DIE JAGD NACH DER MÜNZE

Spuren durch ganz Europa



Eine der neuen €uro-Münzen dokumentiert den (mythischen) Anfang der abendländischen Geschichte: als Zeus, in Gestalt eines Stiers, die orientalische Prinzessin Europa nach Kreta entführte.

(Der indische Glücksgott Ganeesha ist zugleich auch der Gott, der für den Geldfluss sorgt / Foto: JvS)

Allerletzte Aktualisierung: 7. Juni 2008

Großansicht
Details
Zum Fließtext

[2008-06-07 END ok / ur 2002-04-07]


(Autor: Jürgen vom Scheidt)


2008-06-07
Na so ein Zufall: Fünf Ein-€uro-Münzen aus fünf Ländern im Geldbeutel:
° Deutschland (klar),
° Italien und Belgien (recht häufige Gäste),
° Irland (schon seltener),
° Malta (ganz neu - auch in meinem persönlichen €uro-Land).



2008-01-09
Aktueller Anlass, doch noch etwas nachzutragen:

Seit Anfang dieses Jahres sind Malta und Zypern neu zum €uro-Bereich hinzugekommen. Demnächst werden Polen, Tschechien, Ungarn folgen. Und ich möchte gerne noch erleben, dass auch die Türkei dabei ist!

Frau Albert, bei der ich einmal die Woche zur Massage bin, reist gerne. Über den Jahreswechsel war sie auf Zypern und brachte mir eine der neuen Zwei-€uro-Münzen von dort mit.

Als ich gestern meinen Geldbeutel inspizierte, waren 22 Münzen darin (inkl. der aus Zypern). Elf waren aus Deutchland - die anderen elf aus dem übrigen €uro-Bereich. Zufall, gewiss. Aber doch auch ein sehr aussagekräftiger Beleg dafür, wie rasch und effektiv der €uro sich verbreitet hat. Und wirtschaftlich/politisch steht er inzwischen besser da als der Dollar!

Wer hätte das gedacht, wo so viele Kritiker das Gegenteil heraufbeschworen haben (z.B. Prof. Hankel, den ich diesbezüglich in einer Veranstaltung nach einem eigenen Seminar in ??? habe heftig polemisieren hören).



2006-02-11
Ab und zu ist ein Thema erschöpfend behandelt - oder eine weitere Aktualisierung macht wenig Sinn. Diese Beiträge werden im Datumsfeld mit einem "END" nach dem letzten Aktualisierungsdatum (= linke Zahl) gekennzeichnet.
Mit diesem Kürzel kann man auch gezielt nach ihnen suchen.

Am ENDe ist auch dieser Beittrag angelangt. Heute (am 11. Feb 2006) fand ich im Wechselgeld eine Zwei-€uro-Münze aus einer offenbar neuen Serie mit Abbildungen deutscher Stadt-Motive. In diesem Fall ist es das Lübecker Stadttor - wohl als Repräsentant des Bundeslandes Schleswig-Holstein.

Das muss ja nun nicht mehr sein - auch noch diese Motive zu sammeln.






Inhalt dieses Artikels
1. Meine ursprüngliche Idee...
2. Allmähliche Akzeptanz des €uro
3. Göttervater Zeus entführt Prinzessin Europa
4. Fast erwischt: Im Buchheim-Museum
5. Ein Buch-Projekt im Buch-Projekt
6. Stationen europäischer Geschichte
7. Vorläufer
8. Ich beende das Experiment
_Bibliographie




1. Meine ursprüngliche Idee...


... war es gewesen, in einem der Kapitel meines Buches DAS DRAMA DER HOCHBEGABTENanhand der Motive auf den Münzen zu zeigen, wie die Leistungen Hochbegabter dort - auf wirklich jedem Exemplar - in irgendeiner Form verewigt werden:

° sei es direkt mit einem Portrait wie bei "Bertha von Suttner" oder "Wolfgang Amadeus Mozart" auf der österreichischen Zwei- bzw. ein-€uro-Münze,

° sei es indirekt wie bei den deutschen Münzen (etwa das Brandenburger Tor, das sowohl für die Leistungen großer Politiker bei der Reichsgründung steht wie für den Erbauer C. G. Langhans, der es 1788 - 1991 erbaute.


Am meisten interessierte es mich gleich nach Einführung der neuen europäischen Währung, die griechische Zwei-€uro-Münze zu bekommen - wegen des Motivs "Zeus entführt - als Stier - Prinzessin Europa nach Kreta". Denn dies ist nicht nur der Beginn der abendländischen (westlichen) Zivilisation vor etwa 5.000 Jahren - sondern zugleich der Ursprung der LABYRINTHIADE.

