FREITAG, 13. NOVEMBER 2026

Kreativität sollte den Blick auf das große Ganze mit einbeziehen



Schonender Umgang mit Energie und Rohstoffen ist nur scheinbar ein Gegensatz zu dem, womit wir uns im IAK befassen.

Schreiben, Malen, Musizieren - also die schöpferischen Gestaltungsformen, die wir fördern - sollten niemals irgendwo isoliert für sich abgehandelt werden, als "Kunst um der Kunst willen" . Zur Selbstverwirklichung im Kleinen gehört jedoch immer auch der Blick auf das Ganze.

Und was wäre die "Frage nach dem Sinn" - ohne solchen Bezug zur Zukunft?

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[2008-03-19 wip / ur 1999-12-23]



"Die Lebenskraft eines Zeitalters
liegt nicht in seiner Ernte,
sondern in seiner Aussaat."
(Ludwig Börne)


(Autor: Jürgen vom Scheidt)


Ursprünglich war dies eine der Hauptverzweigungen auf der Website. Ich habe mich jedoch entschlossen, sie dem größeren Thema Homo futurus unterzuordnen.

Was wäre auch die "Frage nach dem Sinn" - ohne solchen Bezug zur Zukunft?


An jenem - noch recht fern aussehenden - Freitag des Jahres 2026 wird sich wahrscheinlich entscheiden,

° ob die düsteren Prognosen renommierter Wissenschaftler aus dem Jahr 1968 zutreffen

°oder ob die Menschheit noch Chancen nicht nur für das Überleben hat, sondern für eine Weiterentwicklung zum HOMO FUTURUS).

Als diese Website das erste Mal von uns ins Netz gestellt wurde (im Dezember 1999), waren es noch 324 Monate bis zu dem ominösen Datum Freitag, 13. Nov 2026. Inzwischen (am 13. November 2005) sind es nur noch 243 Monate.

Die Zeit rast ganz schön dahin, nicht wahr?



Inhalt
1. Millarden Menschen - Billionen Dollar
2. Ein System siegt sich zu Tode
3. Kreativität hat viele Erscheinungsformen
4. Familienforscher denken in Generationen
5. Freitag, 13. November 2026
6. Ergänzung vom 23. Sep 2001
_Literatur



1. Millarden Menschen - Billionen Dollar


Wer sich einen realistischen Eindruck davon verschaffen möchte, wie diese Entwicklungen entstehen und wie schwer es ist, sie zu ändern, dem seien zwei Romane empfohlen.

John Brunner hat in seinem SF-Roman Stand on Zansibar (deutsch: Morgenwelt) seine Phantasie wild blühen lassen. Er malt für uns aus, wie es Mitte dieses neuen (21.) Jahrhunderts aussehen könnte, wenn die heute zaghaft beginnenden Bemühungen, das Ruder bei wichtigen Parametern wie dem Bevölkerungswachstum herumzureißen, nicht gelingen sollten. Brunner veraanschaulicht das Problem der Bevölkerungsexplosion mit folgendem Vergleich:

Anfang des vergangenen Jahrhunderts lernten die englischen Kinder, daß die gesamte menschliche Rasse auf den 147 Quadratmeilen der Isle of Wight Platz hätte, "Ellbogen an Ellbogen, Gesicht an Gesicht". Als Brunner 1969 das Buch veröffentlichte, hätte man für dieses Experiment bereits die Isle of Man mit ihren 221 qml benötigt.
Und 2010 (die Zukunft, in welcher der Roman spielt) wäre dafür schon die Insel Sansibar mit ihren 640 qml nötig, die dem Buch zum Titel verholfen hat.

Einen anderen Zugang zum Thema benützt Andreas Eschbach. Er fragt, ob und wie man die Welt bzw. die Menschheit aus ihren Problemen retten könnte, wenn man die gewaltige Summe von einer Billion Dollar zur Verfügung hätte. Wenn Sie dieses Buch lesen (was ich Ihnen nur wärmstens empfehlen kann), werden Sie sich wundern! (Hier meine Rezension: "Eine Billion Dollar"



2. Ein System siegt sich zu Tode


Wer es gerne sachlicher hat und der Science Fiction ob ihrer überbordenden Phantasie und ihrem Unterhaltungswert mißtraut, kann sich in zwei fundierten Studien des Münchner Ökologen und Dolmetschers Lothar Mayer sachkundig machen. Aber Vorsicht - wer diese beiden Bücher gelesen hat, wird nicht mehr ruhig schlafen!

