MAKING OF "Das DRAMA..."*

Was lange währt, ist - hoffentlich - gut geworden



Beinahe wäre die Arbeit am Buch selbst zu einem Drama geworden - einem "Drama des Autors". Der Kreative Prozeß des Schreibens war weit schwieriger als bei jedem anderen meiner Bücher. Er dauerte

° in der Endphase der Manuskripterstellung zwei Jahre,

° bei Berücksichtígung der Recherchen samt Einrichtung des Archivs und der Datenbank (mit über 4000) Einträgen rund acht Jahre

° wenn man alle Vorarbeiten zusammenrechnet, begannen diese 1971 - also dauerten sie mehr als 30 Jahre

° und die ersten Impulse liegen über 50 Jahre zurück.

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*in Bearbeitung

[2007-08-16 wip / ur 2003-12-24]


(Autor: Jürgen vom Scheidt)


24. Juli 2007
Es ist eine Menge Zeit vergangen, in der anderes weit wichtiger war, als aus meinen Notizen die Eintragungen über die Entstehungsgeschichte von "Das Drama der Hochbegabten" herauszudestillieren und hier einzufügen. Im Sommer 2005, wenig mehr als ein Jahre nach Erscheinen der gebundenen Ausgabe bei Kösel, saß ich schon über den Korrekturen und Ergänzungen für die Taschenbuch-Ausgabe bei Piper:


Das Titelbild der neuen TB-Ausgabe bei Piper (ab Okt 2005)


Und jetzt, am 24. Juli 2007, sitze ich mitten in einem völlig neuen Projekt, das alle Zeit absorbiert und an anderer Stelle dokumentiert wird: MAKING OF "MyBook".
Es ist dies ein Roman, an dem ich seit 1982 immer wieder gearbeitet habe und der nun endlich abgeschlossen werden muß.



Die Entstehung von "Das Drama der Hochbegabten"


9. Mai 2004
Die Arbeit an diesem Buch-Projekt war ein intensiver Prozeß - nicht nur, was das Schreiben (und das zeitweise Nicht-schreiben-können) angeht.


Wenn ich es richtig erinnere, begann es mit einem Artikel der Münchner Psychologin Hanna Rheinz in der Süddeutschen Zeitung vom 16. April 1994 mit dem Titel "Der unaufhaltsame Aufstieg der Top Ten". Darin wurde sehr differenziert und anregend beschrieben, welche Erfolge (und Mißerfolge) Hochbegabte haben können. Danach registrierte ich Artikel in meiner Archiv-Datenbank und verstaute ihn in der Hängemappe mit dem Stichwort "INTELLIGENZ".

Etwa zwei Jahre später bekam ein damals etwa 15 Jahre alter Jugendlicher in der Verwandtschaft zunehmend Probleme in der Schule. Als sich die Eltern ratsuchend an mich wandten, fiel mir Hanna Rheinz´ Artikel wieder ein, und ich begann weitere Literatur zum Thema zu lesen. Es begann mich zu faszinieren, wie man so sagt.

Die Geschichte dieses Jugendlichen (ich habe ihn Tobias genant) wurde zu einer Art Leitmotiv, der dann auch das ganze Buch begleitet hat, das so allmählich entstand.

Aber bevor ich weiter den Entstehungsprozeß des "Drama der Hochbegabten" skizziere (neudeutsch MAKING OF genannt) ein paar Vorbemerkungen.



Wen ich mir als Leser dieser Zeilen vorstelle?


° Leute, die - wie ich - selbst gerne schreibe und sich von einem Blick über die Schulter eines Kollegen Anregungen für den eigenen Schreib-Prozeß erhoffen.

° Leute, die - wie ich selbst - interessiert daran sind, wie so etwas überhaupt entsteht: ein Buch. Die neugierig sind, wie der kreative Prozeß abläuft, wie er angeregt wurde, was ihn störte, wie solche Blockaden wieder abgebaut wurden.

