbstbewusstsein hatte, weigerte sich Joanne immer noch hartnäckig, ihre Geschichten an einen Verlag einzuschicken, winkte jedes Mal ab, wenn irgendjemand meinte, ihre Geschichten seien gut genug und sie solle endlich einmal eine einschicken.
Dieser Mangel an Selbstbewusstsein auf dem Gebiet, das ihr am allermeisten am Herzen lag, verfolgte sie Tag und Nacht. [S. 69]

Sehr gutes Examen an der Uni
Joanne legte an der Universität Exeter ein sehr gutes Examen ab. [S. 69]

Schreiben als Trost
...Inzwischen war sie schon Mitte zwanzig und trieb auf den Wellen wie ein Boot ohne Steuerruder...
Joannes Eltern unterstützten sie, sorgten sich aber sehr, weil ihre ältere Tochter ihren Platz im Leben nicht so recht zu finden schien. Der einzige Trost in dieser ansonsten tristen grauen Welt waren für Joanne ihre Geschichten.
„Ich habe viele Kurzgeschichten geschrieben und einen ganzen Haufen Romane angefangen und wieder verworfen“, erzählte sie ... über diese Zeit in ihrem Leben. [S. 72]

Schlüsselerlebnis im Zug als "Call to Adventure"
Eines Tages fuhr sie ... nach London zurück, als der Zug plötzlich stehen blieb. ....
Sie ahnte nicht, dass sich in den nächsten Minuten ihr Leben radikal verändern würde.
„Ich saß im Zug, starrte einfach nur aus dem Fenster und schaute auf diese Kühe. Es war als Situation nicht gerade inspirierend. Doch plötzlich tauchte die Idee für Harry aus dem Nichts in meinem Kopf auf. ... Ich kann nicht sagen, warum, weiß auch nicht, was der Auslöser war. ..
.... Als der Zug im Londoner Bahnhof King´s Cross einlief, stand das Grundgerüst der ersten Harry-Potter-Geschichte. [S. 74-75]

Tod der Mutter als Trauma
Ihre Mutter ... starb plötzlich im Alter von nur fünfundvierzig Jahren ... Traurig und verstört wie sie war, konnte sich die junge Frau nur schwer auf die Arbeit konzentrieren und schon kurz darauf verlor sie auch ihren Job ...
„Es war ein Alptraum“, seufzte Joanne. Wie sie der Zeitschrift People erzählte, konnte sie diese Zeit nur mit Harrys Hilfe durchstehen. [S. 77]

Arbeit als Lehrerin
Sie war gerade sechsundzwanzig Jahre alt ...
Sie hatte begonnen, eifrig und konzentriert an dem Buch zu arbeiten. [S. 79]
Jedenfalls überlegte sie, sie müsse unbedingt etwas Konstruktives mit ihrem Leben anfangen ... und schon bald akzeptierte sie das Angebot, in einer Schule in der Stadt Porto im Norden Portugals Englisch als Fremdsprache zu unterrichten. [S. 81]

Harry wird entdeckt
„Ich habe nachmittags und abends unterrichtet ... und so hatte ich morgens immer Zeit zum Schreiben.“ ...
Sie entdeckte Harry beinahe so, wie Harry seinerseits seine Zauberkräfte entdeckte – in kurzen begeisterten Ausbrüchen, ... [S. 82]

Schwangerschaft als deprimierende Bürde
1992 merkte Joanne, dass sie schwanger war... und insgeheim hoffte Joanne, dass die Aussicht auf ein Baby sich auch positiv auf ihre Beziehung auswirken würde ...
Leider lastete der Druck dieser Ehekrise in Verbindung mit den hormonellen Umstellungen der Schwangerschaft schon bald schwer auf Joanne. ...
Oft verfiel sie in tiefe Depressionen. [S. 87]

