PUTTKAMER, JESCO VON (Kurz-Portrait)

Unser Mann ins All




(Bild: 2006 bei der Schußfahrt - nicht "nach oben", sondern nach unten, ins Tal _ © Courtesy JvP)

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[2008-12-14 ok / ur 2007-07-04]


(Autor: Jürgen vom Scheidt)


(Ergänzung vom 14. Dez 2008)
Prof. Jesco Freiherr von Puttkamer, der ein würdiger Vertreter dieser Rasse der Daidaliden genannt werden kann, wurde 1933 in Leipzig geboren und feiert dieser Tage seinen 75. Geburtstag - allerdings nicht in seiner Geburtsstadt, sondern in Washington, wo er seit den frühen 1960-er Jahren lebt. Dorthin holte ihn Prof. Wernher von Braun, sein großes Vorbild als Raumfahrtpionier und bald auch persönlicher Mentor bei der Nasa. Dort trug er maßgeblich zu den Apollo-Flügen mit der ersten Landung von Menschen auf dem Mond bei und ist heute an vorderster Stelle beteiligt an der Planung des ersten bemannten Fluges zum Mars.

Am 6. Dezember verlieh man ihm in Philadelphia mit einer sehr seltenen Auszeichnung: die German-American Heritage Foundation ernannte ihn zum Distinguished German-American of the Year - 2008. Ich will hier nicht die ganze Geschichte dieses langen und ereignisreichen und immens erfolgreichen Lebens ausbreiten - das kann man an anderer Stelle tun, auf meiner Website in den unten angeführten Beiträgen. Stellvertretend möchte ich aus der Presse-Mitteilung der GAHF zitieren:

Die Auszeichnung zum Deutsch-Amerikaner des Jahres wird in Anerkennung außergewöhnlicher Verdienste und Leistungen im Bereich der Wirtschaft, der Kunst und Kultur, der Bildung, der Wissenschaft, der Politik und der Gesellschaft an Amerikaner deutsch-sprachiger Abstammung verliehen. Dr. Jesco von Puttkamer blickt auf eine außerordentliche Karriere als Pionier und bedeutender Befürworter der bemannten Raumfahrt zurück. Er ist seit 46 Jahren leitender Mitarbeiter der U.S. Raumfahrtbehörde NASA und derzeitig als Programm Manager für die Internationale Raumstation ISS im Space Operations Mission Directorate (SOMD) im NASA Headquarters tätig.
Jesco von Puttkamer kam im Sommer 1962 auf persönliche Einladung von Dr. Wernher von Braun in die USA und arbeitete mit ihm zusammen als Mitglied des NASA Rocket Teams in Huntsville, Alabama. Stationen seiner Laufbahn waren unter anderem: Ingenieur bei dem APOLLO Lunar Landing Programm, anfänglich als Mitglied des SATURN Rocket Teams im Laboratorium für Aero-Astrodynamik, später dann am SKYLAB Space Station Programm und an den Anfängen des Space Shuttle Programms. Ab 1974 mitverantwortlich im NASA Hauptquartier in Washington im „Office of Manned Space Flight„ (OMSF) für die Konzeption, Durchführung und Kontrolle von langzeitlichen Studien zur Erforschung und Entwicklung der Raumfahrt.
Dr. von Puttkamer hat viele Auszeichnungen erhalten, u.a. für seine Mitwirkung an der SATURN V-Mondrakete und an den APOLLO- und SKYLAB-Programmen. 2004 erhielt er die NASA Medal for Exceptional Service und 2007 den NASA Honor Award für seine erfolgreichen Initiativen auf dem Gebiet der russisch-amerikanischen Zusammenarbeit in der Raumfahrt.
Er hat viel publiziert, darunter rund ein Dutzend Fachbücher über Raumfahrtthemen, und ist ein weltweit gefragter Dozent zu Themen der Raumfahrt. Dem deutschen Publikum ist er als „Mr. NASA“ vom Fernsehschirm her und als Buchautor bestens bekannt. Ende der 70er Jahre war er ausserdem als Berater an dem Paramount Film “STAR TREK-The Motion Picture” beteiligt.
Jesco von Puttkamer ist Diplomingenieur für Maschinenbau und Flugzeugtechnik der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen, ausserdem Ehrendoktor der Philosophie der Universität von Saarbrücken und war auch für 15 Jahre Professor an der Fachhochschule Aachen (FHA). Er wurde am 22. September 1933 in Leipzig geboren und kam 1962 in die Vereinigten Staaten, wo er 1967 die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt. Für seine Leistungen im U.S. Space Program und seine langjährigen Bemühungen um die Förderung deutsch-amerikanischer Beziehungen ist es uns eine Ehre Prof. Dr. Dipl.-Ing. Jesco Freiherr von Puttkamer die Auszeichnung des “Distinguished German-American of 2008” zu verleihen.