Ich habe gerade den spannenden Roman (Exponentialdrift von Andreas Eschbach gelesen. Sein MAKING OF fand ich mindestens so spannend und aufschlußreich wie den Roman selbst (den Sie unbedingt lesen sollten!)

Ein Buch von 420 Druckseiten wie mein "Drama..." hat naturgemäß eine komplexe Entstehungsgeschichte. In diesem Fall reicht sie buchstäblich bis weit in meine frühe Kindheit zurück. Darf ich Sie zu einer kleinen Zeitreise einladen?



Vorgeschichte: Es beginnt 1948


1948 hatte ich die Bücher in der Jugendbibliothek der amerikanischen Besatzungsmacht, die mich interessierten (Tecumseh etc.) schon alle gelesen. Ich war noch keine neun Jahre alt - aber mein Lesehunger war gigantisch. Da entdeckte ich in der Leihbibliothek schräg gegenüber dem Elternhaus die utopische Abenteuerserie (Sun Koh - der Erbe von Atlantis von Lok Myler alias Freder van Holk (oder Alfred Müller-Murnau, wie er richtig hieß). Die ursprüngliche Heftreihe im Kleinaktiavformat (1933 - 1936 in wöchentlichen Lieferungen erschienen im Bergmann-Verlag, Leipzig) waren, immer fünf Hefte zusammen, in handliche Bücher gebunden. 150 Folgen hatte die Serie - das waren 30 dieser Bücher, die man - einzeln entliehen,. natürlich - gut überall mit hinnehmen konnte, wo ein Platz zum ungestörten Lesen einlud. Zum Beispiel das Flachdach des Baumaterial-Lagers im Baugeschäft meines Großvaters.

Ich las den ersten Band. Las sie alle 30. Dann das Ganze von vorne. Dann die ähnlich aufgebaute Serie (Jan Mayen - der Herr der Atomkraft. Und war nun Fan. Erst von (Sun Koh; dann von utopischen Erzählungen oder Zukunftsromanen überhaupt; heute nennt man sie Science Fiction - .

Kurz vor Weihnachten 1948 entdeckte ich in der einzigen Buchhandlung im Ort Rehau den Zukunftsroman (Auf unbekanntem Stern von Anton Kolnberger. Das wurde dann ein heiß ersehntes Weihnachtsgeschenk.

Warum ich dies alles so ausbreite? Weil mich damit die ersten Impulse der Beschäftigung mit dem Thema Hochbegabung erreichten - oder sollte ich besser sagen: infizierten? Denn wie die Infektion mit einem unbekannten Virus zieht sich die Beschäftigung erst mit der Science Fiction, dann mit der Hochbegabung ab da, also ab 1948, durch mein ganzes Leben.

Sun Koh ist, ebenso wie den Helden-Kollege Jan Mayen und der Raketeningenieur Dr. Peter Bergen, die Hauptfigur in Kolnbergers Weltraum-Robinsonade, fraglos ein Hochbegabter.

Wen wundert´s da, daß die Hauptfiguren meiner ersten eigenen Romane ebenfalls zu dieser Kategorie gehören. Vor allem Tes Dayen, der Held meines Sernvogel, kann sich sehen lassen: habe ich doch diesem Superman* einen IQ von 184 zugeschrieben (ab 130 beginnt der üblichen Definition gemäß Hochbegabung - Tes Dayen ist also mindestens ein Genie).
* Der Held Superman vom Planeten Krypton war übrigens auch einer meiner Favoriten ab 1948, als ich in Garmisch von Amerikanern die ersten Comic-Heftchen bekam.

Die Hauptfigur meines Erstlings (Männer gegen Raum und Zeit war eigentlich eine doppelte Ausgabe:

° Für mich damals 17-jährigen war die Person, um die sich das Geschehen rankte, der (seltsamer Zufall!) ebenfalls 17-jährige Kido, eine Art Azubi im Forschungs-Raumschiff Magellan.