Scheidung und Neubeginn
Innerhalb weniger Wochen waren Joanne und ihr Ehemann geschieden. ... So weigert sie sich, den Namen ihres Mannes oder den eigentlichen Scheidungsgrund preiszugeben. Sie hat nur angedeutet, dass „ich in diesem Bereich auch meine Fehler gemacht habe. Nur weil man ein gut funktionierendes Gehirn hat, heißt das nicht, dass man seine Hormone besser unter Kontrolle hat als andere.“ [S. 88]

Tiefe Verzweiflung
Obwohl sie glücklich war, wieder in der Nähe ihrer Schwester zu leben, verfiel Joanne ... in nur noch tiefere Verzweiflung: „Ich hatte ein kleines Kind, keinen Job, und ich lebte in einer fremden Stadt“, .... [S. 89]

Schluß mit dem Zaudern
...sie hatte begriffen, dass sie jahrelang immer viel zu zögerlich gewesen war, wenn es um ihr Schreiben gegangen war, und dass ihr das überhaupt nichts gebracht hatte. [S. 94]
„Ich überlegte mir: Was ist das Schlimmste, das dir passieren könnte?“ Alle britischen Verlagen könnten das Buch ablehnen.“ ....
Nachdem sie sich entschieden hatte, „stand ich mit dem Rücken zur Wand.
Ich konnte mir jetzt den Luxus einer Schreibhemmung einfach nicht mehr leisten.“ [S. 94]

Anfang in materieller Not
Ihr Wohngeld reichte nur für die Miete einer kalten und sehr deprimierenden Einzimmerwohnung. Kaum ein Ort, der einen zu Höhenflügen der Fantasie inspirieren konnte. [S. 97]
Für wen schreibt man?
„Ich habe das Buch für mich geschrieben.
Ich habe aufgeschrieben, was ich lustig fand und was mir gefiel.“ [S. 99]

Einen Agenten finden
...Jetzt musste sie sich also auf die Suche nach einem Agenten machen. Ihr erster Weg führte sie in die Stadtbibliothek, wo sie in einem Handbuch für Autoren Namen und Adressen von Literaturagenten fand. [S. 99-100]
Harry Potter und der Stein der Weisen wurde Anfang 1994 fertig ...
Weil die Kosten für eine Fotokopie des Buches, das inzwischen 80 000 Wörter umfasste, astronomisch hoch waren, tippte Joanne mit der billigen Schreibmaschine, die sie inzwischen aufgetrieben hat, zwei Exemplare ihres Romans. [S. 100]
Christopher Little war ein sehr geschäftsmäßiger, bodenständiger und nüchterner Mensch.
Aber dieses unaufgefordert eingesandte Manuskript einer völlig unbekannten Autorin hatte ihn sofort angesprochen. Es war hervorragend geschrieben, die Geschichte war unterhaltsam, ...[S. 102]

Lauter Ablehnungen...
Es dauerte nicht lang, bis eine scheinbar endlose Reihe von Ablehnungen auf dem Schreibtisch des Agenten landete. Manche begründeten ihre Ablehnung damit, das Buch sei zu lang, zu langsam oder zu literarisch.

... aber nun geht´s los!
1997 hatte das überwältigende Interesse der ganzen Welt an diesem noch nicht veröffentlichten Kinderbuch einer völlig unbekannten Autorin bereits ein solches Ausmaß erreicht, dass während der Buchmesse von Bologna in Italien ... eine Auktion abgehalten wurde. [S. 105]

Eine unerhörte Summe und ein Wahnsinnsrisiko
... der Herausgeber Arthur A. Levine .. machte sich Sorgen, weil er ... vor der Entscheidung stand, ob er die unerhörte Summe von 100 000 Dollar nennen sollte.
„Ich hatte noch nie zuvor so viel für Rechte bezahlt. Es war ein Wahnsinnsrisiko.“ (S. 107)