(25. Sep 2007)

Die Weltraumfahrt hat sich aus ihren bescheidenen Anfängen in den Dreißigerjahren zu einem gigantischen Industriebereich entwickelt, der in West und Ost Hunderttausenden Arbeit gibt - und nicht zuletzt einen beachtlichen militärischen Machtfaktor darstellt. Die folgende Kurz-Biographie leitete ursprünglich ein Interview im Bayrischen Rundfunk ein, das ich mit JvP zu seinem Buch Jahrtausendprojekt Mars führte.

Meine Bekanntschaft mit dem NASA-Manager und Professor für Raketentechnik rührt noch aus den späten 50-er Jahren, als wir uns im Science Fiction Club Deutschland kennenlernten. Ab und zu treffen wir uns auch heue noch - im Biergarten des Seehaus am Ufer des Kleinhesseloher Sees in München. Ansonsten tauschen wir gelegentlich eMails aus und ab und zu bekomme ich einen seiner hochinteressanten Artikel "aus erster Hand" geschickt, von denen zwei hier auf der Website zu finden sind:

"MENSCHEN IM ALL"
"BRUNNENKRESSE UND RAKETEN"

Wir sind übrigens beide in Leipzig geboren - wenn auch mit sieben Jahren Abstand. Auch das verbindet. Vor allem aber waren es die utopischen Geschichten, die Jesco in den 1950-er Jahren als Student schrieb (oder von bekannten amerikanischen Autoren wie A. E. van Vogt ins Deutsche übersetzte), die mein Interesse für ihn, den Älteren, schon als Jugendlicher weckten. Später habe ich eine dieser Stories, die mir auch heute noch gut gefällt, in eine SF-Anthologie für den Arena-Verlag übernommen: "Zu jung für die Ewigkeit".

Enorm beeindruckt hat mich Jesco 1959, als er sich während eines SF-Cons (so nennen die Fans die jährlichen Treffen, abgel. von engl. Convention) in Unterwössen in sein Hotelzimmer zurückzog und binnen drei Tage das Manuskript zu seinem utopischen Roman Die Reise des schlafenden Gottes in die Schreibmaschine hämmerte - und das alles ohne Computer!





Jesco Freiherr von Puttkamer wurde 1933 in Leipzig geboren. Schon sehr früh erwachte sein Interesse für Raketentechnik und die Weltraumfahrt: als Schüler und Student zunächst durch Lektüre, bald auch durch eigenes Schreiben von Weltraumabenteuern der Science-Fiction.

Nach dem Abitur studierte er Maschinenbau in Aachen, sammelte erste praktische Erfahrungen an der deutschen Forschungsrakete Taifun und schaffte endlich, 1962, den Sprung über den iGroßen Teich/i> in die Vereinigten Staaten, wo er im Tross und dann in der Nachfolge Wernher von Brauns Karriere machte.

Heute übertreibt man sicher nicht, wenn man Jesco von Puttkamer als den "obersten Deutschen" innerhalb des vielfach verzweigten Systems der NASA-Behörde der USA bezeichnet und damit als den Nachfolger von WERNHER VON BRAUN. Von den ersten Leistungsberechnungen für die Rakete SATURN V an war JvP am Apollo-Mondflug-Projekt aktiv beteiligt - keine geringe Ingenieursarbeit (insbesondere wenn man die vergleichsweise winzige Leistungskraft der damals verwendeten Computer berücksichtigt!).