Die meisten Münzen habe ich inzwischen. Ich sammle ja nicht gezielt, sondern bin mehr hinter den Zufälligkeiten her: Wo bekomme ich eine neue Münze - unter welchen Umständen? (Daraus könnte man übrigens einen ganzen Entwicklungs-Roman gestalten, der Münze für Münze die Stationen eines Lebens abschreitet - etwa in der Art von Ernst von Salomons Der Fragebogen.)

Einmal (am 16. Juli 2003) fand ich eine der seltensten Münzen mitten im Englischen Garten, auf einem der Spazierwege: eine "20 Cent" aus Finland: Meine erste finnische Münze (damit habe ich alle 20-Cent-Münzen)

Inzwischen bekommt man beim Einkaufen oder im Café nahezu jeden Tag einen dieser Exoten. Aber wie oben erwähnt - jetzt langt es mit diesem Experiment.




2003-01-07

2. Allmähliche Akzeptanz des €uro


Sehr erfreulich finde ich das, wie sich die Akzeptanz des €uro entwickelt. Es sah ja anfangs nicht sehr rosig aus. Die Wirtschaftsexperten mussten kräftig anschieben.
Noch im April 1998 ergab eine Umfrage der Banken, dass sich die Deutschen "mit dem Euro schwer" tun.

Und heute, mehr als vier Jahre später (2003-01-07)?

Viele Leute jammern, weil sie meinen (!), der Wechsel von D-Mark nach €uro habe alles verteuert (T€uro !). Aber da kommen so viele großwirtschaftliche, politische und private Unwägbarkeiten und nicht zuletzt psychologische (teils sehr unbewusste) Momente wie Ängste ins Spiel, dass man unter dem Strich wohl doch sagen kann: Alles ist bestens gelaufen.
Der €uro ist eingeführt. Und man hat sich bereits weitgehend daran gewöhnt, muss immer seltener (in Gedanken) zurückrechnen in Deutsche Mark. Es war ein raffinierter psychologischer Schachzug, jedem Land die Gestaltung der Rückseite der Münzen zu überlassen - auch wenn wir Deutschen uns als ungemein einfallslos offenbart haben.


Schon im Januar tauchten in meinem Geldbeutel die ersten nichtdeutschen Münzen auf. Am 15. März waren es sogar drei auf´s Mal:

° Zwei-€uro-Münze aus Österreich (Bertha von Suttner [1843-1914] : Friedensnobelpreis 1905, u.a. für ihr Buch "Die Waffen nieder!. Welch ein Glück für sie, dass sie schon am 21. Juni 1914 starb - und nicht mehr das Elend des Ersten Weltkriegs miterleben musste, der im August 1914 ausbrach.) [2002-03-15 in Berlin - nochmals 2002-03-18 in München]

° 50-Cent-Münze aus Österreich (Schloss Schönbrunn) [2002-03-15]

° 50-Cent-Münze aus Lëtzebuerg (Luxemburg) mit dem Portrait des amtierenden Großherzogs [2002-03-15]

Man sieht richtig, wie durch das umlaufende Geld Europa von Tag zu Tag mehr zu einer Realität wird: Weil es über das Hantieren mit den Münzen (und Geld gehört in unserer Zivilisation bekanntlich zu den essentials) ständig ins Bewusstsein dringt.

Ich bin kein Münzen-Sammler - aber ich bin sehr gespannt, wie und wann der Zufall mir alle 96 €uro-Münzen in das Glas gespült haben wird, das ich der Neugier halber auf meinem Schreibtisch zu eben diesem Zweck deponiert habe.

Insbesondere jage ich die griechische Zwei-€uro-Münze mit dem wunderschönen - und für mich in mehrfacher Weise faszinierenden - Motiv "Zeus-Stier und Prinzession Europa". Eine habe ich schon bekommen. Am 15. April 2002 war ich im Buchheim-Museum in Bernried schon ganz nah dran (s. u.)


Wird es vor Beendigung meines neuen Buch-Manuskripts sein (in dem die Jagd nach der Münze eines der Leitmotive ist) - oder danach? Oder markiert die letzte Münze so ganz zufällig den Abschluss des Manuskripts?

Wir werden es sehen. Und hier darüber berichten.




3. Göttervater Zeus entführt Prinzessin Europa


Die griechische Zwei-€uro-Münze dokumentiert den (mythischen) Anfang der abendländischen Geschichte: als Zeus, in Gestalt eines Stiers, die orientalische Prinzessin Europa nach Kreta entführte.

Dieser Verbindung von Zeus und Europa entsprossen drei Söhne: Minos, Rhadamantis und Sarpedon. Minos wurde später König von Kreta und damit Gründer und Gesetzgeber der minoischen Kultur.

Mit dieser Entführung beginnt also - vor etwa 4600 Jahren - die abendländische Kultur.