5. Harry Potter und seine Schöpferin im Lichte anderer Autoren


Thomas Steinfeld bezeichnet Harry Potter als den "genialen Repräsentanten einer neuen, gemischten Rasse"...
"Lassie darf nicht sterben, heißt die bekannte Regel aus einer vergangenen Kindheit. Joanne K. Rowling hat gegen dieses Gesetz zum Schutz der Jugend in der Kunst verstoßen. Im fünften Buch der Serie hat sie Mauern der Zauberburg geöffnet, sie hat den Bann um Hogwarts gebrochen und die Evolution eintreten lassen. Am Ende steht eine Prophezeiung: „and either must die at the hand of the other for neither can live while the other survives“ – „und einer muss sterben von der Hand des anderen, denn keiner von beiden kann leben, während der andere bleibt“. Und das heißt: Es kann nur einen geben, den pater absconditus, den in die totale Verderbtheit gesunkenen Vertreter einer verlorenen Aristokratie oder den wenn auch genialen Repräsentanten einer neuen, gemischten Rasse. Man ahnt nun, wie die Geschichte enden wird: als Allegorie auf das zwanzigste Jahrhundert. Harry Potter wird leben, aber die Welt der Zauberer kann es nicht mehr geben." (Steinfeld 2003)

Traumatisierung bei Joanne Rowling: das lange und frühe Sterben ihrer Mutter
Michael Maar (2003) stellt einen interessanten Vergleich mit Tolkien an, der seine Mutter mit 13 verlor und dessen Welt viel finsterer ist als die von J.K. Rowling, die ja mit viel Witz und Charm schreibt, während Tolkien schwerfällig und düster dahertrampelt.
Joanne K. Rowlings Traumatisierung hat ebenfalls mit dem Sterben ihrer Mutter an Multipler Sklerose zu tun, das schon begann, als sie 15 war, und sich zehn qualvolle Jahre hinzog. Deshalb dürfte der Tod von Harry Potters Eltern so brutal ausgefallen sein: Sie werden vom bösen Zauberer Voldemort ermordet und er selbst entkommt nur wie durch ein Wunder dem selben Schicksal.
Die Autorin identifiziert sich zwar selbst einmal mit der weiblichen Figur der bebrillten und supergescheiten Hermi[o]ne - aber die Traumatisierung legt eine andere Geschichte nahe.



Bibliographie

Blank, Jana de und Wulf Walther: Interpretation zu Band 5 der "Harry Potter"-Reihe. München 2004 (Oldenbourg)
Campbell, Joseph: Der Heros in tausend Gestalten. (New York 1949) Frankfurt a.M. 1978 (Suhrkamp)
Fraser, Lindsey: Viel Zauber um Harry. Die Welt der Joanne K. Rowling. Hamburg 2001 (Carlsen) - eine "autorisierte" Biographie
Hein, Rudolf: Kennen Sie Severus Snape? Bamberg 2001 (Collibri)
Kutzmutz, Olaf (Hrsg.) Harry Potter - oder warum wir Zauberer brauchen. Wolfenbüttel 2001 (Bundesakademie)
Maar, Michael: Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte. Berlin 2003 (Berlin Verlag)
Rowling, Joanne K.: Harry Potter... [and the Order of the Phoenix]. London 2003 (Bloomsbury)
Shapiro, Marc: J. K. Rowling - die Zauberin hinter Harry Potter (eine unautorisierte Biografie)
Spinner, Kaspar: Im Banne des Zauberlehrlings. Regensburg 2001 (Pustet)
Steinfeld, Thomas: "Es kann nur einen geben: Harry Potter wird leben, aber die Rasse der Zauberer muss untergehen". In: Süddeutsche Zeitung vom 23. Juni 2003, S. 11.
Zwettler-Otte, Sylvia: "Harry Potter und die Bausteine eines Welterfolgs". In: diess. (Hrsg.): Von Robinson bis Harry Potter - Kinderbuch-Klassiker psychoanalytisch. (1994). München Juli 2002 (dtv)


© 2008 / 2004 für diesen Text: Jürgen vom Scheidt / Quelle: www.hyperwriting.de