Inzwischen ist er Program Manager, also Langzeit-Planer der NASA; in dieser Funktion ist er maßgeblich an der Entwicklung des Mars-Projekts beteiligt, das bis etwa 2035 die ersten Menschen auf den roten Nachbarplaneten befördern soll.

Wie nebenbei gesellte sich der Titel eines Professors für Raketentechnik an der Technischen Hochschule in Aachen zu seinem Reisegepäck. Er reist nicht nur deshalb viel hin und her zwischen den USA und Europa - sondern auch um in Vorträgen das Interesse für die bemannte Raumfahrt und speziell das Mars-Projekt zu wecken.

Es hat seiner Karriere sicher nicht geschadet, dass von Puttkamer durch einige Bücher den Raumfahrtgedanken sehr fördern konnte. Er kann dies solide technisch-wissenschaftliche Wissen auf eine Art entwickeln, die sich nicht nur verständlich liest, sondern zudem sehr spannend ist. Er schafft dies auf Grund seiner Detailkenntnisse, die er gewissermaßen auf den Logenplätzen der Raumfahrt sammelt - und das frühere Schreiben von Science fiction hat seinem Erzählduktus sicher ebenfalls nicht geschadet.

Dass Jesco von Puttkamer kein Schönfärber ist, der lediglich auf geschickte Weise Public Relations für die amerikanische Weltraumfahrt macht, bewies er mit seinem Werk Rückkehr zur Zukunft. Es handelt sich um eine schonungslose Analyse der schrecklichen Challenger-Katastrophe vom Januar 1986, welche die bemannte Raumfahrt nachhaltig bremste.

Inzwischen haben die wirklich phantastischen Ergebnisse der Reisen der beiden Voyager-Sonden zu den fernen Planeten Jupiter, Saturn und Neptun und ihren Mond-Systemen einmal mehr gezeigt, daß die Weltraumfahrt geeignet ist, nicht nur dem Militär neue Machtpotentiale zu erschließen, sondern auch dem menschlichen Geist neue Fernen und Perspektiven.

(Ausführlicher schildert JvP selbst seinen Werdegang hier auf der Website im Beitrag
"BRUNNENKRESSE UND RAKETEN", Teil 1 und 2)


Bibliographie

Landfinder, Thomas (Hrsg.) Welt ohne Horizont. Würzburg 1975 (Arena)
Puttkamer, Jesco von: "Zu jung für die Ewigkeit". (1955) Nachgedruckt in der Anthologie Landfinder 1975 (s.o.)
ders.: "Columbia, hier spricht Adler". Weinheim 1969 (Verlag Chemie).
ders.: Die Reise des Schlafenden Gottes. München 1959 (Moewig Terra Großband).
ders.: Elektronengehirne, Wurmlöcher und Weltmodelle. Rastatt 1985 (Moewig).
ders.:Rückkehr zur Zukunft. Bilanz der Raumfahrt nach Challenger. Frankfurt a.M. 1989 (Umschau)
ders..: Jahrtausendprojekt Mars. München 1996 (Langen Müller)
ders.: Von Apollo zur ISS. Eine Geschichte der Raumfahrt. Aus meinem Weltraumjournal. München Aug 2001 (Herbig)
ders.: Der Mensch im Weltraum. 04862 Klitzschen Okt 2005 (Elbe-Dnjepr-Verlag) - 183 S. / ISBN-10: 3933395763 - ISBN-13: 978-3933395764
Scheidt, Jürgen vom (Interview): "Raumfahrt als Über-Blick: Jesco von Puttkamer - Raumfahrtingenieur in Washington". in: ders. (Hrsg.): Konzepte für die Zukunft. Stuttgart München Landsberg Juni 1990 (Bonn aktuell)


© 2008 / 2007 für diesen Text: Jürgen vom Scheidt/ Quelle: www.hyperwriting.de