Nachdem Minos dem findigen Daidalos den Auftrag gegeben hat, für den gefährlichen Minotauros ein Gefängnis in Gestalt eines LABYRINTHS zu bauen, ist dies zugleich der Beginn auch jenes rätselhaften Mythos, der mich schon seit langem fasziniert.

Als zu Beginn des Jahres 2002 der €uro die neue Währung fast im gesamten europäischen Raum wurde, begann für viele Sammler zugleich eine spannende Jagd nach den neuen Münzen, vor allem nach den ausländischen, deren Rückseite sich ja von der deutschen unterscheidet. Ich bin kein Münzsammler - aber ich bin neugierig,was mir der Zufall im Lauf der Zeit nach und nach an fremden €uro-Münzen zuspielen wird - und wann vor allem Zeus und Europa in meiner Hand landen würden.




4. Fast erwischt: Im Buchheim-Museum


Montag, 15. April 2002: Ruth und ich wandern an unserem "freien Montag" von Bernried am Starnberger See nach Tutzing. Dabei besuchen wir auch das eindrucksvolle Buchheimsche "Museum der Phantasie" buchheimmuseum.de).

Der Expressionismus, der hier vor allem vertreten ist, entpricht nicht unbedingt unserer >i>Gemütslage bzw. unseren künstlerischen Interessen; aber eine Reihe von Bilder lohnen den Besuch auf alle Fälle. Dazu noch viele interessante Exponate aus den Nebensammlungen dieses irrsinnig fleißigen, vielfach interessierten Super-Sammlers.

Auf der Suche nach einer Wohnung geriet ich Mitte der 70-er Jahre auch einmal, ich weiss nicht mehr wie und über wen, in Buchheims Privathaus in Feldafing. Das ganze Treppenhaus war an den Seiten vollgestellt mit wunderschönen Paperweights (von denen Buchheim, wie ich einmal las, an die 3000 - dreitausend! - Exemplare besitzen soll); ein Werkstudent staubte sie gerade ab. Wenn die im Museum ausgestellt werden, bin ich sicher wieder da.
.
Mich (JvS) fasziniert insbesondere der verschlungene Lebensweg dieses Multitalents von Kriegsberichterstatter, Maler, Fotograf, Schriftsteller (sowohl von Kunstbänden wie von erzählenden Werken wie dem - auch enorm erfolgreich verfilmten - Weltbestseller Das Boot), Verleger, Galerist und schließlich auch noch Museumsgründer. Und das alles ungemein erfolgreich. Ein geldkreativer Mensch wie man selten einen findet. "Geist und Geld" aufs perfekteste vereint.

Beim Bezahlen im angeschlossenen Café fragte ich nach der Zwei-€urope-Münze griechisch. Freundlich lächelnd brachte die Kellnerin sie aus den Abgründen ihres großen Geldbeutels zum Vorschein, bemerkte jedoch gleichzeitig vorsorglich: "Aber die behalt ich selber. Ich sammle nämlich auch."
Schade. Vielleicht hätte ich sie bestechen sollen - mit dem doppelten Wert? Aber auf die Idee kam ich erst zuhause. Beinahe hätte ich die gejagte Münze also vielleicht bekommen. Aber eher wohl nicht: Sammler sind Sammler...

Immerhin war es ein netter Beinahe-Zufall - und das passenderweise im "Museum der Phantasie".




5. Ein Buch-Projekt im Buch-Projekt


Als Schriftsteller freue ich mich besonders, dass schreibende Kollegen erstaunlich oft auf diesen Münzen verewigt worden sind:

° Miguel Cervantes (Spanien),

° die streitbare Friedensaktivistin Bertha von Suttner (Österreich),

° Dante Alleghieri (Italien),

° das Universal-Genie Leonardo da Vinci (Italien)

° und das "Wolferl" Mozart - ja, der hat auch geschrieben: köstliche Briefe und viele Noten für seine Kompositionen (Österreich).

° Eigentlich müsste man auch Marc Aurel und König Midas von Kreta unter diese Schriftsteller einreihen: Von dem römischen Kaiser werden seine Reden überliefert und Midas gilt als mythischer Gesetzesbringer, ähnlich wie Hammurabi von Babylon und der jüdische Moses.

Als die Münzen Stück für Stück bei mir eintrudelten, kam mir die Idee, daraus ein Buch-Projekt zu machen, genauer gesagt: eine Rahmenhandlung. Diese soll eingefügt werden in das Buch über das Bücherschreiben, an dem ich derzeit arbeite.

Klingt ein wenig kompliziert? Macht nichts. Das fertige Produkt wird alles klären.

(PS 2006-06-12: Dies ist eines der vielen Buch-Projekte, die ich irgendwann wieder eingestlelt habe. Man kann nicht alles zu ende führen.)