Das erste Buch, Ein System siegt sich zu Tode - Der Kapitalismus frißt seine Kinder liefert gewissermaßen die Analyse unserer weltweiten ökologischen Misere.

Im zweiten Band, der logisch am ersten anknüpft (Ausstieg aus dem Crash ) bietet Mayer den "Entwurf einer Ökonomie jenseits von Wachstum und Umweltzerstörung" (so der Untertitel).
Ich kenne Lothar seit vielen Jahren persönlich und bin immer wieder beeindruckt von seiner fundierten, umfassenden und schonungslosen Analyse unserer Welt(-Wirtschaft).

Man kann nur hoffen, daß die bewundernde Bemerkung von Tim Radford, die dem ersten Buch als Motto vorangestellt wurde, zutrifft:

"With luck... this book may be wrong."


Wenn man im Wirtschaftsteil der Tageszeitungen liest, in welche Panik die ökonomischen Experten und die Politiker geraten, weil (nicht nur in Deutschland) das Wirtschaftswachstum zur Zeit gegen Null tendiert, bekommen Lothar Mayers Studien noch einen viel tieferen Sinn.

Wer seine / ihre ökologische Sensibilität übrigens trainieren möchte, dem sei das aufschlußreiche Umwelt-Spiel Ecopolicy von Frederic Vester "ans Hirn" gelegt (ausführliche Besprechung "Ecopolicy"). Hier kann man vernetztes Denken üben und zugleich noch Entdeckerfreude und viele "Aha"-Erlebnisse einsammeln.



3. Kreativität hat viele Erscheinungsformen


Die verschiedenen Aspekte von Kreativität lagern sich wie Schichten über einander . Ein schönes Gedicht zu schreiben ist ein kreativer Akt "hoch oben" in dieser Hierarchie von Bedeutungen. Die biologische Zeugung eines Kindes ist gewissermaßen eine der untersten Schichten. Jede künstlerische Gestaltung sollte stets auch den Blick aufs Ganze der Schöpfung, wie es nicht zufällig heißt, ermöglichen, sollte im Idealfall all diese Schichten miteinander vernetzen.

Schonender Umgang mit Energie und Rohstoffen ist nur scheinbar ein Gegensatz zu dem, womit wir uns im IAK befassen. Schreiben, Malen, Musizieren - also die schöpferischen Gestaltungsformen - sollten niemals irgendwo isoliert für sich abgehandelt werden, als "Kunst um der Kunst willen" (franz. "l´art pour l´art.") .

Zur Selbstverwirklichung im Kleinen gehört immer auch der Blick auf das Ganze.

Deshalb ist für uns die Beschäftigung mit der Zukunft und den möglichen Gefahren immer ein Anliegen gewesen - und wie wir unseren Teil dazu beitragen können, daß es nicht so schlimm kommt, wie es angeblich kommen soll. Dieser unser Beitrag kann naturgemäß nicht sonderlich groß sein - aber wir bemühen uns, zum Beispiel in unseren Seminaren.



4. Familienforscher denken in Generationen


Familienforscher denken in Zeiträumen von 25 oder 30 Jahren, das heißt in Generationen. Historiker und Demographen hingegen rechnen nicht in Jahrzehnten, sondern in Jahrhunderten.

1995 veröffentlichte die Zeitschrift Psychologie heute eine Serie von Artikeln über das Thema "Jahr 2050", also rund zwei Generationen in der Zukunft. Einer von uns (JvS) schrieb dafür den Beitrag "Mensch und Menschenbild der Zukunft: der HOMO FUTURUS".

Die Serie berief sich ihrerseits auf eine Sonderausgabe der renommierten naturwissenschaftlichen Publikation Science , die 1968, also rund eine Generation vor 1995, erschienen war. In dieser Doomsday Edition (wie man sie wegen ihres düster-pessimistischen Grundtons einer drohenden Apokalypse bald nannte) waren die Forschungsergebnisse, Ansichten und Prognosen von über 100 führenden Wissenschaftlern gebündelt, deren Warnungen auf eben dieses ominöse Datum zulaufen:



5. Freitag, 13. November 2026


Das Datum steht für den prophezeiten Tag, an dem die Lebensgrundlagen für uns Menschen auf dem Planeten Erde irreversibel zerstört sein werden. Als irreversibel bezeichnen die Naturwissenschaftler einen Vorgang, der sich nicht umkehren läßt: Wenn beispielsweise ein Ei gekocht worden ist, kann man es nicht in seinen rohen Zustand zurückverwandeln.