° Aber der eigentliche Protagonist war natürlich der Kommandant des Raumschiffs, Rani Tan, den ich als eine Mischung aus kühnem Abenteuerer à la Sun Koh und weisem alten Mann (deutlich meinem Großvater mütterlicherseits nachgebildet, wie ich lange später erkannte) angelegt hatte.

55 Jahre liegen diese ersten Anfänge meines Lesens und Schreibens jetzt zurück, mehr als ein halbes Jahrhundert. Es ist für mich keine Frage, daß diese Anfänge nahezu indentisch sind mit meiner Beschäftigung mit dem Thema Hochbegabung.

(Für Autoren-Kollegen sei noch angemerkt, daß ich damals noch wenig Ahnung hatte, wie man einen Roman dramatisch gestaltet und daß hierbei vor allem das Konzept der HELDENREISE sehr hilfreich ist. Deshalb hat dieser Roman ebenso wie sein Nachfolger (Sternvogel keinen finsteren Bösewicht als Widersacher oder AntAgonist [wenn man von einer menschenfeindlichen Natur als Gegner einmal absieht] was der Spannung nicht gerade zuträglich ist.)





Den Kennern der Materie verrate ich wahrscheinlich kein Geheimnis, wenn ich feststelle, daß die Protagonisten (und ebenso ihre Widersacher) der Science Fiction durchwegs Hochbegabte sind:
° Das läßt sich schon 1818 bei (Dr. Victor) Frankenstein feststellen. Der ist die Titelfigur des gleichnamigen Romans, mit dem Brian Aldiss in seiner Geschichte der SF-Literatur Der Milliardenjahretraum diese Literaturgattung ihren Anfang nehmen läßt.
° Und das hört beim Superagenten James Bond (wenn ich den einmal den Randgebieten der SF zuschlagen darf) und seinen genialen Widersachern Dr. No, Goldfinger, Specter und wie sie alle heißen, noch lange nicht auf - von den unzähligen mad scientists à la Dr. Seltsam und den - zum Glück für die Menschheit - viel häufigeren genialen Rettern der Welt, Wissenschaftlern und Ingenieuren einmal ganz abgesehen.

(Warum wohl heißt das Genre science fiction? Genau: Weil es von Scientists handelt und da in der Regel nicht von ihren dümmsten Varianten, sondern von ihren super-klügsten.)

Der Schweizer Matthias Giger hat in seiner Diplomarbeit diese Verbindung akribisch und sehr lesenwert 2006 untersucht: Hochbegabung und Science Fiction.


Work in progress

- hier demnächst mehr Inhalt




Bibliographie

Aldiss, Brian und David Wingrove: Trillion Year Spree.(1973/86) dt.: Der Milliardenjahretraum. Bergisch-Gladbach 1990 (Bastei Lübbe).
Eschbach , Andreas: Exponentialdrift. Bergisch-Gladbach 2003 (Bastei-Lübbe). [Vorabdruck in Fortsetzungen in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung 2001-2002.]
Galle, Heinz.J.: Sun Koh - der Erbe von Atlantis und andere deutsche Supermänner / Paul Alfred Müller alias Loky Myler alias Freder van Holk. Zürich 2003 (SSI-media).
Giger, Matthias: Hochbegabung und Science Fiction. (Magisterarbeit). Amriswil 2006-10 (Selbstverlag).
Myler, Lok (= Freder van Holk = Alfred Müller-Murnau): Sun Koh - der Erbe von Atlantis. Heftserie Leipzig 1933-1936 (Bergmann).
ders.: Jan Mayen - der Herr der Atomkraft. Heftserie Leipzig 1933-1936 (Bergmann).
Kolnberger, Anton: Auf unbekanntem Stern . 2. Aufl. Nürnberg 1948 (Die Egge).
Scheidt, Jürgen vom: Männer gegen Raum und Zeit. Balwe 1958 (Wieba).
ders.: Sternvogel. Minden 1958 (Bewin).


© 2007 / 2004 für diesen Text: Jürgen vom Scheidt / Quelle: www.hyperwriting.de