6. Stationen europäischer Geschichte


8. April 2002: Inzwischen sind schon eine ganze Reihe der Münzen in meinem Besitz. Mit jeder ist eine kleine Geschichte verbunden, wie sie zu mir gefunden hat - und zugleich gibt es eine interessante Hintergrundgeschichte, was sie darstellt und was dies für das jeweiige Herkunftsland für eine Bedeutung hat. Zwei Beispiele:




Ein €uro italienisch: Leonardo da Vinci


Am Sonntag den 7. April 2002, traf ich mich mit meinem ältesten Sohn Gregor in einem Café zum Frühstücken. Wir hatten uns mehr als einen Monat nicht gesehen. Er hat viele interessante Erlebnisse von einer Geschäftsreise nach Amerika erzählt.




Marc Aurel hoch zu Pferd


Am 7. Juli Ausflug am Starnberger See, von Tutzing nach Seeshaupt. Im kleinen Freibad "Lidl" von Seeshaupt eine Radler-Halbe. Als Rückgeld gibt es - wieder einmal - die "Berta von Suttner" (zwei €uro Österreich - die bisher am häufgigsten in unserem Geldbeutel gelandete neue Münze). Und dazu, neu, den "Marc Aurel" des bekannten römischen Reiterstandbilds (50 Cent Italien).

Als ich einige Tage später einen Ausflug mit meinem ältesten Sohn Gregor mache, gibt mir der Kellner unter anderem die italienische Ein-€uro-Münze heraus. Darauf ist das Menschen-Symbol abgebildet, das für alle Zeiten mit seinem Zeichner Leonardo da Vinci verbunden sein wird. Die Münze wird mich stets an diesen Vormittag erinnern - und an ein spannendes Gespräch zwischen Sohn und Vater, u.a. über künstliche Intelligenz und Roboter und die Zukunft des Menschengeschlechts auf unserem Planeten.




7. Vorläufer


18. März 2002: Zwei-€uro aus Griechenland: "Zeus entführt Prinzessin Europa nach Kreta" - der Beginn der minoischen Kultur und damit zugleich des Abendlandes (s. oben) (Eine "Spende" von Barbara G.)



25. März 2002: 50-Cent-Münze aus Spanien: mit dem Portrait von Cevantes, dem Verfasser des Don Quichote.




2004-04-27

8. Ich beende das Experiment


Ich beende das Experiment. Nachdem anfangs (2001) nur sehr selten mal so ein Exot den Weg in meinen Geldbeutel fand, trifft inzwischen nahezu jeden Tag einer ein - und nicht nur aus dem Nachbarland Österreich, sondern aus Spanien, Portugal, den Niederlanden... Einmal fand ich sogar beim Laufen auf einem Weg im Englischen Garten eine - der sehr raren - finnischen Münzen: "zehn Cent".

Vor einer Woche, am 14. April, waren es gleich drei Münzen:
18.55 h : 2 €uro Niederlande (GesundheitsPark: Rückgeld neue Streifenkarte)
19.05 h : 2 €uro Frankreich ((GesundheitsPark: Rückgeld für Massage à 18.00 €)
22.00 h : 10 Cent Italien (Rückgeld bei McDonalds für "6 Chicken Nuggets im Maxi Menü").

2005-05-01: Nachtrag
Irgendwann habe ich das Interesse an den €uros verloren. Die Aufmerksamkeit ließ immer mehr nach. Aber ab und an flackerte die Neugier doch wieder auf.
Am 8. April 2005 spülte mir der Strom der Münzen eine griechische Zwei-€uro wirklich per Zufall in den Geldbeutel (die erste, die ich bekam, hatte Barbara G. für mich nachts am Bahnsteig des Münchner Hauptbahnhofs bei einem gerade einlaufenden Fernzug aus Griechenland regelrecht . aber diese - die fand mich gewissermaßen von selbst).
Und am 30. April, also gestern, entdeckte ich beim Suchen nach passendem Rückgeld - eine Zwei-Cent-Münze aus Luxemburg. Die hatte ich noch nicht.
Jetzt fehlen mir nur nach einige wenige - vor allem aus Finnland und Portugal. Und dann natürlich alle aus dem Vatikan. Aber vielleicht kann der neue Papst Benedikt XVI. da ein kleines Wunder wirken....



Bibliografie

Salomon, Ernst von: Der Fragebogen. Hamburg 1951 (Rowohlt)
Wiesemann, Jan (Idee und Konzept): Mit dem Euro durch Europa. München 2002 / 5.Aufl. (Gräfe und Unzer)


(c) 2002_2006 beim Autor Jürgen vom Scheidt
Quelle: Website "www.iak-talente.de")