Rettung gibt es für die Menschheit demnach nur, wenn Umweltzerstörung und -vernichtung und Bevölkerungswachstum (als deren wichtigste Ursache) drastisch gedrosselt werden.

Die Bevölkerungsexplosion scheint man allmählich in den Griff zu bekommen. Was die - vielleicht irreparable - Zerstörung der Ökosphäre angeht, so steuern wir nach Beobachtungen des Gehirnforschers und Nobelpreisträgers Roger Sperry im Jahr 1995 noch immer munter darauf zu. Und die Amerikaner, die größten Energie- und Rohstoffverschwender auf unserem Planeten, sabotieren unter ihrem Präsidenten George W. Bush jeden Versuch, die Protokolle von Rio de Janeiro oder Kyoto umzusetzen, die wenigstens eine kleine Chance für ein Umdenken und Umlenken darstellten..



6. Ergänzung vom 23. Sep 2001


Am Abend, bevor dieser Text vom Dezember 1999 erstmals überarbeitet wurde, sahen wir den Science-Fiction-Thriller Terminator. Wie der Zufall so will, befaßt dieser Film sich, wenn auch auf sehr schlichte Weise, genau mit diesem Thema: der Vernichtung der Erde durch menschliche Ignoranz. Im Jahr 2029 (was ja gar nicht so weit weg ist von 2026!) vernichtet ein entsetzlicher Atomkrieg die Hälfte der Menschheit.

Diese schreckliche Vision aus dem Jahr 1986 (als der Film gedreht wurde) ist heute nicht mehr so realistisch wie noch vor dem Fall der Berliner Mauer. Doch immer noch lagern rund 30.000 Atombomben in den westlichen und östlichen Arsenalen. Es gibt also wenig Grund zu Entwarnung.

Wir nehmen das Menetekel des Atomkriegs und des Kampfes der Denkmaschinen gegen die Menschen (das zweite Thema dieses Films) als grelle Überzeichnung viel bedrohlicherer Szenarien, die mit der Verschmutzung von Wasser, Luft und Erde einhergehen und vor allem mit der noch immer viel zu rasanten Bevölkerungsexplosion.

Aber ohne die Übersteigerung, deren sich die Science Fiction bedient, würde man die bedrohlichen Entwicklungen wahrscheinlich gar nicht mehr wahrnehmen - zu sehr haben wir uns schon an sie gewöhnt. (So wie man sich einst im Dritten Reich an die Vernichtung von Menschenleben in vielen kleinen Schritten "gewöhnt" hat - der Vergleich ist leider gar nicht so weit hergeholt, wie es zunächst aussehen mag.)

Aber nun hat die Realität - könnte man sagen - die Zukunft gewissermaßen eingeholt: Die Terror-Anschläge auf New York und Washington zeigt, daß es nicht unbedingt ein Atomkrieg sein muß, der die ganze Welt in Angst und Schrecken versetzt.

(Mehr hierzu unter Blog des IAK 2001.)



Literatur

Brunner, John: Stand on Zanzibar. London 1969. Deutsch: Morgenwelt, München 1980 (Heyne)
Eschbach, Andreas: Eine Billion Dollar. Bergisch Gladbach 2001 (Lübbe)
Lothar Mayer: Ein System siegt sich zu Tode - Der Kapitalismus frißt seine Kinder. Oberursel 1992 (Publik-Forum)
Lothar Mayer: Ausstieg aus dem Crash. Entwurf einer Ökonomie jenseits von Wachstum und Umweltzerstörung. Oberursel 1999 (Publik-Forum)
Scheidt, Jürgen vom: "Auf dem Weg zum Homo futurus". In: Psychologie heute, Dez 1995 (Beltz Verlag).


© 2008 / 1999 für diesen Text: Jürgen vom Scheidt / Quelle : www.iak-talente.de